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60th German NOC Anniversary
Walther Tröger meint, das IOC nehme zu viel Rücksicht auf Russland © Getty Images

IOC-Ehrenmitglied Walther Tröger übt Kritik an der Entscheidung, Julija Stepanowa keine Starterlaubnis für Olympia zu geben. Man nehme zu viel Rücksicht auf Russland.

Ehrenmitglied Walther Tröger hat die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), der russischen Kronzeugin Julija Stepanowa keine Startberechtigung für die Sommerspiele in Rio de Janeiro zu erteilen, scharf kritisiert.

"Ich bin mit diesem Beschluss nicht einverstanden. Das war mir zu viel Rücksicht auf Russland", sagte Tröger.

Stepanowa sei "innerhalb eines staatlich gelenkten Systems zum Doping gezwungen worden", sagte Tröger. Zudem habe die Leichtathletin, die maßgeblich zur Aufdeckung des russischen Dopingskandals beigetragen hatte und mittlerweile aus Sicherheitsgründen mit ihrer Familie im Ausland lebt, "wahnsinnig viel auf sich genommen, was man viel mehr hätte berücksichtigen müssen".

"Kein Mann, der alleine entscheidet"

Die Maßnahmen gegen Russland hält Tröger für nicht weitreichend genug.

"Das war ein bisschen zu wenig, aber mehr war nicht möglich", sagte der 87-Jährige. IOC-Präsident Thomas Bach sei kein Mann, "der alleine entscheidet".

Innerhalb des 15-köpfigen Exekutivkomitees, das die Entscheidung am Sonntag getroffen hat, gebe es "Verbindungen einzelner Mitglieder zu Russland, die härtere Sanktionen nicht möglich machten".

Man dürfe mit Blick auf diese Exekutive "nicht alles durch die deutsche Brille" sehen, sagte der langjährige deutsche Spitzenfunktionär: "Die Präsidialebene des IOC hat Mitglieder aus fünf Kontinenten, die viele verschiedene Interessen verfolgen."

Tröger brachte dem grundsätzlichen Beschluss, keine Komplettsperre zu verhängen und stattdessen eine Einzelfallbetrachtung vorzunehmen, auch Verständnis entgegen: "Ein anderes Urteil wäre auch eines gegen die Unschuldsvermutung gewesen."

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