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Wladimir Putin hat seine eigene Meinung zu den Hooligan-Krawallen in Marseille
Wladimir Putin hat auf den McLaren-Report reagiert © Getty Images

Nach der Veröffentlichung des McLaren-Reports werden einige Offizielle ihrer Ämter erhoben - auch der stellvertretende Sportminister. Putin beklagt eine politische Einmischung.

Russlands Staatspräsident Wladimir Putin wird nach der Veröffentlichung des McLaren-Reports zu jahrelangem systematischem Doping im eigenen Land die Offiziellen vorläufig suspendieren, die laut des Berichts an der umfassenden Manipulation beteiligt waren. Dies gab der Kreml bekannt. 

Um sich ein abschließendes Urteil über die Verantwortung der aufgeführten Personen bilden zu können, benötige Putin von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) "komplette, objektive und faktenbasierte Informationen".

Nagornich wird suspendiert

In dem Bericht taucht unter anderem Sportminister Witali Mutko als Beteiligter auf, ebenso sein Stellvertreter Juri Nagornich. Letzterer gehört zu den Funktionären, die vom russischen Ministerpräsidenten Dimitri Medwedew suspendiert wurden. Das teilte Regierungssprecherin Natalja Timakowa laut russischen Nachrichtenagenturen mit.

Dem McLaren-Report zufolge wurde jeder positive Dopingtest ab 2011 Nagornich mitgeteilt. Der entschied, "wer von einer Verschleierung profitiert und wer nicht geschützt wird", wie es in dem Bericht heißt.

Sportminister Mutko blieb dagegen zunächst weiter im Amt. Der 57-Jährige attackierte vielmehr - wie zuvor bereits Staatspräsident Putin - den Whistleblower Gregori Rodtschenkow und stellte infrage, inwiefern ein "Hauptakteur" als Kronzeuge geeignet sei.

Putin beklagt politische Einmischung

Putin beklagte aber mit Verweis auf den Olympia-Boykott 1980 in Moskau, dass die aktuelle Situation ein gefährlicher Rückfall von politischer Einmischung in den Sport sei. Die Anschuldigungen gegen russische Athleten basierten aus seiner Sicht zudem auf Beweisen, die von einer Person mit miserabler Reputation stammten.

Der sportbegeisterte Staatschef machte deutlich, dass Russland die Bedeutung der olympischen Bewegung verstehe und die olympischen Werte teile. Laut Putin habe Russland immer eine eindeutige Haltung gehabt: Es ist kein Platz für Doping im Sport.

Bericht enthüllt Staatsdoping

Der abschließende Bericht des kanadischen Juristen Richard McLaren, der am Montag von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA in Toronto veröffentlich wurde, spricht eine andere Sprache. So gilt es als erwiesen, dass im Zeitraum zwischen Ende 2011 und August 2015 Doping in Russland unter Mithilfe des Sportministeriums und des staatlichen Geheimdienstes FSB Doping "gelenkt, kontrolliert und überwacht" wurde.

Russland droht nach den neuesten Enthüllungen mehr denn je der Ausschluss von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August). Gleiches gilt für die Paralympics vom 7. bis 18. September an gleicher Stätte. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit seinem deutschen Präsidenten Thomas Bach will am Dienstag erste Entscheidungen treffen.

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