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Andrea Gotzmann ist seit 2011 Vorstandsvorsitzende der NADA
Andrea Gotzmann ist seit 2011 Vorstandsvorsitzende der NADA © Getty Images

NADA-Chefin Andrea Gotzmann hat den IOC-Entscheid zum Olympiastart russischer Athleten in Rio scharf kritisiert. Für Gotzmann sei "eine große Chance verpasst worden".

Andrea Gotzmann, die Vorsitzende der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA), hat den IOC-Entscheid über einen Olympiastart russischer Athleten erneut deutlich kritisiert.

Dieser sei "ein Rückschlag für alle sauberen Athletinnen und Athleten, die sich fragen: Was muss passieren, bevor harte Konsequenzen gezogen werden?", sagte Gotzmann der Süddeutschen Zeitung: "So wie jetzt entschieden wurde, passt das nicht zur Null-Toleranz-Politik des IOC. Da ist eine große Chance verpasst worden."

Zu beurteilen, welche Sportler sauber sind, sei aufgrund der laschen Kontrollen in Russland nahezu unmöglich, sagte Gotzmann: "Man will diese Athleten ab sofort einem scharfen Trainingskontrollsystem unterziehen. Damit hätte man ein Dreivierteljahr früher anfangen müssen. Der Nutzen, den man von einem möglichen Betrug in dieser Zeit hatte, der hält lange an. Das kann man durch Tests jetzt gar nicht mehr aufholen." 

Aus Gotzmanns Sicht kommt erschwerend dazu, dass nun einzelne Fachverbände darüber entscheiden müssen, welche Russen zu den Sommerspielen nach Rio de Janeiro dürfen.

"Es gibt ja auch viele kleine Fachverbände, die gar nicht das Personal haben und nicht das professionell Know-how dafür mitbringen. Und die werden jetzt mit einer Aufgaben betraut, die sie, wie ich glaube, nicht so ohne Weiteres umsetzen können. Das finde ich schade, dass man die Fachkompetenz der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) vollkommen außen vor lässt", sagte sie.

Grundsätzlich fürchtet Gotzmann weitreichende Folgen durch die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

"Die Richtung, in die wir gehen wollten, war ja eine ganz andere.: Hin zu einer unabhängigen Welt-Anti-Doping-Agentur, die frei ist von Interessenkonflikten und genau diese Konflikte überwacht", sagte die NADA-Chefin: "Das ist plötzlich alles nicht mehr relevant und wird völlig ausgeblendet. Das finde ich fatal."

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