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Stand Ende Juli 2016: Chaos und unfertige Bauprojekte in Rio de Janeiro.

Rio de Janeiro - Kaputte Sportstätten, unvollendete Bauprojekte und allgegenwärtige Gewalt: Vor den Sommerspielen 2016 läuft in Rio vieles schief, wie SPORT1 vor Ort feststellt.

Verstopfte Toilettenabflüsse, undichte Rohre, schlecht isolierte Kabel, unbelichtete Treppenhäuser - und Schmutz ohne Ende: Die Missstände wirken gewaltig, das Klagen über den Zustand des Olympischen Dorfs in Rio de Janeiro ist unüberhörbar.

Zehn Tage vor Beginn der Olympischen Spiele herrscht bei vielen Athleten Ernüchterung.

Selbst wenn die brasilianischen Behörden mittlerweile alles dafür tun, die Zustände zu verbessern – vieles am Zuckerhut bleibt nach wie vor mangelhaft.  

Hiobsbotschaften trüben die Vorfreude

Die Frage lautet deshalb: Kann Rio überhaupt Olympia?

Die Olympischen Spiele selbst werden natürlich nicht ausfallen. Allen Hiobsbotschaften zum Trotz.

Das Zika-Virus hat das ebenso wenig geschafft wie unlängst ein eingestürzter Radweg oder das gravierende Kriminalitätsproblem.

Militär in der Stadt, Metro unvollständig

Nun bewachen Militärpolizisten mit Maschinenpistolen die olympische Einrichtungen, Kriegsschiffe patroullieren vor der Copacabana, und über dem Meer fliegen Kampfhubschrauber.

Abseits davon kommt Rio langsam in den Olympia-Modus. Wobei fast alles so "fertiggestellt" sein dürfte wie die Metrolinie 4, die am kommenden Samstag eröffnet wird - nämlich unvollständig.

Dabei handelt es sich übrigens um eine Metro nur für die olympische Familie, und das in einer Stadt mit mehr als zehn Millionen Einwohnern (und bisher zwei Mini-Metrolinien, die teilweise auch noch parallel verlaufen), die Verbesserungen im Transportsystem gut gebrauchen könnte.

Schnell, schnell, husch-pfusch

Man kann nur hoffen, dass in Brasilien, wo nur bis zur nächsten Gelegenheit gedacht und entsprechend gebaut wird, für die Olympischen Spiele nicht allzu viel auf die Art und Weise entstanden ist wie der olympische Radweg.

Soll heißen: Schnell, schnell, husch-pfusch und mit minderwertigem Material. Die Hälfte des Olympischen Dorfes ist nicht fertig.

Kein Wunder daher, dass Australiens Olympioniken sich zunächst geweigert hatten, ins Olympische Dorf in Barra da Tijuca zu ziehen.

Kritik von Australien

Nachdem er zuerst noch mit Spott darauf reagiert hatte ("Ich neige dazu, ein Känguru vor das Gebäude zu stellen, damit sie sich wohlfühlen"), räumte Rios Bürgermeister Eduardo Paes ein, dass die Aussies mit ihrer Kritik Recht hätten.

Auch die Delegationen Neuseelands und Großbritanniens wetterten angesichts vieler Defizite.

Kurios: Die Niederlande, Italien, die Vereinigten Staaten und sogar Brasilien haben angeboten, mit ihrem eigenen Geld dafür zu bezahlen, dass Arbeiter die Einrichtungen fertigstellen und reinigen.

Sicherheit gewährleistet?

Bleibt die spannende Frage, was die deutschen Sportler zu ihrer Unterkunft zu sagen haben.

Von Olympia-Stimmung kann sowieso noch keine Rede sein: Wären da nicht allmählich die verstärkt sichtbaren Hinweisschilder und die Militär-Präsenz, käme kein Rio-Besucher auf die Idee, zeitnah beginne das größte Sportereignis der Welt.

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