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SWIM-WORLD
Marco Koch wurde 2015 Weltmeister über 200 Meter Brust © Getty Images

Schwimmer Marco Koch wendet sich gegen Forderungen nach einem Ausschluss aller russischer Athleten von Olympia in Rio. Der Freispruch von Julija Jefimowa ärgert ihn.

Schwimm-Weltmeister Marco Koch kann die Forderungen nach einem kompletten Ausschluss der russischen Sportler bei Olympia wegen flächendeckenden Dopings verstehen.

Allerdings hält der Goldfavorit über 200 m Brust eine solche Generalstrafe im Einzelfall für ungerecht. "Irgendwo müssen Grenzen gezogen werden, dann wäre es auch okay, alle auszuschließen", sagte der Darmstädter dem SID.

"Aber wenn es in Deutschland genauso wäre, und ich wäre ein sauberer Sportler, hätte mich qualifiziert und dürfte dann nicht schwimmen - da würde die Welt untergehen", ergänzte Koch.

Am Freitag übergibt der Anwalt Richard McLaren seinen Bericht zu den schweren Staatsdoping-Vorwürfen gegen Russland bei den Winterspielen 2014 in Sotschi an die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), der am Montag veröffentlicht werden soll.

Die russischen Leichtathleten sind wegen flächendeckenden Dopings bereits für die Spiele in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) gesperrt. Auch im Schwimmen gibt es Hinweise auf ähnliche Praktiken sowie zahlreiche positive Dopingproben in den vergangenen Jahren.

Koch: Freispruch von Jefimowa fragwürdig

Dass Weltmeisterin Julija Jefimowa vom Schwimm-Weltverband FINA trotz Meldonium-Dopings freigesprochen wurde, ärgert Koch. "Das finde ich gerade beim zweiten Mal sehr fragwürdig", sagte er: "Irgendwo sollte man dann auch mal einen Schlussstrich ziehen."

Jefimowa war bereits 2013 positiv auf das Steroid Dehydroepiandrosteron getestet worden, statt wie üblich für 24 aber nur für 16 Monate gesperrt worden, sodass sie bei der Heim-WM 2015 in Kasan an den Start gehen und über 100 m Brust Gold gewinnen konnte.

Anfang 2016 wurde sie mit der seit dem 1. Januar verbotenen Substanz Meldonium erwischt. Als Wiederholungstäterin hätte ihr eigentlich eine lebenslange Sperre gedroht. Nachdem die WADA Mitte April neue Erkenntnisse über die Abbaudauer des Wirkstoffs bekannt gegeben hatte, hob die FINA die provisorische Sperre im Mai wieder auf. Der russische Verband nominierte die 24-Jährige umgehend für Olympia.

Ihre erste Dopingsperre hatte Jefimowa lapidar mit einem "Knöllchen für zu schnelles Fahren" verglichen. "Wenn man zweimal zu schnell gefahren ist, sollte man vielleicht doch mal einen richtigen Strafzettel kriegen", sagte Kochs Trainer Alexander Kreisel.

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