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Kristina Vogel setzt sich im Sprintfinale hauchdünn gegen Rebecca James durch © Getty Images

Kristina Vogel sorgt für die erste Goldmedaille der deutschen Radfahrer in Rio. Im Sprint-Finale setzt sie sich gegen eine Britin im zweiten Lauf hauchdünn durch.

Ihr schwarz-rot-goldener Sattel flog krachend auf die Bahn, doch auch dieses Missgeschick konnte Kristina Vogel nicht stoppen: Die Erfurterin ist in Rio de Janeiro in den Olymp gesprintet.

Als ihr Sieg mit nur vier Tausendstelsekunden Vorsprung auf die Britin Rebecca James nach bangen Momenten des Wartens feststand, ließ sie sich hinterrücks aufs Holz fallen, kurz darauf vergoss sie in den Armen ihres Freundes Michael Seidenbecher Tränen des Glücks.

"Ich habe einfach meinen scheiß Sattel verloren. Ich dachte: Okay das war's", sagte Vogel: "Dann hab' ich gemerkt, ich habe gewonnen. Ich hatte kurz das Gefühl, auf die Fresse zu fallen. Der Sprint ist die Königsdisziplin, das macht mich so, so stolz."

Vogel hat doch noch geliefert - und wie! Mit Olympia-Gold im Sprint hat die Erfurterin nicht nur ein historisches deutsches Radsport-Debakel abgewendet, sondern sich selbst endlich die ersehnte "Kirsche auf der Torte" geschnappt.

Nach dem Olympiasieg im Teamsprint mit Miriam Welte 2012 sowie Bronze an deren Seite in Rio war es für die 25-Jährige die Krönung.

Viel deutete bereits auf das schlechteste Abschneiden bei Sommerspielen seit 60 Jahren hin, als es in Melbourne nur einmal Bronze für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) gegeben hatte. Doch dann versetzte Vogel den deutschen Radsport in Brasilien doch noch in Partystimmung. Und zwar in beeindruckender Manier.

Zweimal 2:0 gegen zwei Britinnen

Mitfavoritin Vogel schaltete zunächst im Halbfinale mit 2:0 Läufen die relativ unbekannte Britin Katy Marchant aus. Dann zog sie sich schnell die Kühlweste über und ging nach kurzer Analyse mit Bundestrainer Detlef Uibel wieder auf die Bahn.

Dort wartete in Rebecca James die nächste Britin, die Keirin-Olympiasiegerin Elis Ligtlee (Niederlande) ebenfalls mit 2:0 ausgeschaltet hatte. Doch Vogel, das nur 1,60 m große Kraftpaket, war zu stark für James. Sie raste mit einem weiteren 2:0 zu Gold. Es war ein geschichtsträchtiger Triumph für die siebenmalige Weltmeisterin - der erste deutsche Einzel-Olympiasieg im Frauen-Sprint. Bronze ging an Marchant.

Die bis dahin einzige BDR-Medaille war Teamsprint-Bronze von Welte/Vogel gewesen. Auf der Straße gab es für Ex-Weltmeister Tony Martin und Co. nur Enttäuschungen. Erst Vogel, erst der letzte Wettkampftag im Velodromo da Barra sorgte beim erfolgsverwöhnten Verband für rundum zufriedene Gesichter.

Besser dürfte die Bilanz aber kaum werden. In den verbleibenden Disziplinen stehen die Chancen auf Edelmetall denkbar schlecht. Im BMX-Rennen sind Luis Brethauer (Aschaffenburg) und Nadja Pries (Erlangen) kaum in der Lage aufs Podest zu fahren.

Und mit Blick auf die Mountainbike-Rennen am Samstag (Frauen) und Sonntag (Männer) wiegen die gesundheitlichen Probleme von Sabine Spitz (Murg-Niederdorf) schwer. Manuel Fumic (Kirchheim) fährt in dieser Saison nur hinterher.

Ziel des BDR wird wohl verpasst

Der BDR war von insgesamt sechs Radsport-Medaillen ausgegangen, das Ziel wird aller Wahrscheinlichkeit nach verpasst. Aber dass nach den enttäuschenden Zeitfahren mit dem Fiasko für Martin die Zuversicht blieb, zahlte sich aus - dank Vogel. Seit 1960 reisten die Spezialisten überhaupt nur zweimal ohne Olympia-Gold nach Hause.

Aber vor Dienstag war in zu wenigen Fällen die bei Olympia nötige Leistungssteigerung zu sehen. Während die Briten reihenweise Siege abräumten, sahen die Deutschen verblüfft zu. "Die kommen in der Masse mit einem Niveau - ich habe keine Ahnung, wie die das machen", hatte Vogel gesagt.

Am Dienstag drehte sie den Spieß um.

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