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Kira Walkenhorst und Laura Ludwig sind von der Atmosphäre an der Copacabana begeistert © Getty Images

Rio de Janeiro - Laura Ludwig und Kira Walkenhorst bescheren den Brasilianern ein 7:1-Erlebnis und wollen jetzt Gold. Erst seit drei Jahren spielen sie zusammen, sind aber das perfekte Duo.

"Kneif mich mal einer!" Bis über beide Augen strahlend tänzelte Laura Ludwig durch die Mixed Zone der Olympischen Beachvolleyball-Arena. "Das ist so geil. Ich bin einfach happy. Wir haben ein fast perfektes Spiel abgeliefert."

An der Copacabana, Rios berühmtestem Strand und angeblich Geburtsstätte des Beachvolleyballs, hatte Ludwig gemeinsam mit ihrer Partnerin Kira Walkenhorst auch das Halbfinale souverän gewonnen. Das fünfte Spiel in Folge, mit keinem einzigen Satzverlust. Das ist nicht gut, das ist phänomenal.

Ludwig und Walkenhorst marschieren weiter unaufhaltsam durchs olympische Turnier. Sie sind aktuell sozusagen die Königinnen des Beachvolleyballs. Und in dieser Funktion wollen sie nun natürlich nur noch eins: Gold.

Duo begeistert Brasiliens Fans

Das scheint nach dem souveränen Halbfinal-Auftritt realistischer denn je. Auch das brasilianische Duo Franca/Antunes konnte die Deutschen nicht stoppen. Und das obwohl knapp 7.000 der rund 8.000 Fans in der olympischen Arena Stimmung gegen Ludwig/Walkenhorst machten. Vor allem im ersten Satz hagelte es Buhrufe und Pfiffe.

"Die Atmosphäre war am Anfang schon ziemlich krass", sagte Ludwig zu SPORT1. "Daran mussten wir uns ein bisschen gewöhnen." Sie antworteten sportlich. Der erste Satz wurde noch knapp mit 21:18 gewonnen. Es folgte Satz zwei und eine Machtdemonstration: 21:12-Sieg und der Einzug ins Finale. Pfiffe gab es am Ende nicht mehr, sondern Applaus.

Christoph Küppers berichtet für SPORT1 von Olympia 2016 aus Rio de Janeiro
Christoph Küppers berichtet für SPORT1 von Olympia 2016 aus Rio de Janeiro © SPORT1/Getty Images

Erinnerungen an 2012

Viele Brasilianer erleben mal wieder ein Trauma. Schon bei Olympia 2012 in London schnappten Deutsche (damals Jonas Reckermann und Julius Brink) der Beachvolleyball-Nation den Titel weg. Nun räumten Ludwig und Walkenhorst das erste von zwei brasilianischen Duos aus dem Weg.

"Ein paar brasilianische Reporter haben mich eben schon auf das 7:1 bei der Fußball-WM 2014 angesprochen. Wir haben, wie damals unsere Fußballer, wirklich ein fast perfektes Spiel geliefert", jubelte Walkenhorst im Anschluss.

Beachtlich ist, mit welcher Konstanz und Ruhe die 25-Jährige bei ihrem ersten olympischen Turnier auftritt. Das betont auch ihre fünf Jahre ältere Partnerin Ludwig, die bereits zum dritten Mal dabei ist, immer wieder. Sie sagt: "Wir harmonieren sehr gut. Kira macht das trotz ihres Alters perfekt. Im Moment läuft es einfach."

Großes Lob vom Trainer

Seit 2013 spielen die beiden zusammen für den Hamburger SV. Trainiert werden sie von Jürgen Wagner, der zuvor das Gold-Duo von 2012 Brink/Reckermann trainierte. Er sagt über seine neuen Schützlinge: "Wie sie aktuell auftreten, das kann man eigentlich kaum besser spielen."

Die Rollenverteilung ist ideal. Defensivkünstlerin Ludwig erkämpft im Rückraum einen Ball nach dem anderen, Walkenhorst räumt vorne am Netz ab.

Nicht umsonst sind Walkenhorst/Ludwig die Nummer eins der Welt - und wollen es auch noch lange bleiben. Zu den Olympischen Spielen sind sie als Favoriten gereist. In den ersten zehn Tagen ordneten sie alles dem großen Ziel Goldmedaille unter.

Sie schlafen nicht im Olympischen Dorf, weil die Fahrt zur 35 Kilometer entfernten Beachvolleyball-Arena bei großem Verkehrsaufkommen gerne mal zwei Stunden dauert. Also wohnen sie in einem Hotel in Ipanema, knapp 20 Taxi-Minuten entfernt.

Umzug ins Olympische Dorf

Nach dem Finale werden sie noch einmal umziehen ins Olympische Dorf, es geht erst am 22. August zurück. "Wir wollen mit unseren deutschen Mannschaftskollegen noch ein bisschen olympische Stimmung mitbekommen. Da freuen wir uns drauf", sagt Walkenhorst.

Dass das Duo noch nicht im Dorf wohnt, wird übrigens nicht kritisch gesehen. Immer mehr deutsche Athleten besuchen die Spiele der Beach-Ladys. Zum Halbfinale kamen etwa die Schwimmer und einige Leichtathleten. "Diese Unterstützung freut uns. Es hat sich wohl rumgesprochen, dass hier perfekte Stimmung ist und wir ganz gut spielen", sagt Ludwig - und grinst.

Einmal müssen sie allerdings noch "Gas geben und einen raushauen", wie Ludwig sagt. Im Finale wartet am Donnerstag um Punkt Mitternacht Ortszeit (5 Uhr im LIVETICKER) mit Bednarczuk/Seixas das andere Duo aus Brasilien.

Schon bevor der Gegner feststand, zeigte Ludwig keine Furcht.

"Eigentlich ist uns egal, gegen wen es geht", erklärte Ludwig bei SPORT1. "Wir haben schon gegen die beiden gespielt und gewonnen. Jetzt wollen wir einfach ein gutes Spiel zeigen."

Wenn das den deutschen Beachvolleyball-Königinnen gelingt, kann ganz Deutschland sich freuen. Denn dann werden sie in der aktuellen Form am Ende Gold holen - ganz sicher.

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