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Putins Sparingspartner Beslan Mudranow gewann in der Klasse bis 60 kg olympisches Gold
Putins Sparingspartner Beslan Mudranow gewann in der Klasse bis 60 kg olympisches Gold © Getty Images

Bereits nach wenigen Stunden holt Russland sein erstes Olympia-Gold - nicht zufällig im Judo. Der Sieger kennt Präsident Putin persönlich. Um Jefimowa herrscht Konfusion.

Witali Mutko war mehr als angetan, er war begeistert, im olympischen Überschwang. "Judo ist unser ein und alles!", jubelte der Sportminister nach dem ersten Gold für Russland bei den Spielen von Rio de Janeiro.

"Ich gratuliere aus tiefstem Herzen. Ich hoffe, dieser Triumph inspiriert unsere gesamte Mannschaft. Denn seine Botschaft lautet: Alles ist möglich, wenn man es nur wirklich will", schwadronierte er.

Wenige Stunden hatte es nur gedauert, bis das in weiten Teilen der Sportwelt befürchtete Szenario eintrat. Am Samstag erschallte um 18.03 Uhr in der Carioca Arena 2 des Olympiaparks erstmals die russische Hymne, und nicht nur Judoka Beslan Mudranow war obenauf.

Als ob nichts gewesen wäre...

 Russland, die Skandalnation mit nachgewiesenem Staatsdoping, feierte am Eröffnungstag ihren ersten Olympiasieg - und das dank eines Lieblings von Staatspräsident Wladimir Putin, der höchstselbst Ehrenpräsident des Judo-Weltverbandes IJF ist.

"Ich kann meine Gefühle noch nicht einordnen, aber ich bin unglaublich glücklich", sagte Mudranow: "Ich stehe hier auf dem Höhepunkt meiner Karriere."

 Die weiß-blau-rote Fahne wehte, als ob in den vergangenen Wochen nichts gewesen wäre. Dabei war die Diskussion um einen kompletten Ausschluss Russlands das Thema im Vorfeld der Spiele. Er kam nicht - und Russland darf feiern.

Bach kommt um kontroverses Bild herum

 "Nach all den Wirren und Wendungen war das sehr wichtig", sagte Alexander Schukow, Präsident des russischen Olympia-Komitees ROC. "Es gibt die Richtung für die gesamten Wettbewerbe vor."

Zum Auftakt der Spiele war der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach gerade noch um ein symbolträchtiges Bild herumgekommen. Lange hatte es im ersten Wettbewerb der Spiele nach der ersten Medaille für Russland ausgesehen - und Bach hätte die zweifelhafte Ehre gehabt, der Sportschützin Daria Wdowina diese Medaille umzuhängen.

Wdowina wurde letztendlich nach einem schweren Patzer Fünfte, Bach dürfte es recht gewesen sein. Der wegen seiner Nähe zu Russland ohnehin in der Kritik stehende Bach gratuliert einer Medaillengewinnerin aus einem Land mit nachgewiesenem systematischen Doping: Es wäre der "Höhepunkt" der seit Wochen andauernden Diskussionen um einen Komplett-Ausschluss Russlands gewesen.

Vorerst die einzige Medaille Russlands

Der Olympiasieg Mudranows war für Putins Propagandamaschine der Idealfall. Der Staatspräsident, erklärter Judo-Fan und Träger des Schwarzen Gürtels, schmückt sich allzu gerne mit dem Ruhm russischer Kämpfer.

Im Januar abolvierte er mit Mudranow ein Showtraining. Es war auch keine Überraschung, dass die IJF als erster Verband den russischen Athleten die Startberechtigung für Rio gegeben hatte. Irgendwie passend, dass nun auch ein Judoka die erste russische Medaille gewann.

Am ersten Tag war es allerdings die einzige. Degenfechterin Tatjana Logunowa, Weltranglistendritte, schied bereits in der ersten Runde aus.

Konfusion um Jefimowa

Weitere Medaillen für Russland sind aber nur eine Frage der Zeit.

Doch wie viel Konfusion die Hängepartie um die Teilnahme der Russen auslöste, wurde ebenfalls am Samstag deutlich. Julia Jefimowa, ursprünglich ausgeschlossene Schwimm-Weltmeisterin, tauchte urplötzlich in den Startlisten für Sonntag auf.

Die ebenfalls kurzfristig begnadigte Natalia Lowzowa sprang bereits am Samstag ins Becken - sie wurde in ihrem Vorlauf über 100m Schmetterling Letzte. 

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