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Justin Gatlin (links) musste seinen Konkurrenten Usain Bolt wieder ziehen lassen
Justin Gatlin (links) musste seinen Konkurrenten Usain Bolt wieder ziehen lassen © Getty Images

Der Ex-Doper und Bolt-Konkurrent kann den Unmut der Fans in Rio verstehen, sagt aber auch: "Sie kennen mich nicht". Olympiasiegerin Lilly King straft er mit Missachtung.

Am Ende traute sich der Buhmann doch noch auf seine Ehrenrunde: Mit der US-Flagge um die Schultern trabte Justin Gatlin über die Laufbahn des Olympiastadions in Rio, winkte ins Publikum.

Und immerhin musste der "Bad Boy" der Leichtathletik nach seinem zweiten Platz im 100-m-Finale keine weiteren Buhrufe des Publikums über sich ergehen lassen.

"Das hat mich schockiert. Es war das erste Mal, dass ich das in einem Leichtathletik-Stadion erlebt habe", sagte sogar Olympiasieger und Sprint-Superstar Usain Bolt (9,81 Sekunden), der Gatlin (9,89) mal wieder in einem großen Finale bezwungen hatte.

"Sie kennen mich nicht"

Mit lautstarken Unmutsbekundungen war der US-Sprinter von den Zuschauern empfangen worden, während Publikumsliebling Bolt unter Sprechchören und Jubel in die Startblöcke gestiegen war.

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"Man hört alles, aber am Ende des Tages muss man es ausblenden. Ich kann es verstehen, es gibt eine Menge Usain-Bolt-Fans. Aber sie kennen mich nicht", sagte der 34-jährige Gatlin. Und es schien so, als habe der mehrfach des Dopings überführte Athlet sein Schicksal mittlerweile akzeptiert. Als "Bösewicht" - und als Zweiter hinter Bolt.

Denn wieder einmal gewann der Jamaikaner. Zum neunten Mal in ihren elf Duellen. Und bei einem davon war der Jamaikaner gerade erst zarte 18 Jahre alt gewesen.

"Kein böses Blut" zwischen den Dauerrivalen

Gatlin blieb in Rio wie schon so oft nur Platz zwei. "Ich habe den größten Respekt für Usain. Er ist ein cooler Junge. Es gibt kein böses Blut zwischen uns. Wir wollen einfach beide gewinnen", sagte Gatlin, der ohnehin wohl eher wegen seiner Rolle als Bolt-Konkurrent denn als ehemaliger Doper ausgebuht wurde.

Doch die Rolle als Erzrivale des inzwischen siebenmaligen Olympiasiegers aus Jamaika erinnert schon seit längerem eher an ein Drehbuch als an die Realität. Bei der WM im vergangenen Jahr verstanden sich beide nach dem letzten Finale blendend.

Entertainer gegen Doper

Schon längst sind die "Rivalen der Laufbahn" eher ein Kunstprodukt. Auf der einen Seite Usain Bolt. Der Superstar, der Entertainer, der von vielen sogar als "Retter der Leichtathletik" bezeichnete Jamaikaner. Und auf der anderen Seite: Gatlin. Der Ex-Doper, der Böse, der Gegenspieler. Ein großes Duell, das wieder einmal die großen Probleme der krisengeschüttelten Leichtathletik überstrahlen sollte. Allerdings klappte dies in Rio bei Weitem nicht mehr so wie früher.

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"Ich bin seit sechs Jahren zurück. Die Menschen wollen eben Rivalitäten sehen", sagte Gatlin, der zuletzt allerdings auch aus der eigenen US-Olympiamannschaft angegriffen wurde.

Schwimm-Olympiasiegerin Lilly King, die gegen die umstrittene Julia Jefimowa antreten musste und ihr Missfallen über die Russin zum Ausdruck gebracht hatte, forderte, dass ehemalige Dopingsünder nicht für das US-Team nominiert werden dürften. Und schloss dabei Gatlin explizit mit ein.

Dessen kurze und vielsagende Antwort: "Ich weiß noch nicht einmal, wer Lilly King überhaupt ist."

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