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Dipa Karmakar stand in Rio den "Sprung des Todes"
Dipa Karmakar stand in Rio den "Sprung des Todes" © DPA Picture-Alliance

Beim Sprungfinale der Frauen turnten zwei Athletinnen den "Produnowa" - auch bekannt als "Sprung des Todes". Die Übung ist in der Turnwelt heftig umstritten.

Als Dipa Karmakar Anlauf nahm, stockte den Zuschauern in der Turnhalle von Rio der Atem. Die  23-jährige Inderin, die es ins Sprung-Finale geschafft hatte, war gerade dabei, eine der umstrittensten Übungen der Olympia-Geschichte zu turnen: den "Produnowa" - auch bekannt als "Sprung des Todes"

Karmakar meisterte den Handstandüberschlag mit Doppelsalto vorwärts, auch wenn sie in einer extrem tiefen Hocke landete. Später sollte es ihr es die 41-jährige Usbekin Oksana Chusovitina, die früher für den deutschen Turnverband auf Medaillenjagd gegangen war, gleichtun.

Die beiden Athletinnen wurden für ihren Mut nicht belohnt: Karmakar wurde Vierte, Chusovitina belegte sogar nur den 7. Platz.

Im schlimmsten Fall droht der Tod

Der "Produnowa" - nach der früheren russischen Turnerin Yelena Produnowa benannt - ist eine Höchstschwierigkeit, die weltweit bisher nur eine Handvoll Turnerinnen gezeigt hatten.

"Wenn du nach zwei Saltos landest, ist der Druck auf deine Beine immens", erklärt Karmakar, die als erste Inderin überhaupt ein Turnfinale erreicht hatte. "Wenn ich 45 Kilogramm wiege, müssen die Beine dann 80 bis 90 Kilogramm aushalten."

Schon der kleinste Fehler könnte verheerende Folgen haben: Landen die Turnerinnen auf dem Rücken oder dem Nacken, droht eine Querschnittslähmung, im schlimmsten Fall sogar der Tod.

"Ich schaue da mit Angst zu"

"Den werden wir niemals versuchen", sagt Maggie Haney, Trainerin der US-Athletin Laurie Hernandez. Und Superstar Simone Biles weiß: "Du könntest bei dem Versuch sterben."

Nicht erst seit der fürchterlichen Verletzung des Franzosen Samir Ait Said, der sich bei seiner Übung am Pferdsprung den Unterschenkel brach, ist die Turnwelt sensibilisiert.

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"Ich schaue da mit Angst zu", gibt Ulla Koch, Cheftrainerin der deutschen Frauen, offen zu.

Karmakar blendet die Gefahr aus

Den Kreuzbandriss des deutschen Athleten Andreas Toba konnte man da noch eher als "Betriebsunfall" bezeichnen.

Anders der "Produnowa", bei dem sich die Turnerinnen sehenden Auges in die Gefahr begeben - auch wenn diese Gefahr vor der Übung ausgeblendet wird. "Ich stelle mir das Schlimmste nicht vor. Sonst kann es nicht funktionieren", sagt Karmakar.

In der Halle machte sich nach den beiden Übungen Erleichterung breit. Darüber, dass Karmakar und Chusovitina ihren Sprung unverletzt überstanden hatten - aber auch darüber, dass sie für ihre Verwegenheit nicht auch noch belohnt wurden.

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