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Handball - Olympics: Day 2
Auch ein Aktivposten im deutschen Team: Kai Häfner © Getty Images

Der Europameister startet erfolgreich ins Handball-Turnier bei Olympia in Rio. Dennoch läuft beim DHB-Team gegen Schweden noch nicht alles rund. Kühn trifft wie er will.

Geschafft! Dagur Sigurdsson ließ sich auf seinen Stuhl fallen, wischte sich den Schweiß von der Stirn und schnaufte erst mal tief durch.

Seine Bad Boys bildeten derweil auf dem Spielfeld einen Kreis und hüpften erfreut und erleichtert auf und ab.

In ihrem hart umkämpften Auftaktspiel bei Olympia in Rio besiegten die Europameister den EM-Achten Schweden mit 32:29 (18:15) und nahmen wie erhofft gleich zu Beginn des Turniers Kurs auf das Viertelfinale.

Sigurdsson sieht Verbesserungsbedarf

"Die Erleichterung ist sehr groß", sagte Bundestrainer Sigurdsson, nahezu wortgleich äußerte sich DHB-Vizepräsident Bob Hanning, der auch bekannte: "Noch nicht alles hat funktioniert."

Das sei freilich auch kein Wunder, denn: "Wir müssen uns erst mal finden, wir haben so auch noch nicht zusammengespielt."

Die insgesamt neun Zeitstrafen, die gegen die deutsche Mannschaft ausgesprochen wurden, "haben uns zwischenzeitlich etwas aus dem Tritt gebracht", sagte Hanning. Es reichte trotzdem.

Eine tragende Säule war Julius Kühn, mit acht Treffern bester deutscher Werfer. "Kühn war überragend", lobte Hanning. Tobias Reichmann traf sieben Mal. Zudem bewies Keeper Andreas Wolff in den entscheidenden Momenten immer wieder seine Weltklasse und entschärfte wichtige Bälle.

Bei den Skandinaviern traf Jerry Tollbring (8) am häufigsten. Schwedens Abwehrchef Tobias Karlsson sah nach drei Zeitstrafen die Rote Karte (39.).

Kühn nicht zu stoppen

Die deutschen Olympia-Debütanten lieferten ein Spiel mit Licht und Schatten. Einer starken ersten Halbzeit, in der vor allem Kühn die Bälle mit dem Selbstverständnis eines Europameisters links und rechts im Kasten der Skandinavier warf, folgte eine zerfahrene zweite.

Am Ende waren es vor allem die Tempogegenstöße von Rechtsaußen Reichmann, die für die Entscheidung sorgten.

Viel Zeit zum Genießen des kräftezehrenden Auftaktsieges bleibt der deutschen Mannschaft nicht. Schon am Dienstag wartet mit dem WM-Dritten Polen die nächste Aufgabe.

Danach geht es in der Vorrunde noch gegen Gastgeber Brasilien (11. August), Slowenien (13. August) und Ägypten (15. August). Die besten vier Teams qualifizieren sich für das Viertelfinale - das Minimalziel des Deutschen Handballbundes (DHB).

Gensheimer und Co. starten schwach

"Wir müssen jetzt schnell regenerieren", sagte Sigurdsson, der vor dem Auftaktspiel seiner Olympia-Grünschnäbel tief hatte blicken lassen.

"Die Anspannung ist groß, wir warten schon sehr lange auf diesen Tag", sagte der Coach - und genau das war in der zerfahrenen Anfangsphase offensichtlich.

Erst nach dem schnellen 1:4-Rückstand (5.) berappelten sich die EM-Helden und bissen sich angeführt von Kühn regelrecht in die Partie. Im zweiten Abschnitt verwaltete die Sigurdsson-Sieben aber zunächst nur ihre Halbzeitführung und tat, zum Ärger des Bundestrainers, nicht mehr als nötig.

Selbst die 23:19-Führung brachte noch nicht die Vorentscheidung. In der Schlussphase behielt Deutschland aber klaren Kopf.

Im Stenogramm:

Schweden - Deutschland 29:32 (15:18)
Schweden: Tollbring (8/7), Jakobsson (5), Stenmalm (4), Zachrisson (3), Petersen (3), Nilsson (3), Nielsen (2), Gottfridsson (1)
Deutschland: Wolff (Kiel/1), Heinevetter (Berlin) - Kühn (Gummersbach/8), Reichmann (Kielce/6), Wiede (Berlin/5), Gensheimer (Paris/5/2), Drux (Berlin/3), Pekeler (Rhein-Neckar Löwen/2), Wiencek (Kiel/1), Lemke (Magdeburg/1), Dissinger (Kiel), Häfner (Hannover), Strobel (Balingen), Groetzki (Rhein-Neckar Löwen)
Schiedsrichter: Hansen/Gjeding (Dänemark)
Zeitstrafen: 9:9
Siebenmeter: 7/7:2/2
Zuschauer: 8000 (in Rio de Janeiro)

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