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Clemens Prokop ist Präsident des DLV
Clemens Prokop ist seit 2001 DLV-Präsident © Getty Images

DLV-Präsident Clemens Prokop ist um den Ruf des IOC besorgt. In der "Causa Russland" wurden viele Fehler gemacht. Die Stepanowa-Sperre kann er nicht verstehen.

Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, sieht das Internationale Olympische Komitee (IOC) nach den jüngsten Entscheidungen in der "Causa Russland" beschädigt.

"Das IOC als Organisation und seine Glaubwürdigkeit nehmen großen Schaden. Und es werden große Anstrengungen nötig sein, um Reputation zurückzugewinnen", sagte Prokop am Freitag.

Das IOC hatte im Anschluss der Veröffentlichung des McLaren-Reports, der Russland ein staatlich gelenktes Dopingsystem nachwies, auf einen Ausschluss aller Russen von den Spielen in Rio de Janeiro verzichtet. Stattdessen beauftragte die Ringe-Organisation die Weltverbände mit einer Einzelfallprüfung, letztlich starten nun mehr als 270 Athletinnen und Athleten aus Russland in Rio.

"Das befürchtete Chaos ist eingetreten"

Schon die Weitergabe des Themas an die Verbände sei ein Fehler gewesen. "Nach dieser Entscheidung des IOC ist das befürchtete Chaos eingetreten", sagte Prokop: "Wir haben in den verschiedenen Verbänden höchst unterschiedliche Entscheidungen, gleiche Wettkampfbedingungen und das Prinzip der Einheitlichkeit des Sports sind hier nicht mehr gewährleistet."

Zudem widerspreche die IOC-Vorgabe, Athleten nur dann zu sperren, wenn sie im McLaren-Report ausdrücklich als Dopingsünder genannt werden, dem Sinn des Berichts.

"Es war allenfalls Zufall, wenn dort ein Athlet namentlich genannt wurde", sagte Prokop: "Der Report hat nicht Athleten individuell herausgepickt, sondern das System angeprangert. Deshalb hätte es eine systemorientierte Entscheidung und keine individuelle geben dürfen."

Russland habe indes in den vergangenen Monaten vermutlich zwei zentrale Ziele verfolgt und sie beide erreicht: "Die russische Mannschaft ist am Start, und die Kronzeugin Julia Stepanowa ist nicht am Start."

Die Whistleblowerin bleibt, wohl anders als andere ehemalige russische Dopingsünder, von der Teilnahme ausgeschlossen. Dies sei "eine verheerende Botschaft, weil mögliche Kronzeugen damit in Zukunft abgeschreckt werden", sagte Prokop.

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