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Die Bad Boys verabschiedeten sich mit einer starken Vorstellung aus Rio de Janeiro
Die Bad Boys verabschiedeten sich mit einer starken Vorstellung aus Rio de Janeiro © Getty Images

Rio de Janeiro - Das DHB-Team setzt sich in der Weltspitze fest und beweist, "dass der EM-Titel keine Eintagsfliege war". Nun richten die Bad Boys den Blick auf eine erfolgreiche Zukunft.

Sportliche Erfolge miteinander zu vergleichen verbietet sich eigentlich. Und doch war die allerletzte Medaille, die die deutsche Olympiamannschaft in Rio de Janeiro am Sonntag holte, eine ganz besondere.

Nicht weil es die letzte war und damit die so gern beäugte Bilanz komplettierte, sondern weil sie eine Signalwirkung hatte: Die Handballer haben sich in der Weltspitze festgesetzt.

Bad Boys vor "rosiger Zukunft"

Noch vor zwei Tagen hatte es nach der dramatischen Niederlage im Halbfinale gegen Triple-Olympiasieger Frankreich bittere Tränen gegeben. Und nun hatten sie das so bitter ersehnte noch nicht einmal um den Hals baumeln, da richteten die Spieler den Blick schon wieder auf kommende Aufgaben.

"Eine rosige Zukunft", habe dieses Team, erklärte Julius Kühn nach dem souveränen 31:25 (17:13) im Bronzematch gegen Polen: "Es sind sehr viele junge Spieler dabei, wir können alle noch ein paar Jährchen miteinander spielen. Da kann man noch einiges erwarten."

Und Torhüter Andreas Wolff, für eine kesse Lippe bekannt, sagte: "Wir dachten, wir lassen die alten Männer aus Frankreich bei ihren letzten Olympischen Spielen nochmal erfolgreich sein, bevor wir die dann dreimal in Folge gewinnen." 

DHB-Team etabliert sich in Weltspitze

Was etwas vorlaut klingt und natürlich nicht ganz ernst gemeint war - zumal Wolff zu dem Zeitpunkt nicht wusste, dass die Franzosen, geschwächt vom Halbfinale, im Endspiel Dänemark unterliegen und ihren Gold-Hattrick verpassen würden.

Und dennoch: Die deutsche Bilanz des Olympiaturniers kann nur positiv ausfallen.

"Es ist schön, dass wir gezeigt haben, dass der EM-Titel keine Eintagsfliege war", sagte Steffen Weinhold: "Und wir sind noch lange nicht am Ende." Verbandsboss Bob Hanning bilanzierte: "Mission erfüllt, Weltspitze bestätigt, WM vor Augen."

"Mannschaft hat eine neue Stufe erreicht"

An die Titelkämpfe in Frankreich im kommenden Januar wollte Bundestrainer Dagur Sigurdsson noch nicht denken. Er war nur stolz, dass sein Team in dem "schwierigsten Match, was den Druck angeht" in allen Belangen besser war. "Es war ein langer Weg", sagte er zur Turnierleistung inklusive Vorbereitung: "Ich bin unglaublich glücklich, dass es so zu Ende gegangen ist. Die Mannschaft hat eine neue Stufe erreicht."

Deutschland und Polen, das passt irgendwie, meistens. 2007 hatte man sich gegen den Nachbarn im Finale der Heim-WM den Titel geholt, dieses Jahr gewann die DHB-Auswahl in Krakau die Europameisterschaft. Und eine rational schwer erklärbare Regel greift ganz offensichtlich auch auf anderen Kontinenten: Die liegen uns.

Schon in der Vorrunde in Rio hatte es einen überzeugenden Sieg im ewig jungen Duell gegeben. Gut, die Polen hatten Deutschland auch einmal in zwei Playoffspielen die Teilnahme an der WM 2015 verbaut, aber das regelte der Weltverband IHF dann mit einer Wildcard.

Sigurdsson bringt den Erfolg zurück 

Es waren sportlich dunkle Zeiten damals, an die sich keiner richtig gerne erinnert. Aber sie hatten auch Sigurdssons Engagement zur Folge. Der bisweilen etwas knurrige Isländer ist der Schlüssel zu der steilen Entwicklung dieses Teams, das sich in allen Belangen zu einer echten Spitzenmannschaft entwickelt hat.

Die nächsten Etappenziele sind nun eben die WM 2017 und die EM 2018 in Kroatien. Für die WM ist man als Kontinentalmeister bereits qualifiziert, für die EM dagegen muss der Titelverteidiger in der Qualifikation gegen Slowenien, Portugal und die Schweiz ran. 

Nächster Angriff 2020 

Über allem steht das noch weit vor dem sensationellen Titelgewinn bei der EM formulierte Ziel, 2020 den Olympiasieg zu holen.

"Wenn man sich den Altersdurchschnitt anschaut, werden sehr viele, wenn nicht alle, noch in Tokio dabei sein", sagte der Berliner Fabian Wiede (22), einer der besten Deutschen im Turnier zu SPORT1: "Es ist also genug Zeit, um uns noch besser einzuspielen."

Das einst mutige Fernziel Olympiasieg, das wurde in Rio ganz deutlich, ist keineswegs weit weg. Oder wie Hanning sagte: "Die Zukunft gehört uns."

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