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Kai Häfner und das deutsche Team lassen sich von Katar nicht aufhalten © Getty Images

Die deutsche Nationalmannschaft setzt sich klar gegen Katar durch und steht im Halbfinale der Olympischen Spiele. Dort warten Frankreichs Superstars auf den Europameister.

Kapitän Uwe Gensheimer schrie seine Freude heraus und versammelte seine Bad Boys in einem riesigen Jubelkreis.

Nach dem überragend herausgespielten 34:22 (16:12)-Kantersieg im olympischen Viertelfinale gegen Vize-Weltmeister Katar brachen kurz die Emotionen aus den Handball-Europameistern heraus, aber nicht nur der erneut fantastische Andreas Wolff schaltete sofort um in den Medaillen-Modus.

Nach einem kurzen Gruß an die Fans stapfte der Keeper, der die Katarer mit mehr als einem Dutzend Paraden zur Verzweiflung getrieben hatte, schnurstraks in die Kabine - schon voll fokussiert auf das enorm schwere Halbfinale gegen Weltmeister Frankreich am Freitag (20.30 Uhr MESZ/15.30 Uhr OZ). Der Traum von Gold scheint nach der Gala gegen Katar aber realistischer denn je.

"Wir haben gezeigt, dass wir mit Druck umgehen können, das war bis jetzt definitiv unsere stärkste Turnierleistung", sagte Wolff: "Zwei Siege noch, und dann haben wir auch hier gewonnen. Frankreich wird jetzt aber sehr schwer."

Auch Teammanager Bob Hanning versprühte so viel Zuversicht wie noch nie in Rio: "Jetzt können wir auch wirklich behaupten, dass wir in der Weltspitze angekommen sind."

Beste Werfer im zeitweise wie entfesselt aufspielenden deutschen Team waren Kapitän Uwe Gensheimer, Tobias Reichmann und Fabian Wiede mit je fünf Treffern. Die deutschen Fans stimmten schon zehn Minuten vor dem Ende der einstündigen deutschen Handball-Demonstration "Oh, wie ist das schön" an. 

12 Jahre lange Durststrecke

Durch die erfolgreiche Revanche für das gegen Katar verlorene WM-Viertelfinale (24:26) hat die DHB-Auswahl die erste Olympia-Medaille seit Silber vor zwölf Jahren in Athen fest im Visier. Den einzigen deutschen Olympiasieg im Hallen-Handball errang die DDR bei den Sommerspielen 1980 in Moskau.

Vorne enorm zielstrebig, hinten erneut bärenstark: Die Bad Boys steigerten sich auch im sechsten Spiel von Rio und zeigten gegen die katarische "Weltauswahl" (O-Ton Bob Hanning) ihre bisher beste Turnierleistung.

Im Angriff bestachen Gensheimer und Co. mit deutlich mehr Effizienz im Torwurf als zuletzt, und die Defensive um Abwehrchef Finn Lemke und Wolff war von Katars Schützen kaum zu knacken.

Auf Worte folgen Taten

"Die Jungs sind sehr, sehr hungrig und unheimlich fokussiert", hatte Sigurdsson vor der Partie gesagt. Jeder kleine Zweikampf, ob in Angriff oder Abwehr, sei "ein Krieg für sich". Und auch Torjäger Tobias Reichmann zeigte sich angriffslustig: "Da haben wir noch eine Rechnung offen."

Ihren martialischen Worten ließ die deutsche Mannschaft Taten folgen. Gensheimer und Co. hatten die Partie von Beginn an im Griff. Zwar hielt Katars Top-Torschütze Capote sein Team mit vier Treffern bis zum 8:8 (17.) im Spiel, doch Deutschland ließ sich selbst durch einen Zwölf-Meter-Hammer nicht aus der Ruhe bringen.

Vier Tore in Folge sorgten für eine komfortable 12:8-Führung.

Rio-Debüt für Fäth

Im zweiten Abschnitt schlug dann die Stunde von Fabian Wiede. Der Rückraumspieler von den Füchsen Berlin glänzte mit exzellenten Anspielen und wichtigen Treffern, so dass die Partie schon nach 43. Minuten beim Stand von 24:17 praktisch entschieden war.

In der Schlussphase durfte auch der für den verletzten Christian Dissinger (Operation wegen Oberschenkelverletzung) nachnominierte Steffen Fäth noch seine ersten Turnier-Minuten erleben.

Und so kommt es im Halbfinale am Freitag zum bisherigen Höhepunkt des olympischen Handball-Turniers, wenn der Europa- auf den Weltmeister trifft.

Gegner Frankreich strebt in Rio nach den Olympiasiegen 2008 und 2012 den historischen Gold-Hattrick an. Im Viertelfinale schaltete das Team um Superstar Nikola Karabatic Gastgeber Brasilien (34:27) aus.

Das Spiel im Stenogramm:

Deutschland - Katar 34:22 (16:12)
Deutschland: Wolff (Kiel), Heinevetter (Berlin) - Wiede (Berlin/5), Gensheimer (Paris/5/1), Reichmann (Kielce/5/1), Pekeler (Rhein-Neckar Löwen/4), Kühn (Gummersbach/3), Drux (Berlin/3), Häfner (Hannover/3), Wiencek (Kiel/3), Weinhold (Kiel/2), Strobel (Balingen/1), Lemke (Magdeburg)
Tore für Katar: Capote (9), Markovic (4/2), Roine (2), Mallash (2), Megdich (1), Fernandez (1), Alrayes (1), Memisevic (1), Murad (1)
Schiedsrichter: Lah/Sok (Slowenien)
Zeitstrafen: 5:1
Siebenmeter: 3/2:3/2
Zuschauer in Rio de Janeiro: 6500

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