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Handball - Olympics: Day 4
Karol Bielecki (l.) scheitert vom Siebenmeterpunkt an Andreas Wolff © Getty Images

Zweiter Sieg im zweiten Spiel: Die deutschen Handballer werden bei den Olympischen Spielen in Rio weiter ihrer Favoritenrolle gerecht. Andreas Wolff kommt in EM-Form.

Die Bad Boys lagen sich in den Armen und jubelten dann ausgelassen mit den Fans: Mit ihrem zweiten Sieg im zweiten Spiel haben die deutschen Handballer das Tor zum olympischen Viertelfinale weit aufgestoßen.

Die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson bezwang den WM-Dritten Polen nach einer beherzten Vorstellung mit 32:29 (16:14) und kann fast schon für die K.o.-Phase planen.

"Wir sind glücklich, es war ein sehr wichtiger Sieg. Wir haben wieder einen Schritt nach vorne gemacht", sagte Sigurdsson und bezeichnete "Teamspirit und kämpferische Leistung" als Schlüssel für den Sieg.

EM-Held Wolff als Erfolgsgarant

Mitverantwortlich war einmal mehr der glänzen aufgelegte Torhüter Andreas Wolff. Der Neu-Kieler, der als einziger bei der Eröffnungsfeier fehlte und in Rio extrem fokussiert wirkt, zeigte mehrere glänzende Paraden, unter anderem eine ganz spektakuläre gegen Michael Jurecki.

Sportchef Bob Hanning bezeichnete es als "ganz wichtig, dass wir so gut ins Turnier gekommen sind", sieht aber noch ordentlich Luft nach oben: "Wir haben immer noch schlechte Phasen und machen insgesamt noch viel Unsinn, aber es wird besser. Gott sei Dank haben wir noch viel Potenzial, das werden wir im Turnier auch noch brauchen."

Dissinger wundert sich über Rot

Beste Werfer des deutschen Teams waren Kapitän Uwe Gensheimer, Fabian Wiede und Julius Kühn mit je fünf Treffern. Der Kieler Christian Dissinger sah in der kampfbetonten Partie nach einem groben Foul schon früh die Rote Karte (24.), ist für das nächste Spiel gegen Gastgeber Brasilien am Donnerstag aber nicht gesperrt. Für die Polen traf Karol Bielecki am häufigsten (10 Tore). 

Jungstar Paul Drux sprach von einem "harten Kampf": "Zum Schluss hatten wir den kühleren Kopf. Das ist ein guter Turnierstart gegen zwei gute Mannschaften. Das ist nicht selbstverständlich", sagte der Berliner.

Julius Kühn ergänzte: "Wir hätten das noch cooler runterspielen können, das ist aber auch der Tatsache geschuldet, dass wir noch eine junge Mannschaft sind. Daran kann man arbeiten."

"Volle Konzentration" auf Brasilien

Für den Einzug in die Runde der letzten acht Teams benötigt der Europameister nur noch einen Sieg aus den verbleibenden drei Vorrundenspielen. Weiter geht es für die Europameister schon am Donnerstag gegen die Gastgeber.

"Brasilien gehört jetzt unsere volle Konzetration", sagte Sigurdsson. Danach sind in der Vorrunde noch Slowenien (Samstag) und Ägypten (Montag) die Gegner.

Die Bad Boys, die zum Auftakt schon Rekord-Europameister Schweden mit demselben Ergebnis bezwungen hatten, zeigten bei ihrem zweiten Auftritt eine engagierte Vorstellung. Vor allem die Abwehr steigerte sich im Laufe der Partie.

Luft nach oben offenbarte der Europameister allerdings im Angriff. Technische Fehler und Fehlwürfe verhinderten, dass sich Gensheimer und Co. noch früher absetzen konnten. So dauerte es bis kurz vor Schluss, ehe Coach Sigurdsson beim Stand von 28:23 an der Seitenlinie durchschnaufen durfte.

Wolff trifft erneut

Sigurdsson hatte schon vor der Partie ein "körperbetontes" Spiel prognostiziert. Und genau so kam es. Von Beginn an hagelte es Zeitstrafen - schon zur Pause hatten die Schiedsrichter neun Spieler hinausgestellt, Dissinger erhielt nach einer Abwehraktion sogar direkt Rot.

Trotz aller Härte der routinierten Polen erwischte das deutsche Team den besseren Start, führte nach einem Treffer von Keeper Wolff, schon sein zweiter im Turnier, schnell mit 6:4 (11.).

Die Europameister verpassten es aber durch einige überhastete Abschlüsse, sich weiter abzusetzen. Vor allem Linkshänder Wiede sorgte in dieser Phase dafür, dass die DHB-Auswahl mit einer Führung in die Halbzeit ging.

Im zweiten Abschnitt setzte sich Deutschland schnell auf 20:15 (35.) ab. Doch Polen, das schon das erste Spiel gegen Brasilien verloren hatte (32:34), kämpfte sich zurück, scheiterte in Person von Jurecki beim Stand von 21:22 allerdings freistehend an DHB-Keeper Wolff - eine Szene mit vorentscheidendem Charakter.

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