vergrößernverkleinern
Hockey - Olympics: Day 11
Die Argentinier jubeln, die deutschen Hockey-Spieler lassen die Köpfe hängen © Getty Images

Rio de Janeiro - Die Olympiasieger von London und Peking müssen sich in Rio mit dem Spiel um Platz drei begnügen. Die deutschen Spieler hadern mit dem Pech und üben Selbstkritik.

Timm Herzbruch, wie passend, kniete lange nieder auf dem Kunstrasen und blickte frustriert zu Boden. Seine Körpersprache sagte: Aus, vorbei. Das wird nichts mehr. Auf 5:0 hatten die Argentinier soeben erhöht im Halbfinale des olympischen Hockey-Turniers.

Der Traum der deutschen Olympiasieger von London und Peking, ihren Titel abermals zu verteidigen, er zerplatzte schallend. Das 2:5 (0:3), so das Endergebnis, war ein Debakel für die hoch gehandelte deutsche Auswahl.

"Natürlich ist die Enttäuschung groß", sagte Kapitän Moritz Fürste niedergeschlagen: "Aber immerhin spielen wir noch um eine Medaille." Im Kampf um Bronze geht es nun am Donnerstag gegen die Niederlande.

Gegen den bissigen WM-Dritten fehlte bei allem Einsatz neben der letzten Konsequenz auch das Glück, das die Deutschen im aberwitzigen Viertelfinale gegen Neuseeland gehabt hatten.

Julian Meißner berichtet für SPORT1 von Olympia 2016 aus Rio de Janeiro
Julian Meißner berichtet für SPORT1 von Olympia 2016 aus Rio de Janeiro © SPORT1-Grafik: Paul Haenel/Getty Images

"Wir werden wahrscheinlich nie wieder eine so einseitige Statistik erzielen", sagte der junge Bundestrainer Valentin Altenburg (35) nach der Hitzeschlacht im Deodoro-Komplex im Norden Rio de Janeiros angesichts zahlreicher Torchancen.

Und Martin Haner meinte: "Es gibt diese Spiele, in denen der Ball nicht rein will. Wir haben viel Glück gehabt im Turnier. Das heute war dann zu viel."

Nach einem kapitalen Fehlstart mit dem schnellen 0:2 durch zwei Strafecken kämpften sich die Deutschen zurück ins Spiel, hatten gute Chancen auf den Anschluss, die aber ungenutzt blieben.

Mit dem dritten Treffer der Argentinier, erneut nach einer Strafecke, ging es dann vollends dahin.

Torhüter Jacobi übt Selbstkritik

"Von den drei Strafecken muss ich mindestens eine halten", sagte Torhüter Nicolas Jacobi selbstkritisch: "Wir dürfen sie aber so auch nicht bekommen."

Auch das Mittel, ihn am Ende für einen Feldspieler rauszunehmen, was gegen Neuseeland noch zum Erfolg geführt hatte, wirkte eher verzweifelt.

Kapitän Fürste per Siebenmeter und Christopher Ruhr erzielten zwar noch zwei Treffer, die waren aber nur Makulatur.

Fürste: "Unsere Leistung nicht gebracht"

Fürste wollte dann auch nicht nach Ausreden suchen: "Argentinien war sofort 100 Prozent da. Wir haben es nicht geschafft ins Spiel zu finden, wie man das in einem olympischen Halbfinale braucht. Am Ende haben wir unsere Leistung nicht gebracht."

Und so zogen sie mit hängenden Köpfen von dannen.

Immerhin der eine oder andere bei der Lufthansa dürfte aufatmen. 2012 hatte die Mannschaft, für ihre Feierwut bekannt, auf dem Schiff nach Hause eine legendäre Gold-Party gefeiert, die auch die "MS Deutschland" nicht ganz unbeschadet überstand.

Der Flieger aus Rio zurück nach Deutschland dürfte keiner größeren Belastungsprobe unterzogen werden.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel