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Julian Reus startet bei Olympia 2016 über 100 Meter und 200 Meter und in der Staffel
Julian Reus startet bei Olympia 2016 über 100 Meter und 200 Meter und in der Staffel © dpa Picture-Alliance

Deutschlands 100-Meter-Hoffnung Julian Reus zeigt sich bei SPORT1 frustiert über das Doping-Hickhack vor Olympia 2016. Er will Grundsätzliches ändern.

Der Doping-Schatten schwebt über Olympia 2016 - und in der Nacht vor der Eröffnungsfeier in Rio de Janeiro hat das Urteil des Sportgerichtshofs CAS neue Erschütterungen ausgelöst.

Das generelle Startverbot für russische Ex-Dopingsünder ist kurzfristig gekippt, die nächste Volte ist also geschlagen, ein Hin und Her, das auch Deutschlands 100-Meter-Hoffnung Julian Reus auf die Nerven geht.

"Grundsätzlich vermisse ich als Athlet eine klare Linie", sagt der Deutsche Meister im Gespräch mit SPORT1: "Wenn man hört, dass ehemalige Dopingsünder aus Russland nicht hätten starten dürfen, dann hätten auch ehemalige Dopingsünder anderer Nationen nicht starten dürfen. Als Athlet und Zuschauer weiß man jedenfalls nicht, woran man ist. Eine Entscheidung wird so getroffen, die andere so, das ist für den Sport nicht förderlich, letztlich hilft das keinem."

Reus: "Nicht mehr sonderlich schockiert"

Der 28-Jährige warnt aber davor, das Doping-Thema auf das jüngst enthüllte Staatsdoping in Russland zu reduzieren: "Im Sprintbereich haben wir das Problem seit Jahrzehnten. In seiner Massivheit fällt das Problem jetzt der Allgemeinheit auf. Aber in meiner Disziplin, dem Sprint, kenne ich es seit Jahren. Deshalb bin ich auch nicht mehr sonderlich schockiert."

Was aber tun? Reus findet: "Es ist notwendig, das Kontrollsystem grundsätzlich zu verändern. Man sollte damit anfangen, dass es weltweite Standards gibt, wie Kontrollen ablaufen sollen."

Zudem plädiert für eine Struktur funktionierender Organisationen, "die sich gegenseitig kontrollieren. Bei Selbstkontrolle ist Betrug viel leichter möglich und man kann schneller ein Auge zudrücken." Reus begrüßt auch die Idee von Diskuswerfer Robert Harting einen Fonds zu schaffen, der die Finanzierung des Anti-Doping-Kampfs verbessert.

Bach muss Verantwortung übernehmen

Hartings beißende Kritik an IOC-Chef Thomas Bach möchte Reus sich dagegen nicht zu Eigen machen: "Ich kann nicht  speziell eine Person kritisieren. Ich kenne Thomas Bach nicht persönlich und seine Motive auch nicht. Außerdem glaube ich, dass nicht eine Person eine Arbeit einer ganzen Organisation leiten kann."

Was er allerdings vom IOC generell erwartet: "Ehrliche Arbeit!" Und: "Wenn Thomas Bach der Chef der Organisation ist, muss er auch seinen Kopf hinhalten."

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