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Canoe Sprint - Olympics: Day 13
Max Rendschmidt und Marcus Groß (hinten) feiern schon im Boot ihren Olympiasieg © Getty Images

Rio de Janeiro - Die furiosen Kanu-Olympiasieger Marcus Groß und Max Rendschmidt finden nach ihrem Erfolg klare Worte über die Wahrnehmung ihrer Sportart in Deutschland.

Es ist ein Jahr her, dass Marcus Groß nach dem WM-Titelgewinn im Zweierkajak seiner Freundin Kathi einen Heiratsantrag gemacht hat.

Am Donnerstag saß seine Ehefrau daheim in Deutschland gemeinsam mit dem sechseinhalb Monate alten Sohn Fritz vor dem Fernseher, als Groß mit seinem Partner Max Rendschmidt am Fuße der Christusstatue zum Olympiasieg paddelte.

Der kleine Fritz trug dabei einen von der Mama zusammengenähten Deutschland-Strampelanzug. "Ich hoffe, er erkennt seinen Papa schon. In jedem Fall sitzt er immer gespannt vor dem Fernseher", berichtete Groß.

Verbaler Rundumschlag der Olympiasieger

Ganz sicher haben Millionen Deutsche das dramatische Rennen live gesehen, in dem sich das deutsche Boot nach 1000 Metern mit einem Mini-Vorsprung von 0,188 Sekunden auf Serbien ins Ziel rettete.

"Jetzt haben wir das Scheißgold", brüllte der Rendschmidt in die TV-Kameras. Und dann nutzte der 22 Jahre junge Heißsporn die große Bühne Olympia, um seinen ganzen Frust über die öffentliche Anerkennung seines geliebten Kanusports loszuwerden.

"Es ist armselig, was in Deutschland passiert. Wir heben jedes Mal bei Olympia alle vier Jahre den Medaillenschnitt deutlich an. Und dann gehen wir der Öffentlichkeit wieder am Arsch vorbei", schimpfte Rendschmidt.  Im Fernsehen tauche man abseits von Olympia zu selten auf.

Sponsoren zu finden sei für einen Randsportler wie ihn fast unmöglich, selbst um ein Auto habe man kämpfen müssen. Sebastian Brendel, der zwei Tage zuvor sein zweites Olympiagold im Einer-Canadier gewonnen hatte, hat schon einmal scherzhaft vorgeschlagen, nackt Kanu zu fahren: "Vielleicht erregt das das Interesse der Öffentlichkeit."

Kanuten wieder Medaillengaranten

In den Tagen von Rio jedenfalls sind die Kanuten wieder einmal die Helden für die Medaillenzähler und Funktionäre. Die Goldmedaille von Groß und Rendschmidt war die 13. deutsche der Sommerspiele und die 30. für das schwarz-rot-goldene Team insgesamt.

Sie wird immerhin mit 20.000 Euro pro Kopf von der Deutschen Sporthilfe belohnt, doch Revoluzzer Rendschmidt stellte klar, dass es ihm nicht um die Kohle geht: "Wir machen diesen Sport aus Spaß und Überzeugung. Und nicht wegen des Geldes." Allerdings hofft der Gold-Kanute künftig auf mehr öffentliche Anerkennung.

Weitere Chance im Vierer

Im Finale machten Groß und Rendschmidt ihrem Ruf als Taktikfüchse alle Ehre. Der sonst für seinen unwiderstehlichen Endspurt berühmte deutsche Zweierkajak zog diesmal mit einer Tempoverschärfung im Mittelteil auf und davon. "Es hätte keinen Meter weitergehen dürfen. Es hat so unglaublich weh getan. Wir haben uns am Abend zuvor auf diese Taktik geeinigt, weil wir nicht wollten, dass die anderen uns kopieren und vielleicht schlagen", berichtete Groß.

Er hatte 2012 in London als Schlagmann im deutschen Viererkajak den undankbaren vierten Platz bei Olympia belegt.

"Diesmal habe ich mir geschworen, dass ich nicht ohne Medaille nach Hause fahre. Deshalb werde ich sehr ruhig einschlafen mit der Medaille auf dem Kopfkissen", so der 26-Jährige. Gefeiert werden sollte allerdings nur mit einem Stück Pizza und Wasser, denn am Freitag müssen die beiden Goldgewinner wieder 5 Uhr aufstehen.

Am Freitag und Samstag steht schließlich der Viererjakak-Wettbewerb auf dem Plan, wo Deutschland ebenfalls zu den großen Favoriten gehört. "Jetzt werden wir mal den Vierer runterrocken", kündigte Rendschmidt an. Und Groß fügte hinzu: "Ich hoffe, dass mein Gepäck durch eine weitere Medaille noch schwerer wird. Der Vierer läuft wirklich gut."

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