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Julian Meißner war während der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro vor Ort
Julian Meißner war während der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro vor Ort © SPORT1-Grafik / Getty Images

Rio de Janeiro - SPORT1-Redakteur Julian Meißner war in Rio de Janeiro vor Ort. Nach dem Ende der Olympischen Spiele lobt er Rio als guten Gastgeber und kritisiert die Funktionäre.

Das Feuer ist erloschen. Weshalb sich zwangsweise die Frage stellt, was bleibt von Olympia 2016. Katastrophen, Gewalt und Seuchen? Nein.

Es lief sicher nicht alles wie geschmiert, es waren garantiert auch nicht die besten Spiele aller Zeiten. Aber die befürchtete Apokalypse blieb aus. Mehr noch: Rio de Janeiro war angesichts der Umstände ein guter Gastgeber.

Die Brasilianer haben ihr Möglichstes in diese Spiele gesteckt. Und sie haben trotz der schweren Krise des Landes nicht nur nach ihrer eigenen Wahrnehmung einen ordentlichen Job gemacht.

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Kritik an der Organisation war und ist absolut berechtigt. Mängel bei Transport, Essen und Hygiene sowie vor allem die kritische Sicherheitslage - es war keine Veranstaltung im Paradies. Es gab grünes Wasser, lange Schlangen und leere Tribünen. Es gab auch Gewehrkugeln, fliegende Steine, eine abstürzende Kamera.

Aber das meiste funktionierte. Irgendwie, irgendwann. Was konnte man erwarten von den ersten Olympischen Spielen auf dem südamerikanischen Kontinent? Andere Länder, andere Sitten. Wer überall auf der Erde mitteleuropäische Verhältnisse erwartet, hat die Idee des Weltsports nicht verstanden.

2009, als das Land noch boomte, bekam das sportverrückte Rio den Zuschlag. Nach der dramatischen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in den Folgejahren war klar, dass die Ausgaben an anderer Stelle besser aufgehoben gewesen wären. Nur war es da zu spät. Und so taten die Brasilianer, was sie recht gut können und "Gambiarra" nennen: Aus nichts viel machen.

Die mangelhafte Auslastung der Stadien kann man angesichts der Preise und der undurchsichtigen bis kriminellen Praxis bei der Vergabe von Ticketkontingenten nicht den Bürgern anlasten.

Auch das nach europäischer Perspektive zweifelhafte Verständnis von Fairness darf man nicht überbewerten. Die olympische Sportartenvielfalt war neu für viele Brasilianer, die das Fansein nun einmal zu größten Teilen im Fußballstadion erlernt haben. Wo sich, warum auch immer, niemand an ein paar Pfiffen stört.

Wer erwartet hatte, die Spiele würden aus einer chaotischen Millionenmetropole voller Widersprüche eine blühende Oase machen, der verlangte vielleicht doch etwas zu viel.

Das wirklich Üble an Olympia 2016 waren die Machenschaften der olympischen Funktionäre um Thomas Bach. Von der Heuchelei im Antidopingkampf und der Farce um die Zulassung der russischen Athleten bis hin zur Verhaftung von Patrick Hickey - das IOC gab ein verheerendes Bild ab.

Die olympische Bewegung hat viel zu viel Dreck am Stecken, als dass sie die Probleme Brasiliens und Rio de Janeiros hätte ansatzweise lösen oder auch nur überdecken können.

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