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Im Samaritano Hospital sollen die verletzten Athleten behandelt werden
Im Samaritano Hospital sollen die verletzten Athleten behandelt werden © Getty Images

Rio de Janeiro - Das Transportchaos um den schwer verletzten Kanu-Trainer Stefan Henze ist nur die Spitze des Eisbergs. Auch sonst gibt es Probleme in den Stadien und beim Transport.

Weltrekorde, persönliche Bestzeiten, spektakuläre Aktionen und tolle Spiele - die Sportler aus der ganzen Welt geben in Rio Vollgas und begeistern die Zuschauer.

Doch bei den Olympischen Spielen ist nicht alles Gold, was glänzt. Allein in den vergangenen 24 Stunden gab es zahlreiche Pannen, die schlimmste beim deutschen Kanu-Trainer Steffen Henze. Olympia-Mannschaftsarzt Prof. Dr. Bernd Wolfarth ist anderer Meinung.

SPORT1 fasst die Probleme zusammen.

- Sicherheit

Bei der Behandlung des bei einem Verkehrsunfall schwer verletzten Kanuslalom-Trainers Henze ist durch die ungenügende medizinische Ausstattung des nächst gelegenen Krankenhauses offenbar wertvolle Zeit verloren gegangen.

"Es ist unverantwortlich, dass ausgerechnet dieses Krankenhaus nicht ausreichend für Unfallchirurgie ausgestattet ist, obwohl dort so viele schwere Autounfälle geschehen. Es hätte nicht als Referenzklinik für Olympia ausgewiesen werden dürfen ", warnte Jorge Darze, Präsident der Ärztegewerkschaft von Rio de Janeiro, bereits wenige Tage vor Henzes Unfall im Spiegel vor der mangelhaften Ausrüstung des Loureno Jorge Krankenhauses, in welches Henze zunächst eingeliefert wurde.

Dieses verfügte nicht über die notwendige neurochirurgische Station, um Henze entsprechend zu behandeln, weshalb er nach Erkennung der Schwere der Verletzungen erst in eine rund 20 Kilometer entfernte Spezialklinik transportiert werden musste. 

Dem Widersprach am Samstag Olympia-Mannschaftsarzt Prof. Dr. Bernd Wolfarth. Der Berliner Sportmediziner betonte, dass die Rettungskette infolge des  Unfalls am frühen Freitagmorgen "schnell funktioniert" habe.

Henze sei im nächstgelegenen Krankenhaus "schnell stabilisiert" worden und dann in eine Spezialklinik überführt worden. "Das hätte man in Deutschland auch nicht schneller umgesetzt", sagte Wolfarth. 

Der 35-Jährige hatte am Freitag bei einem Verkehrsunfall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten und kämpft nach einer Notoperation um sein Leben.

- Medizinische Versorgung

In dieses Bild passt auch die Aussage der deutschen Freistilschwimmerin Sarah Köhler, die von einem schlimmen Zwischenfall berichtet.

Demnach musste ihr Freund eine andere Person wiederbeleben. Dies wurde durch ihre 30-minütige Suche nach einem Defibrillator erschwert. Die Achte über 800 Meter Freistil sagte, dass die Person verstorben sei.

Eine Bestätigung des Organisationskommitees zu diesem Vorfall gibt es nicht. Der Sprecher des Komitees erklärte lediglich, dass eine Person mit Verbindung zur französischen Mannschaft betreut werden musste.

Bei der Person könnte es sich um einen inzwischen verstorbenen Betreuer des französischen Tennis-Teams handeln.

Wie der Präsident des nationalen französischen Olympischen Komitees (CNOSF), Denis Masseglia mitteilte, ist Patrick Bordier, der als Physiotherapeut für das Team arbeitete, "heute Nachmittag auf schreckliche Art und Weise gestorben".

Auf Twitter bestätigte kurz darauf der Verband den Todesfall: "Wir haben mit Trauer vom Tod von Patrick Bordier erfahren. All unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen und Freunden".

Laut der französischen Zeitung Le Parisien soll Bordier, der seit 2014 beim Verband tätig war, einen Herzinfarkt erlitten haben.

- Transport

Durch die Irrfahrt eines Olympia-Busses sind einige Schwimmerinnen in der Vorbereitung auf ihr anstehendes Rennen erheblich gestört worden. Statt zum Schwimmstadion fuhr der Bus mit einigen Starterinnen des zwei Stunden später geplanten 50-m-Freistil-Halbfinales an Bord vom Olympischen Dorf zunächst einige Zeit in die entgegengesetzte Richtung zur Leichtathletik-Arena.

"Die Emotionen und das Adrenalin waren unglaublich hoch", berichtete die britische Schwimmerin Fran Halsall über die aufgeregte Atmosphäre unter den insgesamt drei betroffenen Athletinnen im Bus.

Swimming - Olympics: Day 7
Francesca Halsall absolvierte statt eines Halbfinals eine Bus-Irrfahrt © Getty Images

Nachdem der Fahrer den Fehler mit großer Verzögerung bemerkt hatte, kehrte der Bus um und erreichte sein ursprüngliches Ziel nur mit erheblicher Verspätung. Der Halbfinal-Lauf mit den Nachzüglerinnen aus dem Bus konnte daher erst am Freitagabend nach den letzten Siegerehrungen des Tages gestartet werden. 

Als Grund für die Irrfahrt nannte ein Sprecher aus dem Organisationsteams der olympischen Schwimm-Wettbewerbe einen Kommunikationsfehler.

- Organisation

Auch die Kritik an Organisationsmängeln reißt nicht ab. Nach dem ersten Tag der Leichtathletik-Wettbewerbe warf die österreichische Siebenkämpferin
Ivona Dadic den Olympia-Machern schwere Fehler bei der Planung vor.

Weil die Pendelfahrt in der siebenstündigen Wettkampfpause insgesamt drei Stunden gedauert hätte, sieht die 22-Jährige "jedes kleine Meeting in Österreich besser organisiert als diese Olympischen Spiele".

- Sportstätten

Die tiefgrüne Färbung des Wassers in der olympischen Wassersprung-Anlage hat zur Absage des Trainings am Freitag geführt. Um die natürliche blaue Farbe wiederherzustellen, müsse das Wasser ruhig bleiben, teilte das Organisationskomitee vor dem Wettbewerb vom 3-m-Brett der Frauen am Freitagnachmittag mit.

Unter den Athleten hatte das grüne und offenbar auch übel riechende Wasser im Maria Lenk Aquatics Center für reichlich Frust gesorgt. "An der ganzen Anlage riecht es, als ob jemand gefurzt hat", schrieb Brettspringer Stephan Feck auf Facebook.

Dazu postete der Leipziger ein Bild von sich und seinen drei Teamkollegen Patrick Hausding, Sascha Klein und Martin Wolfram mit Grünfilter und den Spruch: "Wenn der Pool seine Farbe nicht wechselt, dann machen wir das."

Der Weltverband FINA hatte gesundheitliche Risiken für die Athleten jedoch ausgeschlossen.

- Gesundheit

Anders sieht es dagegen im Segelrevier aus. Die Belgierin Evi van Acker führt ihr bislang enttäuschendes Abschneiden bei den Regatten vor Rio auf eine Infektion zurück, die sie sich bei Trainingsfahrten im Olympia-Revier im Juli eingefangen haben könnte.

"Die Ärzte sagen, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass die Bakterien aus der Bucht stammen", sagte van den Ackers Trainer Wil van Bladel der Zeitung De Standaard

Die als Medaillenkandidatin in der Laser-Radial-Klasse gestartete 30-Jährige leidet unter anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden und steht geschwächt von ihrer Erkrankung nach sechs Wettfahrten bislang nur auf Rang zehn.

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