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Paul Biedermann ging bei Olympia in Rio leer aus © dpa Picture Alliance

Rio de Janeiro - Bitterer Abgang eines Schwimmstars: Paul Biedermann bleibt der Traum von einer Olympia-Medaille verwehrt. Zum Schluss gibt es emotionale Szenen.

Es sollte einfach nicht sein. Auch im letzten Rennen seiner Karriere ist Schwimm-Star Paul Biedermann an einer olympischen Medaille vorbeigeschwommen.

Damit zerplatzte ein großer Traum des 30-jährigen Hallensers. Mit der 4x200 Meter-Freistil-Staffel in Rio reichte es nur zu Platz sechs.

Besonders bitter: Die Staffel um Biedermann hatte nicht den Hauch einer Chance. Dabei hatten Florian Vogel, Clemens Rapp und Christoph Fildebrandt ihrem prominenten Mitschwimmer doch unbedingt eine Medaille zum Abschluss schenken wollen.

Tränenabschied von Biedermann

Entsprechend groß war die Enttäuschung nach dem Rennen in der Mixed Zone. 

Zunächst sprach Florian Vogel: "Wir haben dem Paul leider nicht mehr schenken können. Das schmerzt. Er war der größte Schwimmer in Deutschland, den es gegeben hat. Er war immer ein Vorbild." Für Vogel steht fest: "Er wird dem Schwimmen sehr fehlen..."

Plötzlich schießen dem 21-Jährigen die Tränen in die Augen. Vogel bricht mitten im Satz ab, dreht sich weg. Paul Biedermann nimmt ihn sofort in den Arm.

Rapp blickt nach vorn

Deutlich gefasster war Clemens Rapp: "Wir haben viele gute Talente. Jetzt müssen andere zeigen, was sie können." Er habe mit Biedermann aber viele gemeinsame Rennen gehabt, in denen er auch seine größten Erfolge gefeiert habe, so Rapp. "Ich denke, dass wir trotzdem Kontakt halten werden!"

Berührende Szene dagegen bei Christoph Fildebrandt. Der 27-jährige Wuppertaler sagte mit leiser Stimme: "Wir haben so gut trainiert in den letzten zwei Jahren. Mir tut es für Paul leid, dass ich nicht mehr geben konnte."

Dann kann auch er nicht mehr weiterreden. Seine Augen röten sich, auch ihn nimmt Biedermann in den Arm, spricht ihm tröstende Worte zu.

Biedermann ist "sehr stolz"

Anschließend ergriff der scheidende Schwimm-Star selbst das Wort. "Das ist eine sehr emotionale Sache. Wir haben zwei Jahre zusammen gekämpft, sind gute Freunde geworden und haben nie aufgegeben. Ich bin sehr stolz auf die Jungs."

Dann brach auch Biedermann kurz die Stimme weg. Man merkte: Dieser Moment geht dem DSV-Star sehr nah. Biedermann konnte die Tränen aber noch einmal unterdrücken, sprach dann über seinen Abschied.

"Ich bin nicht enttäuscht. Es war das letzte Rennen, ich habe einen Weltrekord miterlebt. Der Abschluss ist für mich okay. So weit bin ich mit mir im Reinen: Die Olympiamedaille wird zwar ein Traum bleiben, ich durfte aber so viel erleben."

Da hat er Recht. Unvergessen sein Auftritt bei der WM in Rom 2009, als er sich über 200 und 400 Meter Freistil zum Doppel-Weltmeister krönte. Sein Weltrekord über 200 Meter ist noch immer gültig.

Eine Legende geht

Wird er dem Schwimmsport nun fehlen? Biedermann: "Wir haben tolle Talente, die auf dem richtigen Weg sind. Es wurde auch jetzt mal Zeit, dass ich abtrete und die Leute selber ins Licht treten."

Er selber werde sich jetzt auf ganz normale Sachen freuen. "Es ist schön, nicht immer trainieren und so früh aufstehen zu müssen. Und ich kann jetzt auch mal ein Bier trinken. Das ging ja vorher nicht", so Biedermann augenzwinkernd.

Dann bedankt er sich artig bei den anwesenden Journalisten und geht. Als der Pressesprecher mit ihm abklatscht, röten sich auch Biedermanns Augen. Es ist das Ende einer deutschen Schwimm-Ära. Leider ganz ohne olympische Medaille!

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