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So feierten die Österreicher die Bronzemedaille ihrer Segler Tanja Frank und Thomas Zajac
So feierten die Österreicher die Bronzemedaille ihrer Segler Tanja Frank und Thomas Zajac © facebook.com/OlympicTeamAustria

Rio de Janeiro - Sportlich läuft es für Österreich auch 2016 nicht - trotz 20 Millionen Euro Anschubs. Dafür brummt das Austria House. Die Presse verspottet ihre "Olympia-Touristen".

Wenn die Nacht hereinbricht über Rio de Janeiro, spielen sich in Botafogo ungewöhnliche Szenen ab. Um das schicke Vereinsgelände des Botafogo FR, also des Fußball- und Ruderklubs, bildet sich eine lange Schlange.

Die Menschen drängen zum Eingang, aber es ist verdammt schwer, Einlass zu finden in die derzeit wohl heißeste Location der Stadt: das Österreich-Haus, gerne auch "Austria House" genannt.

"Brot, Wurst, Bier und Musik sorgen dafür, dass die Schlangen um den ganzen Block gehen", ließ die Zeitung O Globo ihre Leser halbwegs erstaunt wissen.

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Ein vergifteter Vergleich

An den ersten acht von insgesamt 16 Olympiatagen wurden mehr als 33.000 Besucher auf der brechend vollen Terrasse des Klubhauses gezählt, weitere 3500 geladene Gäste im Festsaal. Der Laden brummt, die Stimmung ist prima. An den Sportlern des Landes kann das nicht liegen.

Hier lässt Bronze-Segler Thomas Zajac im Austria House die Korken knallen
Hier lässt Bronze-Segler Thomas Zajac im Austria House die Korken knallen © facebook.com/OlympicTeamAustria/

"Es ist ein Erfolg, der an die alten Zeiten von Garrincha erinnert", schreibt O Globo beinahe ehrfürchtig über das Ösi-Haus. Garrincha, Mané Garrincha, ist für viele Brasilianer der beste Fußballer, den dieses Land je hervorgebracht hat.

Er war für Botafogo aktiv, sehr erfolgreich - und ein Säufer. Der Vergleich passt also nicht. Im Österreich-Haus wird zwar reichlich getrunken, angestoßen aber wurde bisher nur auf einmal Bronze.

Nur Olympia-Touristen?

Eine Bronzemedaille. Die Presse beklagt die "schwerstbetrübte Sportseele". Der Kolumnist der Krone spricht in seinem Video von einem "Debakel".

Klar, die Athleten müssten studieren oder einem Beruf nachgehen, da sei nicht viel zu erwarten. Es kämen viele mit, "die mit der Freundin im Olympischen Dorf wohnen, zwei-, dreimal ihre Watsch'n abholen und dann spazieren gehen. Das ist menschlich verständlich, aber das sind Touristen", ereifert er sich.

"Man muss diese Dinge trennen", sagt Peter Mennel. Mennel ist der Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), das sich auch via Facebook gegen den Vorwurf wehrt, seine Athleten seien Olympiatouristen.

Backstube, Kletterwand, tonnenweise Essen

Ja, das Österreich-Haus sei für den Sport gedacht, "um im Falle von Medaillen, feiern zu können, und als Rückzugsort für die Athleten", betont Mennel.

Genau genommen aber geht es um etwas ganz anderes. "Wir wollen Österreich auf der weltgrößten Bühne präsentieren", sagt er. Dem ÖOC geht es um den Tourimus. Es geht in Österreich ja immer um den Tourismus.

Nur 30.000 Brasilianer machen alljährlich Urlaub im Land der Skifahrer und Bergsteiger, das muss besser werden. Also haben sie zusätzlich zum Haus eine eigene Backstube und eine über 13 m hohe Kletterwand nach Rio transportiert. Und insgesamt 36 Tonnen Lebensmittel. Mahlzeit!

Winterpiele 2026 im Visier

Aber es geht natürlich um noch mehr. ÖOC-Präsident Karl Stoss ist gerade Mitglied im IOC geworden, und der Vorarlberger und sein Generalsekretär liebäugeln mit Winterspielen 2026 in Österreich.

Und wenn es um Österreich, Tirol, Olympia und ums Geschäftemachen geht, ist selbstverständlich der "Schröcksi" nicht weit: Peter Schröcksnadel, der mindestens umtriebige Präsident des Österreichischen Skiverbandes.

Schröcksnadel tritt zurück

Schröcksnadel hat sich für das "Projekt Rio 2016" engagiert. Der 75-Jährige zieht nun allerdings die Konsequenzen aus dem Misserfolg und steht nicht mehr für Sommerspiele zur Verfügung, wie er in der "Krone" erklärte: "Für mich ist das Projekt erledigt. Ich habe das gemacht, ich habe mein Bestes gegeben."

Dennoch sagte er: "Ich glaube, es ist auch viel bewegt worden. Weil nun das Geld dort landet, wo es eigentlich hingehört."

Nach London 2012 sind angesichts der genau null dort errungenen Medaillen 20 Millionen Euro aus Bundesmitteln in die siechen Sommersportarten geflossen.

Eine Summe, über die "Schröcksi" nur lachen kann. Dennoch sagt er: "Wenn so viel Geld im Spiel ist, muss man auch von den Athleten totalen Einsatz verlangen. Und das war hier in Rio leider nicht bei allen der Fall."

Der 75-Jährige zieht nun die Konsequenzen und steht nicht mehr für Sommerspiele zur Verfügung, wie er in der "Krone" erklärte: "Für mich ist das Projekt erledigt. Ich habe das gemacht, ich habe mein Bestes gegeben."

Für ihre 20 Millionen Euro haben die Österreicher also genau eine Bronzemedaille bekommen. Im Segeln. Aber im Feiern, da sind sie Olympiasieger.

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