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Richard Pound hält diskrete Absprachen vor dem IOC-Entscheid zu Russland für möglich © Getty Images

Gab es vor der Entscheidung zum Fall Russland diskrete Absprachen in der Spitze des IOC? Richard Pound hält es für möglich und kritisiert Präsident Thomas Bach.

IOC-Mitglied Richard Pound hält im Umgang mit der russischen Staatsdoping-Affäre eine diskrete Absprache des Führungszirkels um Präsident Thomas Bach für möglich.

Die Dringlichkeitssitzung am 24. Juli, auf der das 15-köpfige Exekutivkomitee unter Bachs Leitung beschlossen hatte, russische Athleten trotz der Doping-Enthüllungen zu den Olympischen Spielen in Rio zuzulassen, habe nur drei Stunden gedauert, "und wenig später wurden bereits sehr präzise, juristisch saubere 13 Seiten dazu vorgelegt", sagte Pound der Süddeutschen Zeitung.

"Haben schon immer Ausschlüsse verhängt"

Auf die Frage, ob das Dossier womöglich vorbereitet war, antwortete IOC-Alterspräsident Pound: "Wäre eine Möglichkeit." Bachs Versuche, das Votum gegen einen Ausschluss der gesamten russischen Mannschaft zu begründen, habe Pound (74) nicht überzeugt: "Je mehr das IOC die Entscheidung zu erklären versucht, die es da getroffen hat, umso konfuser wird alles", sagte der Kanadier.

Das Argument, ein Ausschluss bestrafe auch unschuldige Sportler und sei deshalb abzulehnen, lässt Pound nicht gelten: "Wir haben doch schon immer Ausschlüsse verhängt. Wir haben ganz Südafrika wegen der Apartheid für viele Jahre ausgesperrt, damals durften nicht einmal die schwarzen Athleten des Landes antreten. Und mit Kuwait ist es jetzt dasselbe. Dort geht es um politische Probleme mit dem Verband, und die Athleten, die daran völlig unschuldig sind, dürfen nicht für ihr Land starten."

Stepanowa-Entscheidung schockt Pound

Sportler aus Kuwait können in Rio nur unter neutraler Flagge antreten. Laut Pound, von 1997 bis 2007 WADA-Präsident, wäre eine entsprechende Maßnahme im Fall Russland "eine bessere Lösung gewesen".

Dass die russische Whistleblowerin Julia Stepanowa, die mit ihren Aussagen den russischen Dopingskandal mit aufgedeckt hatte, vom IOC keine Starterlaubnis erhielt, findet Pound "beunruhigend - nach dem WADA-Code darf sie starten, und der Leichtathetik-Weltverband IAAF hat sie ja bei der EM in Amsterdam bereits laufen lassen."

Das IOC-Ethikkomitee hatte entschieden, Stepanowa erfülle nicht die "ethischen Voraussetzungen" für einen Olympia-Start. "Ich war geschockt, als ich das hörte", so Pound, der die unabhängige Kommission leitete, die ab Dezember 2014 im Auftrag der WADA den Dopingskandal in der russischen Leichtathletik untersucht hatte. 

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