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Robert Harting nach seinem Quali-Aus bei Olympia
Bitteres Quali-Aus bei Olympia: Ein Hexenschuss bremste Robert Harting (l.) in Rio aus © Getty Images

Rio de Janeiro - Nach mehreren Verletzungen kämpft sich Robert Harting zu Olympia - und wird in der Quali von einem Hexenschuss gestoppt. Spritzen und Schmerzmittel helfen nicht.

Ein letzter wehmütiger Blick ins weite Rund, dann verschwand der traurige Robert Harting im Bauch des Olympiastadions von Rio de Janeiro.

Der deutsche Diskusriese war schwer getroffen von seinem sensationellen Aus schon in der Qualifikation des olympischen Wettbewerbs.

"Es tut mir ganz, ganz tief weh", sagte er und schlackerte immer wieder hilflos mit seinen mächtigen Armen: "Dieser ganze Comeback-Scheiß. Immer wieder diese Kämpfe."

Hartings Höllenritt endet mit Enttäuschung

Der Kreuzbandriss vor gut eineinhalb Jahren, dann Probleme mit dem anderen Knie und zu guter Letzt eine Verletzung am Brustmuskel: Hartings Weg zu den Spielen war ein Höllenritt. Und er endete mit der wahrscheinlich größten Enttäuschung seiner Karriere.

"Ich wollte mich belohnen für die ganze Arbeit", sagte Harting mit leerem Blick. Doch daraus wurde nichts.

Ein profaner Hexenschuss, auf kuriose Weise zugezogen, sorgte dafür, dass er beim Wettkampf, der zum großen Höhepunkt nach langer Leidenszeit hätte werden sollen, nicht einmal ins Finale kam.

"Das war nicht Robert Harting"

Zwei ungültige Versuche in der Qualifikation und einer über 62,21 Meter waren zu wenig. "Das sieht ja ein Blinder mit dem Krückstock, dass das nicht Robert Harting war, der da Diskus geworfen hat, sondern jemand anders", sagte er. So fremd fühlte sich der Olympiasieger von London in seinem eigenen Körper.

Am Mittwochabend habe er ein Ziehen verspürt, als er auf dem Bett sitzend mit dem Fuß den Lichtschalter an der gegenüberliegenden Wand ausgemacht habe, berichtete er mit einem ungläubigen Lächeln auf dem Lippen.

"Dann war ich kurz überrascht. Aber wie oft hat man als Sportler eine Blockierung? Ganz oft. Da machst du dir keinen großen Kopf", erzählte er.

Spritzen und Schmerzmittel helfen nicht

Doch am nächsten Morgen der Schock. Humpelnd ging es noch in die Mensa des Athletendorfs, dann war klar: Es wird ganz eng. "Natürlich war großer Alarm", so Harting. Ärzte und Physiotherapeuten riefen das volle Programm auf, Spritzen, Schmerzmittel.

Harting konnte am Ende irgendwie starten, mehr auch nicht: "Da kannst du technisch machen was du willst. Da ist kein Druck da, da ist kein Feuer da." Zumal seine mentale Energie am Ende war: "Ich habe mir die krassesten Parolen erzählt, wie ich durchhalten kann. Ich habe mich angefleht, daran zu glauben."

Ohne Erfolg. Ein Paukenschlag zum Auftakt der Leichtathletik-Wettbewerbe von Rio. Ein Horror für Harting wie für die gesamte DLV-Mannschaft.

Lönnfors: "Ein Schock für das Team"

"Natürlich ist das ein Schock für das Team", sagte Trainer Torsten Lönnfors: "Robert ist eine absolute Größe, eine absolute Persönlichkeit. So wie er hergekommen ist, mit dem Potenzial, hat keiner gedacht, dass irgendwas ihn stoppen kann. Und dann hat so eine Kleinigkeit so eine große Wirkung."

Hört Harting, der nicht nur das Gesicht der Leichtathletik sondern als kritischer Geist auch des gesamten deutschen Sports ist, nun auf? "Wenn ich sportlich ein bisschen zu mir finde, denke ich, geht das alles weiter", sagte er und ließ damit zunächst einmal alles offen.

Gedanken an Tokio

Nachdem die Party in Rio platzte, könnte die EM 2018 in Berlin das große Abschiedsfest werden - oder gar Olympia in Tokio 2020. Das deutete Harting zumindest in einem Video auf Facebook an: "Da meine Olympischen Spiele - die letzten - so für mich ausgegangen sind, muss man sich echt die Frage stellen, ob man jetzt nochmal vier Jahre macht. Weil so aufhören ist natürlich nicht mein Ding."

Im olympischen Finale am Samstag kann er immerhin seinem Bruder Christoph die Daumen drücken, der sich souverän qualifizierte. "Natürlich hilft mir das", sagte der ältere Harting. Auch den Diskus-Wettbewerb seiner Freundin Julia Fischer wird er sich im Stadion anschauen.

Dem Stadion, in dem sein vielleicht letzter olympischer Wettbewerb mit einer riesigen Enttäuschung endete.

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