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Barbara Engleder holt Gold im Dreistellungskampf © Getty Images

Nächste Goldmedaille für die deutsche Mannschaft: Barbara Engleder gewinnt das Finale des Kleinkaliber-Dreistellungskampfs. Die 33-Jährige schreibt mit ihrem Sieg Geschichte.

Nach dem entscheidenden Schuss sank Barbara Engleder überwältigt auf die Knie und brüllte ihre unbändige Freude heraus: "Ja, ja! Ich hab's Euch allen gezeigt!"

Im KK-Dreistellungskampf, dem letzten großen Wettkampf ihrer Karriere, behielt die Weltmeisterin von 2010 eindrucksvoll die Nerven und sorgte zwei Tage nach Silber durch Pistolenschützin Monika Karsch für das nächste deutsche Schützenfest am Zuckerhut.

"Mein Sohn braucht jetzt Stetigkeit"

"Ich freue mich riesig über das Ding, hätte mich aber auch nicht in einer Kiste nach Hause schicken lassen, wenn ich nicht gewonnen hätte", sagte Engleder, die das erste Gold einer deutschen Schützin seit Silvia Sperber in Seoul 1988 holte: "Es ist der krönende Wahnsinns-Abschluss für meine Karriere. Ich bin richtig, richtig glücklich."

Künftig will sie mehr für ihren Ehemann und dem dreijährigen Sohn Tobias da sein: "Ich bin bald 34 und mein Sohn braucht jetzt Stetigkeit. Genau die werde ich ihm als Mutter geben.“

Engleder gelang in ihrer Paradedisziplin, woran sie zum Olympia-Auftakt gescheitert war: Mit dem Luftgewehr hatte sie als Vierte um 0,3 Punkte oder umgerechnet knapp einen Millimeter an Edelmetall vorbeigezielt und danach gesagt: "Einer muss das Arschloch sein."

Diesmal verwies die Niederbayerin aus Triftern die beiden Chinesinnen Zhang Binbin und Du Li auf die Plätze. Engleders Punktzahl von 458,6 war zugleich Olympischer Rekord.

"Brauche unbedingt ein Bier"

"Wir haben das Finale in den letzten Monaten ja bis zum Erbrechen geübt und es hat nie richtig geklappt. Diesmal ist es gelaufen wie am Schnürchen", sagte sie.

Auf die Frage, wo sie die Energie für den lange ersehnten Goldcoup bei ihren vierten Olympischen Spielen hergenommen habe, antwortete die Frohnatur: "Von der Arschbacke."

Als die Entscheidung fest stand, war Engleder völlig überwältigt.

"In dem Moment kam alles aus mir raus. Ich habe an die letzten Jahre gedacht, in denen ich so oft nicht daheim war, jedes Familienfest verpasst habe und meinen Sohn nicht ins Bett bringen konnte", sagte sie mit der Olympia-Goldmedaille um den Hals, die auch ihre letzte sein wird. Dann formulierte sie einen ganz besonderen Wunsch: "Ich brauche unbedingt ein Bier."

"Ich suche Arbeit"

Am 15. August fliegt sie nach Hause, dann wird sie Sohn und Ehemann wiedersehen - und bei der Party im niederbayerischen Triftern "so richtig der Punkt abgehen".

Die Region war vom Hochwasser gebeutelt, auch im Keller der Engleders stand das Wasser: "Vielleicht habe ich mit einem Sieg allen ein bisschen Hoffnung gemacht, dass es immer weitergeht."

Die Olympiasiegerin bekommt 20.000 Euro von der Sporthilfe, trotzdem will sich die Sportsoldatin nach ihrem Rücktritt nach einem neuen Job umschauen: "Ich suche Arbeit. Also, wer jemanden kennt, bitte melden!"

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