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Fu Yuanhui
Fu Yuanhui gewann in Rio Bronze über 100 m Rücken © dpa Picture-Alliance

Schwimmerin Fu Yuanhui nennt ihre Periode als Entschuldigung für Platz vier mit der Lagen-Staffel - und erntet in ihrer Heimat China Jubelstürme in sozialen Netzwerken.

Mit der 4x100-Meter-Lagenstaffel Chinas schwamm Fu Yuanhui bei den Olympischen Spielen in Rio knapp an einer Medaille vorbei - die Herzen der chinesischen Fans eroberte sie anschließend trotzdem.

In 59,53 Sekunden gelang Fu zum Start über die Rückendistanz nur die siebtbeste Zeit der acht Finalstaffeln, ihre Teamkolleginnen konnten dieses Handicap nicht mehr in eine Medaille umwandeln.

Periode als Erklärung, nicht Entschuldigung

"Ich glaube nicht, dass ich heute eine gute Leistung gezeigt habe. Ich habe das Gefühl, dass ich meine Kolleginnen im Stich gelassen habe", sagte Fu im staatlichen Fernsehen CCTV - und lieferte eine bemerkenswerte Begründung hinterher: "Das kommt, weil ich gestern meine Periode bekommen habe. Deshalb habe ich mich besonders müde gefühlt."

Dies sei jedoch "keine Entschuldigung, ich bin trotzdem nicht gut genug geschwommen".

Übel nahm ihr das in der Heimat jedoch kaum jemand, im Gegenteil: In den sozialen Netzwerken wurde Fu für ihre Offenheit im Umgang mit einer Art Tabuthema in den höchsten Tönen gelobt.

"Fu Yuanhui ist großartig!"

"Sie fühlt sich schuldig, weil sie nur Vierte geworden sind. Aber Fu Yuanhui, wir sind sehr stolz auf dich", schrieb eine Userin laut BBC bei Weibo, dem chinesischen Gegenstück zu Twitter: "Ich bewundere Fu Yuanhui wirklich dafür, dass sie während ihrer Periode geschwommen ist."

Eine andere schrieb: "Unsere Miss Fu traut sich, alles zu sagen." Es gab auch Stimmen, die sich wunderten, dass mit dem Thema nicht ohnehin offener umgegangen wird. "Das ist ein normales physiologisches Phänomen, also warum können wir nicht darüber reden?", hieß es in einem Kommentar einer Userin, die jubelte: "Fu Yuanhui ist großartig!"

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Freudestrahlend präsentierte Fu Yuanhui (v.) ihre Bronzemedaille über 100 m Rücken © Getty Images

Die 20-Jährige ist in China spätestens seit ihrer Einzel-Bronzemedaille über 100 m Rücken eine Art Fanliebling, begeistert mit ebenso sympathischen wie amüsanten Interviews die Massen.

Fu erfährt im TV von Medaille

Nach ihren starken 58,95 Sekunden im Halbfinale hatte sie im Fernsehen erklärt: "Wow, ich war so schnell! Ich habe nichts zurückgehalten, habe all meine mystische Energie genutzt."

Noch sympathischer geriet ihr Auftritt unmittelbar nach dem Endlauf, als Fu zunächst nicht realisierte, dass sie in 58,76 Sekunden zeitgleich mit der Kanadierin Kylie Masse Bronze gewonnen hatte und erklärte, sie habe all ihre Energie schon am Vortag verbraucht.

Erst die TV-Reporterin klärte sie auf - und Fu meinte freudestrahlend: "Nun, dann denke ich, dass das alles gar nicht so schlecht ist."

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