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Thomas Lurz
Thomas Lurz ist mehrfacher Weltmeister über die Langstrecke © Getty Images

Thomas Lurz, Ex-Weltmeister auf der Langstrecke, kritisiert die deutschen Schwimmer für ihr Abschneiden bei Rio. Auch die Strukturen im DSV missfallen dem 36-Jährigen.

Freiwasser-Rekordweltmeister Thomas Lurz hat nach dem erneuten Debakel der deutschen Schwimmer bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro Alarm geschlagen.

"Es hat sich nichts getan", sagte der 36-Jährige dem SID. Nach dem enttäuschenden siebten Platz von Weltmeister Marco Koch über 200 m Brust droht dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) wie vor vier Jahren in London eine Medaillen-Nullnummer.

"Es fehlt die Transparenz"

"Wir spielen im Schwimmsport keine Rolle mehr", bilanzierte der zwölfmalige Weltmeister, der im vergangenen Jahr seine Karriere beendet hatte.

"Die Strukturen sind unprofessionell", kritisierte der Olympiazweite von 2012 über zehn Kilometer und attackierte die Verantwortlichen im Verband: "Es fehlt die Transparenz. Keiner weiß, wo es langgeht." Der Würzburger griff auch die langjährige Präsidentin Christa Thiel an. "Sie repräsentiert den DSV international gut. Aber im Marketing liegt so viel brach, das ist eine Katastrophe", sagte er. Nach 16 Jahren im Amt hat Thiel noch offen gelassen, ob sie bei den Präsidiumswahlen im Herbst erneut kandidieren wird.

Auch Buschkow in der Kritik

Auch den scheidenden Leistungssportdirektor Lutz Buschkow, der am Jahresende nach acht Jahren seinen Job aufgibt, schloss Lurz in seine Kritik ein. "Was macht der Sportdirektor eigentlich? Wir müssten schon längst an Tokio 2020 denken", sagte er.

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Bundestrainer Henning Lambertz, der nach dem Desaster von London zum Chefcoach aufgestiegen war, nahm Lurz dagegen in Schutz. "Er ist ein super Trainer, das steht außer Frage. An seiner Kompetenz gibt es keinen Zweifel. Er war immer erfolgreich", meinte er, fragte aber: "Ist er als Bundestrainer in diesen Strukturen richtig aufgehoben?"

Dem DSV fehle ein umfassendes Konzept, monierte Lurz: "Die Schwimmer haben bei Olympia einen Riesendruck, weil sie nicht wissen, was die Zukunft bringt. Die Trainer sitzen auf der Tribüne und zittern um ihren Job. Niemand ist beruflich abgesichert."  

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