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Athletics - Olympics: Day 7
Robert Harting flog bei Olympia in der Qualifikation raus © Getty Images

Nach dem Hacker-Angriff auf die WADA veröffentlichen die Fancy Bears neue Namen - unter anderem Robert Harting. Dieser reagiert belustigt und erklärt seine Werte.

Robert Harting blieb cool, Christina Obergföll fand es "ätzend", und die NADA forderte eine Strafverfolgung: Die russischen Hacker von Fancy Bear sorgen weiter für Aufregung und haben erstmals auch deutsche Sportler ins Visier genommen.

Von 25 weiteren Athleten veröffentlichten die Cyber-Piraten in der Nacht zum Donnerstag medizinische Daten, darunter die der beiden Leichtathletik-Stars sowie von drei deutschen Schwimmern. Spektakuläres war wieder nicht dabei, die Daten offenbaren keine illegalen Aktivitäten. Wohl auch deshalb glätteten sich am Donnerstag die Wogen etwas, im Machtkampf zwischen der WADA und Russland deutete sich eine erste Annäherung an.

Auch in Deutschland blieb ein Sturm der Entrüstung aus. "Ich bin ein transparenter Athlet und habe mit diesen Veröffentlichungen keine Probleme", sagte Harting. Der sonst so wortgewaltige Diskuswerfer bestätigte, dass er bei Olympia in Rio mit Entzündungshemmern behandelt worden sei, um seinen Hexenschuss in den Griff zu bekommen. Die Anmeldungen dafür habe er "termingerecht" eingereicht.

Zudem konnte sich Harting eine Spitze bei Twitter nicht verkneifen: "Anti-Doping-Gesetz beschloss, Recht auf Datenschutz bei Sportlern zu enthebeln - jetzt wurde in Canada gehackt." Dazu lachte er Justizminister Heiko Maas aus.

Obergföll: "Ätzend"

Zu Speerwurf-Weltmeisterin Obergföll veröffentlichte Fancy Bear eine Sondergenehmigung für ein Cortison-Präparat, die aus dem Jahr 2008 stammt. Auch die ehemalige Speerwerferin, die nach ihrem achten Platz in Rio ihre Karriere beendet hat, reagierte relativ gelassen. "Natürlich ist das ätzend, von Hackern durchleuchtet zu werden", sagte Obergföll, meinte aber auch: "Es ist aber auch nicht wirklich schlimm, weil ich nichts zu verbergen habe."

Zu den deutschen Athleten gehörten noch die Schwimmer Christian vom Lehn, Franziska Hentke und Christian Reichert, die Asthmamittel genommen haben. Dopingvergehen lagen in keinem Fall vor, da für die aufgeführten verbotenen Substanzen Ausnahmegenehmigungen griffen beziehungsweise kein Dopingtatbestand vorlag. "Aus diesen Daten lassen sich beim besten Willen keine Dopingfälle konstruieren", sagte Doping-Experte Fritz Sörgel.

Fakt ist allerdings, dass die Zahl der Anträge für Ausnahmegenehmigungen (TUEs) enorm angestiegen ist. 2013 sind 636 TUEs bei der Wada registriert worden, 2014 waren es schon 897 und 2015 bereits 1330. "Ich sehe die Ausnahmegenehmigungen kritisch, weil ich sehr wohl davon ausgehe, dass sie den Wettbewerb erheblich beeinflussen und Auswirkungen auf die Chancengleichheit haben können", sagte der Mainzer Doping-Experte Perikles Simon.

Auch Wiggins und Froome betroffen

Zu den weiteren Athleten, deren Daten im Netz stehen, gehören auch die britischen Tour-de-France-Sieger Christopher Froome und Bradley Wiggins. Die Hacker kündigten weitere Enthüllungen an.

WADA-Generaldirektor Oliver Niggli forderte die russische Regierung auf, "alles in ihrer Macht stehende zu tun, die kriminellen Aktivitäten zu stoppen". Der Schweizer erhöhte den Druck auf den Kreml: Fortgesetzte Cyber-Attacken würden den Wiederaufbau eines regelkonformen Anti-Doping-Systems in Russland "ernsthaft untergraben", sagte Niggli.

Die russische Regierung deutete eine Annäherung an und bot Unterstützung an. "Wenn wir um Hilfe gebeten werden, dann ist das keine Frage", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Russland unterstütze den Kampf gegen die Cyber-Kriminalität.

Allerdings blieb fraglich, wie ernst die Unterstützung gemeint ist. Nicht wenige sehen in der Fancy-Bear-Affäre einen Racheakt für die Suspendierung russischer Athleten bei Olympia in Rio als Folge des von der WADA veröffentlichten McLaren-Reports über Staatsdoping in Russland.

Doping-Experte nicht überrascht

Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) forderte von der WADA am Donnerstag "konkrete Handlungsanweisungen zum weiteren Vorgehen im Umgang mit ADAMS durch Athletinnen und Athleten". Deutsche Sportler müssen weiterhin ihre Aufenthalte über das Meldesystem ADAMS angeben, "es herrscht verständlicherweise großes Misstrauen", sagte NADA-Vorstand Lars Mortsiefer.

Die NADA kündigte an, staatliche Ermittlungsstellen einzuschalten. Man habe Ansprechpartner beim Bundeskriminalamt, Zoll sowie bei der Schwerpunktstaatsanwaltschaft. "Der Tatort liegt zwar nicht in Deutschland, doch deutsche Bürger sind betroffen", sagte Mortsiefer.

Doping-Experte Simon zeigte sich nicht überrascht über die Datenlecks bei der WADA, er verglich die Behörde mit einem "kleinen mittelständischen Unternehmen". "Der olympische Sport, der Milliarden umsetzt, muss sich überlegen, was ihm die Sicherheit seiner Athleten wert ist. Im Moment sind es gerade mal ein paar Pfennige", sagte Simon.

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