vergrößernverkleinern
Gymnastics - Artistic - Olympics: Day 1
Fabian Hambüchen gewann in Rio Olympia-Gold am Reck © Getty Images

München - Säbelfechter Max Hartung und Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen sind unzufrieden mit der Förderung von deutschen Sportlern. Nicht-Fußballer würden nicht wertgeschätzt.

Im deutschen Sport rumort es seit langem - deutlicher denn je äußerten sich bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro zahlreiche Vertreter des Spitzensports besorgt über die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Harsche Kritik am Sportfördersystem in Deutschland übte nun zum wiederholten Male Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen im ZDF.

"Es können nicht alle über einen Kamm geschert werden. Jeder hat eine andere Balance", meinte der Wetzlarer Vorzeigeturner im Bezug auf die unterschiedlichen Lebensmodelle der Profisportler mit Studium, Beruf und Sport.

"Nichtfußballer werden nicht geschätzt"

Für seine Goldmedaille hat Hambüchen knapp 2000 Euro vom Turn-Weltverband bekommen, da er aus der Sporthilfe ausgetreten ist. Selbst diese vergleichsweise mickrige Prämie wurde noch gekürzt, da der 28-Jährige am Tag nach seinem Olympiasieg nicht bei einer Gala des Weltverbandes erschien.

Auch von den 20.000 Euro, die von der Sporthilfe für einen Olympiasieg gezahlt werden, könne man nur ein paar Monate überleben, bilanzierte Hambüchen und zog ein ernüchterndes Fazit: "Wir als Nichtfußballer werden nicht geschätzt in der deutschen Gesellschaft."

Hartung fordert mehr Professionalität

Säbelfechter Max Hartung, Mitglied der Athletenkommission des DOSB, stellte klare Forderungen für die Zukunft der deutschen Sportförderung. "Den Athleten muss die Organisation abgenommen werden und es muss eine Absicherung bei Verletzungen und Krankheiten geben." Außerdem müsse mehr Professionalität einkehren. Beispielsweise sollte jeder Athlet ein eigenes Betreuerteam haben, forderte er.

Hartung war bei Olympia im Achtelfinale ausgeschieden. Einst eine sichere Medaillenbank, kehrten die Fechter ohne Edelmetall aus Rio zurück.

Der 26-jährige Hartung sprach über die Probleme in seiner Sportart einerseits und andererseits die Fehler in der deutschen Sportförderung. "Wir verlieren viele Sportler, weil die Bedingungen nicht so gut sind", erläuterte er den Niedergang der einstigen Vorzeigesportart. Vor allem Qualität und Quantität der Trainer habe nachgelassen.

750 Euro zum Überleben

Auch die mangelhafte Sportlerförderung trägt ihren Teil zum Niedergang des Fechtsports in Deutschland bei, wie an Hand von Hartung deutlich wird.

So steht dem Team-Weltmeister von 2015 nach dem Achtelfinal-Aus in Rio nur ein Budget von 750 Euro monatlich zur Verfügung, wovon die deutsche Sporthilfe nur 200 Euro übernimmt. Der Rest kommt von privaten Stipendien und Sponsoren. Vor Rio hatte der Fechter noch 2200 Euro zur Verfügung, wovon die Sporthilfe 1500 Euro zahlte.

"Ich konnte vor Rio etwas sparen und kann zur Not bei meinen Eltern anklopfen", erklärte der 26-Jährige seine Überlebensstrategie.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel