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Markus Rehm gewann bereits in London Gold
Markus Rehm gewann bereits in London Gold © Getty Images

Markus Rehm beweist mit seinem Rekordsprung in Rio, dass sich paralympische Athleten nicht hinter olympischen verstecken müssen". Er mischt schon selbst bei der IAAF mit.

Die Gold-Mission bei den Paralympics war kaum erfüllt, da dachte Markus Rehm schon an sein nächstes großes Ziel. "Vielleicht kann ich ja nächstes Jahr in direkter Konkurrenz starten, dann kann man die Weiten auch richtig vergleichen", sagte der 28-Jährige mit Blick auf die Weltmeisterschaften der Leichtathleten 2017 in London. Wohlgemerkt die WM der Nichtbehinderten.

Mit starken 8,21 m hatte Rehm in Rio gerade seinen Paralympics-Triumph von London 2012 überlegen wiederholt und gezeigt, "dass paralympische Athleten sich hinter olympischen Athleten nicht verstecken müssen. Das ist gelungen, und das ist auch die Message dieser Spiele", sagte der Weitsprung-Weltrekordler von Bayer Leverkusen mit einem Strahlen im Gesicht und der Gold-Medaille um den Hals.

Bei Olympia vor wenigen Wochen wäre der Prothesenspringer mit dieser Weite Fünfter geworden, der Leichtathletik-Weltverband IAAF verweigerte Rehm aber das Startrecht. "Das wäre ein Traum gewesen. Die Weite ist weltklasse, das war das Ziel", sagte Rehm.

"Es hat sich gelohnt"

Er sei "sehr glücklich, es ist Wahnsinn, das sind so viele Emotionen. Es war ein langer Weg. Auf dem Treppchen habe ich an die letzten vier Jahre gedacht und daran, dass sich alles gelohnt hat."

Der unterschenkelamputierte Rehm meinte seinen Kampf um Anerkennung. Und er ist zuversichtlich, dass dieser jahrelange Kampf endlich von Erfolg gekrönt sein könnte. Es gebe bei der IAAF inzwischen "eine Arbeitsgruppe, der bin ich angeschlossen".

Man habe in einem ersten Sondierungsgespräch vor einigen Wochen schon "viele Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt. Wir haben gemerkt, dass unsere Meinungen nicht so weit entfernt sind."

Entscheidung soll 2016 fallen

Bis Ende des Jahres erwartet Rehm eine Entscheidung - und zwar eine positive. Auch der Weltverband habe inzwischen erkannt, "dass da eine Riesenchance dahintersteckt.

Das werden wir schon hinkriegen." Ein mögliches Konzept sehe vor, "dass olympische und parlympische Athleten gemeinsam an den Start gehen können - auch wenn das vielleicht getrennt gewertet wird."

Es gehe ihm nicht darum, so der Star der Paralympics, "Medaillen zu gewinnen, sondern unseren Sport auf eine breitere Plattform zu stellen und einer größeren Menge zu zeigen, zu was wir imstande sind."

Doch erst einmal steht Urlaub an. "Jetzt wird erst einmal durchgeatmet. Ich bin durch und müde", sagte Rehm, froh darüber, "dass alles vorbei ist. Ich war tierisch angespannt, es lag einiges an Druck auf mir."

Drei Sprünge waren Mist

So begann Rehm auch den Wettkampf. "Die ersten drei Sprünge waren Mist", räumte er offen ein. Doch er steigerte sich auf paralympischen Rekord im letzten Versuch.

Zum eigenen Weltredkord, der bei Olympia zu Gold gereicht hätte, fehlten 19 Zentimeter. Doch das war egal.

Rehm blickte stolz auf seine Medaille und "auf ein tolles Jahr zurück. Das war ein langer Kampf. Ich muss etwas runterkommen", sagte er, um aber gleich anzufügen: "Dann werde ich weitermachen und auch sportpolitisch weiterkämpfen." Bis auch diese Mission erfüllt ist.

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