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David "Devilfish" Ulliot starb im Alter von 61 Jahren
David "Devilfish" Ulliot starb im Alter von 61 Jahren © Getty Images

München - David "Devilfish" Ulliott erliegt im Alter von 61 Jahren seinem Krebsleiden. Der englische Exzentriker spielte sich vom Kleinkriminellen hoch zum Weltmeister und Millionär.

Die jungen Profis, die heute die Pokerwelt dominieren, haben ihr Handwerk in Tausenden Übungsstunden vor dem Notebook an Online-Tischen gelernt.

David "Devilfish" Ulliot dagegen hat seinen Siegeszug in verrauchten Kellern und Hinterzimmern begonnen.

Er wurde vom Kleinkriminellen zum Poker-Idol und inspirierte eine ganze Generation, mit dem Spiel zu beginnen.

Am Montag ist der Engländer im Alter von 61 Jahren an den Folgen seiner Darmkrebserkrankung gestorben.

Die Pokerwelt trauert um eine ihrer schillerndsten Persönlichkeiten.

Der Sohn eines Weltkriegs-Veteranen und Truckers wuchs im englischen Hull in einer typischen Arbeitersiedlung auf. In einem Haus so eng, "dass man die Möbel an die Wände malen musste", wie er einmal berichtete.

Mit 15 Jahren brach der junge David die Schule ohne Abschluss ab und nahm einen Job bei einem Trophäenmacher an.

Später sollten Trophäen für ihn angefertigt werden, doch zunächst schlägt er eine kriminelle Laufbahn in der Unterwelt von Hull ein.

Laufbahn als Kleinkrimineller

Ulliott entdeckt seine Leidenschaft für Pferdewetten und wird gefeuert, weil er einen Nachmittag lieber auf der Rennbahn verbringt als in der Arbeit zu erscheinen.

Er wird Mitglied einer Safeknackerbande und landet mehrmals im Gefängnis - unter anderem für einen bewaffneten Raubüberfall und einer Schlägerei vor einem Nachtklub.

Anfang der Neunzigerjahre konzentriert sich Ulliott dann nur noch auf seine Karriere als Spieler.

Bei Pferdewetten ist er so erfolgreich, dass ihn die großen Wettanbieter auf der Insel nicht mehr spielen lassen - also muss ein Freund die Wetten für ihn platzieren.

Schüsse mit der Schrotflinte

Beim Poker läuft es immer besser. Ulliott wird zur lokalen Größe und staubt immer wieder die großen Pötte bei privaten Spielen ab.

Doch Hull ist immer noch ein gefährliches Pflaster. Bei den privaten Runden hat Ulliott immer eine Waffe dabei, um seine Gewinne zu verteidigen. Einmal will ihn eine Gang ausrauben, doch der Devilfish schießt mit seiner Schrotflinte in die Decke und flüchtet.

Seinen Spitznamen verpasst ihm ein Kontrahent am Pokertisch: Der Devilfish - oder japanisch Fugu -  ist ein Fisch, der tödlich sein kann, wenn er nicht richtig zubereitet ist.

Ulliott gefällt der Name, er macht ihn zu seinem Markenzeichen.

Bei seinen späteren Auftritten trägt er zwei vergoldete Schlagringe mit der Aufschrift "Devilfish".

Überhaupt macht ihn sein extravagantes Auftreten mit viel Schmuck und schrillen Outfits zum Star.

TV-Show macht ihn zum Star

Durch die populäre TV-Show Late Night Poker wird der Devilfish auch wegen seines losen Mundwerks den Pokerfans im ganzen Land bekannt und löst den Pokerboom in Europa mit aus.

Bald gilt er als einer der besten Pokerspieler des Kontinents.

Weltweit macht er sich bei der World Series of Poker 1997 einen Namen.

Er reist mit 200.000 Dollar nach Las Vegas und verspielt alles bei Turnieren und Cashgames. Er leiht sich noch einmal 70.000 Dollar und verliert weiter. Seine letzten 2000 Dollar investiert er in ein Pot-Limit-Texas-Hold' Em-Turnier und gewinnt seinen einzigen Weltmeistertitel. In sein goldenes Siegerarmband lässt er sich den Namen "Devilfish" eingravieren.

Dollar-Scheine in Plastiktüten

Aus den 180.000 Dollar Preisgeld hat er am Ende der Reise in Cashgames über 740.000 Dollar gemacht - und trägt das Bargeld stilsicher in Plastiküten vom Duty-Free-Shop durch Las Vegas.

Für seine Fähigkeiten am Tisch wird Ulliott von den Größen des Spiels respektiert. Insgesamt nimmt er über sechs Millionen Dollar bei Live-Turnieren ein.

Als seine Krebsdiagnose im Februar bekannt wird, fordert Altmeister Doyle Brunson die Aufnahme des Engländers in die Hall of Fame und viele Profis stimmen bei Twitter zu.

Doch diese Ehre sollte der Devilfish nicht mehr erleben.

Bis zum Ende ein Kämpfer

In seinem letzten Interview in der Hull Daily Mail gibt er sich zwar noch einmal kämpferisch: "Ich war mein ganzes Leben lang ein positiver Mensch. Ich glaube nicht, dass der Krebs eine Chance gegen mich hat", sagte er.

Doch diesmal ist der Gegner übermächtig. Die Ärzte erklären ihm schon bei der Diagnose, dass es keine Behandlungsmöglichkeit gibt. Kurz danach wird auch seine Leber von einem Tumor befallen.

Im Angesicht des nahenden Todes bleibt Ulliott im Kreis seiner Familie - er hat acht Kinder von drei Frauen.

"Im Leben geht es nur um Familie. Der Rest bedeutet gar nichts", sagte er.

Er sei immer ruhig und sanftmütig geblieben, berichtete seine Tochter Karry. Wie er mit der Krankheit umgegangen sei, habe sie stolzer gemacht als seine Erfolge am Pokertisch.

Seine Tochter Lucy beschrieb ihn so: "Er ist der beste Pokerspieler Europas, aber der beste Vater der Welt."

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