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Dominik Nitsche (l.) gewann Millionen bei der World Series of Poker Europe
Dominik Nitsche (l.) gewann Millionen bei der World Series of Poker Europe © SPORT1-Grafik: Getty Images/iStock/888poker

Rozvadov - Poker-Ass Dominik Nitsche ist seit Sonntag um 3,5 Millionen Euro reicher. Im SPORT1-Interview spricht er über seinen unglaublichen Gewinn und Boris Becker.

Dominik Nitsche ist einer der besten Pokerspieler der Welt. Am vergangenen Sonntag gewann der 27-Jährige aus Minden 3,5 Millionen Euro bei der World Series of Poker Europe im tschechischen Rozvadov. Dazu gab es sein viertes goldenes WSOP-Armband. Insgesamt verdiente Nitsche bereits 9,7 Millionen Euro bei Live-Turnieren.

Das Eintrittsgeld für das Mega-Turnier in Höhe von 111.111 Euro hatte auch Tennis-Legende Boris Becker auf den Tisch gelegt - jedoch ohne Erfolg.

Im SPORT1-Interview spricht Sieger Nitsche über sein Verhältnis zum Geld, Poker als Beruf und Beckers Fähigkeiten am Pokertisch.

SPORT1: Herr Nitsche, Sie haben gerade 3,5 Millionen Euro gewonnen. Was kaufen Sie sich als Erstes von dem Geld?

Dominik Nitsche: Die Frage höre ich jetzt natürlich häufig (lacht). Im Sommer findet in Las Vegas ein Turnier mit einem Eintrittsgeld von einer Million Euro statt. Dafür habe ich gleich mal die Kaution von 50.000 Euro hinterlegt. Ansonsten habe ich keine Pläne für das Geld. Für mich war das ein Turnier wie jedes andere. Ich habe Geld gewonnen, aber werde mir jetzt nichts Bestimmtes davon kaufen. Als professioneller Turnierspieler gewinnt man und verliert man mal. Weil man ein großes Turnier gewonnen hat, darf man nicht komplett durchdrehen und gleich ein teures Auto kaufen. Das wäre nicht professionell. Es ist, wie wenn man zur Arbeit geht und sein Gehalt bekommt. Das verprasst man ja auch nicht am Monatsende.

SPORT1: Pokerspieler haben oft ein derart distanziertes und abgeklärtes Verhältnis zu Geld. Woher kommt das?

Nitsche: Wenn man jede Woche irgendwo auf der Welt ein 100.000-Euro-Turnier spielt, dann steht man langsam über dem Geld. Das Geld sollte einen idealerweise nicht beeinflussen, wenn man spielt. Poker-Entscheidungen sind Poker-Entscheidungen. Ob man da jetzt um 10.000 Euro, 500 Euro oder eine Million Euro spielt, ist im Großen und Ganzen egal. Wenn man Erfolg haben will, muss man das so nüchtern wie möglich betrachten.

SPORT1: War das bei Ihnen auch mal anders? Ihr erstes großes Turnier haben Sie mit 18 gewonnen. Da kann Ihnen Geld doch noch nicht so egal gewesen sein…

Nitsche: Eigentlich schon. Ich habe davor bereits ein bisschen online gespielt. Im Oktober bin ich 18 geworden, ein paar Monate später war das Turnier in Argentinien, bei dem ich rund 380.000 Dollar gewonnen habe. Es ist immer noch das gleiche Spiel. Poker ist Poker. Man bekommt zwei Karten und dann versucht man, das Beste daraus zu machen.

SPORT1: Aber mit 18 macht man sich doch bestimmt Gedanken über die Zukunft, etwa welchen Beruf man mal ausüben möchte.

Nitsche: Naja, das Turnier war in den Osterferien. Da habe ich mir nicht wirklich Gedanken gemacht. Ich war einfach froh, dass ich Ferien hatte (lacht). Ich hatte mich für das Turnier online qualifiziert und mir gedacht: Schauen wir mal, was passiert.

SPORT1: Nach dem 3,5-Millionen-Gewinn sagten Sie, besonders hätte Sie ihre Spielweise gefreut. Haben Sie in letzter Zeit etwas an ihrem Spiel verändert?

Nitsche: Ich ändere jeden Tag etwas an meinem Spiel. Ich arbeite jeden Tag, wenn ich zuhause bin, intensiv an Pokertheorie. Ich habe wahrscheinlich die beste Pokergruppe der Welt um mich herum. Wir werden alle jeden Tag ein Stückchen besser. Es gibt auch neue Software, die einem das Spielen immer besser beibringt. Wir werden verdammt schnell verdammt viel besser.

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SPORT1: In dem Turnier, in dem Sie 3,5 Millionen abräumten, spielte auch Boris Becker mit und zog viel Aufmerksamkeit auf sich. Wie stehen Sie zu den Poker-Ambitionen des Ex-Tennisstars?

Nitsche: Mit Boris Becker zu spielen ist ein bisschen etwas anderes. Er saß jetzt nicht mit mir am Tisch, aber ich habe gehört, dass er eigentlich ganz gut gespielt hat. Ich kenne Boris Becker schon ein bisschen länger. Wir haben vor Jahren schon in Sanremo zusammen gespielt. Ich finde, er ist ein super Typ. Ich finde ein bisschen schade, was in den Medien über ihn geschrieben wird. Wenn man Boris so wie ich inzwischen ein bisschen besser kennt, ist er echt sympathisch. Er steht mit uns in der Pause draußen und raucht, fragt uns nach Händen. Er ist einfach ein netter Mensch. Da muss man nicht draufhauen.

SPORT1: Was halten Sie von Beckers Poker-Fähigkeiten?

Nitsche: Er probiert, gut Poker zu spielen. Das ist alles wunderbar. Ich hoffe, wir sehen ihn weiter. Ich hoffe, er verliert nicht den Spaß an Poker. Denn er scheint wirklich motiviert zu sein. Er spielt auch Cashgames. Ich hörte auch, dass er privat spielt. Nicht nur weil hier jetzt das Fernsehen ist. Er spielt auch privat viel und er steckt da Arbeit rein. Das finde ich super. Ich wünschte, mehr Menschen würden da so rangehen wie Boris. Er sieht Poker als das, was es ist: Ein Geschicklichkeitsspiel, in dem es um Können geht. Der ist nicht zum Zocken hier.

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