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Phil Hellmuth gewann 14 Siegerarmbänder bei der World Series of Poker
Phil Hellmuth gewann 14 Siegerarmbänder bei der World Series of Poker © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/Getty Images

Rozvadov - Phil Hellmuth ist Rekordsieger der World Series of Poker (exklusiv auf SPORT1). Im SPORT1-Interview spricht er über seine WM-Titel und deutsche Top-Profis.

Rekordweltmeister Phil Hellmuth ist eine der schillerndsten Figuren der Poker-Welt. 

Alleine bei Live-Turnieren erspielte der 53 Jahre alte US-Amerikaner in seiner Karriere mehr als 22 Millionen Dollar an Preisgeldern. 

Bei privaten Runden um hohe Beträge zockte er mit steinreichen Geschäftsmännern, Hollywood-Schauspielern wie Ben Affleck, Matt Damon oder Tobey Maguire und Stars aus der NFL und NBA.

Wegen seines riesigen Egos und oft unflätigen Verhaltens am Pokertisch trägt der 2,01 Meter große Hüne den Spitznamen "Poker Brat" ("Poker-Rüpel").

Die World Series of Poker hat Hellmuth geprägt wie kein anderer. Bei der Poker-WM gewann er insgesamt 14 der diamantbesetzten Sieger-Armbänder. Niemand sonst konnte sich so viele der begehrten Bracelets sichern.

SPORT1 zeigt die World Series of Poker 2017 ab Montag exklusiv im TV

Im SPORT1-Interview spricht Hellmuth über den Stellenwert der World Series, seine Projekte abseits des Pokertisches und den Erfolg der deutschen Spieler.

SPORT1: Herr Hellmuth, Sie haben 14 Siegerarmbänder bei der WSOP gewonnen und 22 Millionen Dollar bei Live-Turnieren erspielt. Was ist ihnen wichtiger? Die Bracelets oder das Geld?

Phil Hellmuth: Die Bracelets. Es ging mir immer um die WM-Titel. Menschen werden in ihrem Leben von zwei Dingen angetrieben: Inspiration oder Verzweiflung. Früher habe ich Poker aus Verzweiflung gespielt. Verzweiflung ist eine sehr starke Kraft. Es gab immer diesen Druck, Rechnungen bezahlen zu müssen. Und nebenbei habe ich WM-Titel gesammelt. 

SPORT1: Wann hat sich diese Einstellung geändert?

Hellmuth: Etwa ab 2004 hatte ich viel mehr finanzielle Sicherheit. Dann habe ich begonnen, mehr aus Inspiration zu spielen. Das hat dann ebenfalls gut funktioniert. Ich habe also viele Bracelets aus Verzweiflung und viele aus Inspiration gewonnen. Ich habe 14 gewonnen, die drei zweitplatzierten Spieler haben jeweils nur zehn. 

SPORT1-Reporter Sebastian Mittag (l.) sprach bei der WSOP Europe in Tschechien mit Phil Hellmuth
SPORT1-Reporter Sebastian Mittag (l.) sprach bei der WSOP Europe in Tschechien mit Phil Hellmuth © SPORT1

SPORT1: Sie können aber nicht die ganze Zeit an WM-Titel denken, oder?

Hellmuth: Klar, ich spiele auch viele Cashgames. Da geht es nur um das Geld. Um Bracelets geht es nur zwei Monate im Jahr. Das bedeutet, zehn Monate lang kann ich tun, was ich möchte. 

SPORT1: Was machen Sie, wenn Sie gerade nicht spielen?

Hellmuth: Ich schreibe Bücher. Meine Autobiographie "Poker Brat" kam im vergangenen August heraus. Und ich habe gerade ein anderes Buch fertiggestellt. Es wird "#POSITIVITY" heißen. Ein Kapitel darin ist: Hass verletzt dich. Es geht darum, wie man in drei Schritten seinen Hass bezwingen kann. In einem anderen Kapitel geht es darum, sich die Ziele für das kommende Jahr aufzuschreiben und neben seinen Spiegel im Badezimmer zu hängen. Oder: Schreibe auf, für was du dankbar bist. Alles sehr simpel. 

SPORT1: Was wollen Sie jungen Pokerspielen mitgeben?

Hellmuth: Zum Beispiel meine "Pyramide des Erfolges": Halte dein Geld zusammen, halt dich fern von Drogen, trink nicht zu viel, gib nicht zu viel Geld aus. Ich glaube, ich werde mit diesem Buch Millionen Menschen helfen! Ich denke, nach der Veröffentlichung wird man mich eher als jemanden sehen, der der Welt helfen möchte. Es ist ein tolles Buch. Ziemlich dünn, nur etwa 8000 Wörter. Aber ich werde Millionen Exemplare davon verkaufen!

SPORT1: Was steht denn auf der Liste der Ziele neben Ihrem Badezimmer-Spiegel?

Hellmuth: Gewinne drei WSOP-Bracelets! Das ist jedes Jahr mein Ziel. Das steht ganz oben auf der Liste. Gewinne zudem zwei Turniere auf der World Poker Tour! Ich will außerdem genug Zeit mit meinen Freunden verbringen. Das steht 2017 zum ersten Mal auf der Liste. Und auch mit der Familie. Familie hatte ich schon früher auf der Liste, aber jetzt steht da neuerdings auch Freunde. Außerdem: Schließe ein paar dicke neue Verträge ab! Ich investiere gerade Geld in eine Kopfhörer-Marke. Und in eine App. Ich mache Werbung für eine Telefon-Firma. Ich will auch weiter viel Geld für wohltätige Zwecke sammeln. Ich habe bisher 46 Millionen Dollar gesammelt!

SPORT1: Und wofür sind Sie dankbar?

Hellmuth: Ganz oben auf der Liste steht Gesundheit. Ich bin sehr dankbar, dass ich und meine Familie gesund sind. Das ist das Wichtigste. Und dann kommen schon meine 14 WM-Titel.

SPORT1: Was tun Sie für ihre Gesundheit?

Hellmuth: Ach ja, das steht auch auf meiner Ziele Liste: 10.000 Schritte am Tag Laufen! Zur Zeit bin ich darin aber nicht so gut. Meistens schaffe ich 4000 oder 5000. Ich laufe zum Beispiel, wenn ich telefoniere. Da kommt schon ganz schön was zusammen, das kann ich ihnen sagen! Naja, um ehrlich zu sein hab ich noch ziemlich Nachholbedarf, was meine Gesundheit angeht (lacht). Ganz vergessen: Ich versuche gesund zu essen. Und Schlaf! Schlaf ist für mich das aller Wichtigste. Ich organisiere mein Leben so, dass ich jeden Tag genug schlafen kann.

SPORT1: Wie stellen Sie sicher, dass sie genug Schlaf bekommen?

Hellmuth: Ganz einfach: Keine Termine! Ich gehe einfach so spät ins Bett, wie ich will und stehe dann auf, wann ich Lust habe. Und es funktioniert. Schauen Sie mich an: Ich bin 53, die meisten Leute denken ich bin erst in meinen Vierzigern! Ich weiß, dass ich wirklich sehr jung aussehe. Wie man das schafft? Viel Schlaf. Und tun, was man liebt. Ich glaube, ich führe einfach ein sehr ursprüngliches Leben.

Phil Hellmuth liebt den großen Auftritt: Bei der WSOP 2009 lässt er sich auf einer Sänfte ins Casino tragen
Hellmuth liebt den großen Auftritt: Bei der WSOP 2009 lässt er sich auf einer Sänfte ins Casino tragen © dpa Picture Alliance

SPORT1: In letzter Zeit dominieren die deutschen Spieler die teuren Turniere mit Buy-Ins von 100.000 Dollar bis zu einer Million...

Hellmuth: Was die Deutschen machen, gefällt mir nicht. Sie treten in Turnieren mit nur 20 bis 40 Spielern an. Bei den High-Roller-Turnieren sind die Hälfte der Spieler reiche Geschäftsmänner, die andere Hälfte die immer gleichen zwanzig Poker-Profis. Und jetzt sagen plötzlich alle: "Oh, sie sind die besten Spieler der Welt!" Warum? Weil sie immer gegen sich selbst spielen und ein paar Geschäftsmänner schlagen? Jemand wie ich, musste sein ganzes Geld bei Turnieren mit Buy-Ins von 5000 oder 10.000 Dollar machen und ich habe trotzdem mehr als 20 Millionen Dollar eingespielt!

SPORT1: Gibt es auch deutsche Spieler, die sie schätzen?

Hellmuth: Ich ziehe meinen Hut vor Dominik Nitsche. Feder Holz ist großartig. Rainer Kempe ist auch ein toller Spieler. Aber: Es gibt einen Unterschied zwischen großartig und dem Größten! Sie sind noch jung. Sie müssen erst noch 15 bis 20 Jahre in diesem Spiel gewinnen, bis man sie zu den größten zählen kann.

SPORT1: Wer sind für sie die besten Pokerspieler der Welt?

Hellmuth: Ich, Phil Ivey, Daniel Negreanu und Doyle Brunson sind die besten Allrounder. Die jungen Deutschen spielen ja eh nur No Limit Hold'em.

SPORT1: Viele vermissen bei einigen der heutigen Top-Spieler den Glamour früherer Tage...

Hellmuth: Jetzt spielt eine neue Generation. Ich glaube, viele der Typen sind schlecht für Poker. Sie starren nur ins Leere und sagen nichts. Es gibt aber viele Amateure - und viele davon sind sehr reich - die wollen mit uns Profis am Tisch sitzen. Aber sie haben keine Lust auf jemanden, der bei jeder Entscheidung zwanzig Sekunden ins Nichts starrt. Sie wollen mit jemanden wie mir spielen, der Witze macht und sympathisch ist. Gut, zuletzt habe ich auch mal zwei Minuten am Stück geflucht. Aber das ist ja auch nicht so schlimm, oder?

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