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John Degenkolb fährt seit 2012 für das Team Giant-Shimano

John Degenkolb war vor dem WM-Straßenrennen in Hochform - dann warf ihn eine Infektion aus der Bahn. Trotzdem versucht er alles.

Ponferrada - John Degenkolb weiß, was auf ihn zukommt, doch der deutsche WM-Hoffnungsträger ist ja Schmerzen gewohnt.

"Radsport ist eine riesengroße Quälerei, aber wir sind ein Haufen harter Kerle", sagte der Thüringer im Vorfeld des 254,8 Kilometer Straßenrennens am Sonntag.

Es ist der finale Höhepunkt der Titelkämpfe im spanischen Ponferrada - und der Kapitän des Bundes Deutscher Radfahrer war dafür eigentlich einer der Podiumsanwärter.

Sogar der erste deutsche WM-Titel seit Rudi Altig (1966) nicht ausgeschlossen.

Infektion dämpft die Erwartungen

Eigentlich, denn Degenkolb lag bis zum vergangenen Samstagvormittag noch in einer Klinik in seiner Frankfurter Wahlheimat.

"Vor einer Woche ging es mir ziemlich schlecht, das war ein größerer Tiefschlag", sagte der 25-Jährige.

Eine Infektion in der Leistengegend war ausgebrochen, nachdem sich eine Sturzverletzung an der rechten Hüfte entzündet hatte.

Degenkolb war da gerade voller Selbstvertrauen gewesen, hatte vier Etappen bei der Vuelta gewonnen und dazu das grüne Punktetrikot.

Doch sein enormer Wille ließ ihn nicht verzagen.

Die Spritzigkeit fehlt noch

Am Dienstag reiste der bergfeste Sprinter und Klassikerspezialist in die Provinz Leon, und die Leistungstests im Training überstand er ebenso schadlos.

Seinem Start steht nun nichts mehr im Wege, hinter der Form allerdings ein dickes Fragezeichen.

"Ich bin super motiviert, aber sobald ich sehe, es macht keinen Sinn, ich komme nicht ins Finale, werde ich ein Signal geben", sagte er.

Seine Entzündungswerte im Blut haben sich stabilisiert, doch gut fünf Tage im Krankenbett natürlich auch Spuren hinterlassen.

"Ich fühle mich noch etwas träge, mir fehlt die Spritzigkeit", gestand der Star des künftigen Giant-Alpecin-Teams, "aber ich bin froh, dass so viel Vertrauen in mich gesetzt wird."

Kittel glaubt an den Kollegen

Die Aussichten jedoch haben sich "jetzt geändert. Ich kann es ganz schwer einschätzen", sagte der gebürtige Geraer.

Sein Teamkollege Marcel Kittel, der auf dem 18,2 km langen recht bergigen Rundkurs nicht dabei ist, traut Degenkolb noch immer etwas zu.

"Ich bin der Überzeugung, wäre er nicht hundertprozentig fit, wäre er nicht nach Spanien geflogen. Ich möchte ihm nicht zu viel Druck machen, aber ich bin ganz sicher, wenn er einen guten Tag erwischt, ist alles möglich", sagte der achtmalige Tour-Etappensieger.

BDR geht geringes Risiko ein

Ein übermäßiges Risiko birgt Degenkolbs Start nicht.

"Wir haben die Blutwerte hier noch einmal überprüft. Ich setze meine Gesundheit nicht aufs Spiel, aber ich werde auf die Zähne beißen müssen", sagte er.

Sollte seine Tagesform keine Top-Platzierung zulassen, hat das BDR-Team einige mögliche Joker.

In erster Linie könnten der entthronte Weltmeister Tony Martin, Dominik Nerz oder Paul Martens diese Rolle übernehmen.

"Mit einem idealen Szenario können wir etwas Großes erreichen", sagte Martens.

Favoritenrolle sind die Deutschen los

Die Favoritenbürde tragen nun aber andere. Die Spanier haben bei ihrer Heim-WM in Alejandro Valverde und Joaquim Rodriguez zwei heiße Kandidaten.

Australien fährt für Simon Gerrans, die Italiener für Tour-de-France-Gewinner Vincenzo Nibali.

Der größte Goldaspirant ist aber der Schweizer Fabian Cancellara, der extra das Zeitfahren ausgelassen hatte, um erstmals das Regenbogentrikot im Straßenrennen zu holen.

"Der letzte Berg", sagte Degenkolb, "ist eine Steilvorlage für Cancellara."

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