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Youngster Emanuel Buchmann fährt bei der Tour ins Rampenlicht und sorgt für Begeisterung bei seinen Kollegen. Er selbst ist ein Spätzünder, hat aber sehr große Ziele.

Nach seinem großen Tour-de-France-Tag ließ sich die neue deutsche Kletterhoffnung Emanuel Buchmann erst einmal im gläsernen Kochstudio seines Bora-Teams verwöhnen.

Von Köchin Claudia gab es für den Youngster einige Leckereien, auf das obligatorische Glas Sekt verzichtete der 22-Jährige jedoch - zu sehr steckten die Strapazen des Überraschungscoup über den Tourmalet noch in seinen Beinen.

Zeit um diese hochzulegen blieb ihm allerdings keine. Schon am Donerstag steht die zwölfte und nächste schwere Etappe auf dem Programm (JETZT im LIVETICKER).

Dafür aber prophezeite ihm sein Kapitän und Zimmerkollege Dominik Nerz eine goldene Zukunft. "Das war ein richtiger Husarenritt von ihm - Chapeau!", sagte Nerz dem ZDF, nachdem er selbst geplagt von Magenproblemen die Tour verlassen hatte, "aber er kann noch so viel mehr. Wenn man ihm Zeit gibt, wird er ein ganz Großer."

Buchmann mit großen Zielen

Während Nerz mit etwas Wehmut den Heimweg antrat, war Buchmann mit Rang drei auf dem Weg nach Cauterets ins Rampenlicht gefahren und erhielt von vielen Kollegen Lob. "Ich glaube, wir haben unser neues deutsches Klettertalent, auf das wir so lange gewartet haben", schrieb etwa der Rostocker Paul Voss bei Twitter.

Sein Fernziel hat Buchmann nach seinem "bisher größten Erlebnis" fest im Blick: "Ich will mich zum Klassementfahrer entwickeln."

"Wahnsinn, was hier los ist"

Buchmanns rasante Entwicklung kommt dem deutschen Radsport wie gerufen, aber erstaunt auch, gerade weil sich der introvertierte Youngster noch unsicher durch den Tour-Trubel bewegt.

Aber wer will ihm das verdenken: Der junge deutsche Überraschungsmeister ist seit gut zwei Wochen mitten in einer Welt, die er bisher nur vom Fernsehen kannte. "Es ist schon Wahnsinn, was hier immer los ist", sagte er beeindruckt.

Die Frankreich-Rundfahrt ist für Buchmann so etwas wie eine Reifeprüfung im Crashkurs-Verfahren, und auf dem Rad hat Buchmann seine Zurückhaltung längst abgelegt. Die Zuschauermassen am Tourmalet beispielweise hätten ihn regelrecht beflügelt, wie er berichtete. "Er ist ein smarter Junge. Er hat wirklich ein großes Talent für Rundfahrten, wir vertrauen ihm", sagte Teammanager Ralph Denk dem SID.

Nominierung gerechtfertigt

Die Nominierung des Neo-Profis war ja eine beachtenswerte Überraschung, er wurde unter anderem dem arrivierten Björn Thurau vorgezogen. Aber besonders beim wichtigen Härtetest Criterium du Dauphine fuhr er couragiert und verdiente sich das Ticket.

"Wir haben es ganz entspannt angehen lassen", sagte Denk über die vergangenen Monate, "aber man hat einen stetigen Aufwärtstrend erkannt."

Buchmann ein Spätzünder

Buchmann begann erst mit 19 Jahren "richtig zu trainieren. Es war eigentlich alles Eigeninitiative", sagte er. Bis dahin gehörte er zu denjenigen Talenten, die noch im letzten Sog der Jan-Ullrich-Ära zum Radsport fanden.

Die Tour 2003 ist eine der ersten Erinnerungen Buchmanns, der zunächst auch Handball und Fußball spielte.

An seiner Wahl gibt es inzwischen keine Zweifel mehr - und in der neuen, manchmal noch zu großen Welt hat er bereits eindrucksvolle Spuren hinterlassen - egal wie es am Ende ausgehen wird.

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