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Jan Ullrich
Jan Ullrich droht nach seinem Autounfall unter Alkoholeinfluss eine Gefängnisstrafe © Getty Images

Weinfelden - Das Gericht lehnt Ullrichs Deal für eine Bewährungsstrafe ab und rollt den Fall seines Autounfalls unter Alkoholeinfluss neu auf. Neue Details bringen Ullrich in Bedrängnis.

Der tiefe Fall des ehemaligen Radstars Jan Ullrich könnte nun sogar im Gefängnis enden.

Der ehemalige Tour-de-France-Sieger (41) muss für seine Crash-Fahrt unter Alkoholeinfluss in der Schweiz mehr denn je eine Haftstrafe ohne Bewährung fürchten.

Das Bezirksgericht in Weinfelden ordnete am Dienstag überraschend an, Ullrichs Fall noch einmal aufzurollen.

Der 41-Jährige soll neben Alkohol auch Valium im Blut gehabt haben und laut Gutachten noch schneller gefahren sein als ursprünglich angenommen.

Deal für Bewährungsstrafe abgelehnt

An einen Deal zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung über eine 18-monatige Haftstrafe, die für vier Jahre auf Bewährung ausgesetzt werden sollte, sowie eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Schweizer Franken (ca. 9700 Euro) hielt sich das Gericht nicht.

Die vorgelegte Anklageschrift wurde nicht genehmigt und zur Überprüfung an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen.

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Jan Ullrich muss nach seinem geplatzten Deal mit der Staatsanwaltschaft eine Gefängnisstrafe fürchten © Getty Images

Ein Gutachten zog zudem die Aussagen Ullrichs zum Unfallhergang in Zweifel, so dass diese im Nachhinein als Schutzbehauptung gewertet werden könnten. Wann es zu einer weiteren Verhandlung und zur Urteilsfindung kommt, blieb zunächst unklar.

Ullrich "enttäuscht"

Ullrich, der sich zuvor vor Gericht reumütig gegeben hatte, reagierte auf den überraschenden Verlauf das Sitzungstages mit Unverständnis: "Ich bin enttäuscht."

Auch Beobachter zeigten sich von der Wende im Fall überrascht, hatte doch wegen des Abkommens zwischen beiden Parteien alles nach einem kurzen Prozess ausgesehen.

Nun ist selbst fraglich, ob das Schuldeingeständnis und die Reue Ullrichs noch strafmildernd wirken werden.

"Ich bereue meinen schweren Fehler zutiefst und schäme mich", hatte Ullrich gesagt: "Das war dumm, dämlich, ich habe nicht nachgedacht."

Schwerer Unfall mit 1,8 Promille

Ullrich hatte am 19. Mai 2014 mit 1,8 Promille im Blut mit stark überhöhter Geschwindigkeit einen schweren Autounfall verursacht.

Zwei Personen wurden bei dem Crash in Mattwil im Schweizer Kanton Thurgau verletzt und mussten ins Krankenhaus gebracht werden, Ullrich selbst blieb unversehrt.

Der Sachschaden der drei demolierten Autos belief sich auf etwa 68.000 Euro.

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Jan Ullrich fuhr bei seinem Unfall wohl sogar 142 km/h © Getty Images

Ullrich fuhr wohl 142 km/h

Ursprünglich war angenommen worden, Ullrich habe den Unfall mit 139 km/h verursacht. Ein neues Gutachten geht nun von 142 km/h aus - drei Kilometer, die Ullrich teuer zu stehen kommen könnten.

Ab 140 km/h würde seine Fahrt nach Schweizer Recht unter den Tatbestand der Raserei fallen, die mit Unfallfolge eine Mindeststrafe von einem Jahr nach sich zieht.

Er habe sich "nichts dabei gedacht", als er sich alkoholisiert ans Steuer gesetzt habe, sagte Ullrich vor dem Gericht in Weinfelden, wo er mit einem Porsche Panamera vorgefahren worden war. Ullrich besitzt seit dem Unfall keinen Führerschein mehr.

Gerammter Citroen überschlägt sich

Er habe an dem fraglichen Tag Besuch von Freunden aus München gehabt, die als Geschenk "ein paar Kisten Weißwein" mitgebracht hätten. Er habe "sich hinreißen" lassen und getrunken.

Ein Termin, an den ihn sein Handy erinnerte, nahm Ullrich dann trotz seines Zustandes wahr. "Gedankenlos" sei er mit dem Auto losgefahren.

Auf der Rückfahrt prallte Ullrich nach einem Bremsmanöver mit seinem Audi noch mit etwa 100/km auf einen Citroen.

Dieser wurde von der Straße katapultiert und überschlug sich auf einer angrenzenden Wiese. Danach kollidierte Ullrich noch mit einem entgegenkommenden Alfa Romeo.

Ullrich war wegen eines Verkehrsdeliktes aus dem Jahr 2007 (überhöhte Geschwindigkeit) vorbestraft. Seine Fahrt unter Alkoholeinfluss nach einem Disko-Besuch in Freiburg aus dem Jahr 2002 berücksichtigte das Gericht nicht mehr. 

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