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Tony Martin gewinnt die Tour du Poitou Charentes
Tony Martin verpasste das Gelbe Trikot erneut nur knapp © Getty Images

München - Während ein Spanier jubelt, läuft es für Martin erneut ganz bitter. Er verpasst den Sprung ins Gelbe Trikot nur haarscharf. Ein schwerer Sturz überschattet die Etappe.

Erst stand die Tour still, dann zerplatzte Tony Martins Traum in Gelb erneut um eine lächerliche Winzigkeit.

Nach einem brutalen Massensturz bei hoher Geschwindigkeit schien der deutsche Radprofi auf der dritten Etappe der 102. Frankreich-Rundfahrt der Nutznießer. An der Mauer von Huy fehlte Martin im Ziel aber eine läppische Sekunde zum "Maillot jaune", nachdem er schon an den Vortagen zwei Chancen auf das Gelbe Trikot um Haaresbreite verpasst hatte.

Martin "kann nur darüber lachen"

Überschattet wurde die sportliche Tragik um Martin auf den 159,5 km in Belgien zwischen Antwerpen und Huy jedoch von einem üblen Zwischenfall, von dem unter anderem Martins Konkurrenten Tom Dumoulin (Niederlande) aus dem deutschen Team Giant-Alpecin sowie der Schweizer Fabian Cancellara, der Träger des Gelben Trikot nach zwei Etappen, betroffen waren. Dumoulin musste sogar aufgeben, Cancellara fiel zurück.

Den Sieg an der legendären Ankunft des Klassikers Fleche Wallonne holte sich der Spanier Joaquim Rodriguez (Katjuscha) vor dem Briten Christopher Froome (Sky). Froome eroberte durch eine Zeitgutschrift das Führungstrikot. "Ich kann nur noch darüber lachen", sagte Martin ironisch, der mit 40 Sekunden Rückstand auf den Tour-Sieger von 2013 das Ziel erreichte: "Heute hatte ich es in der Hand, aber ich hatte echt schlechte Beine. Morgen klappt es dann", ergänzte er in der ARD dennoch kämpferisch.

Beim Schlagabtausch der Favoriten an der bis zu 19 Prozent steilen Rampe in Wallonien kassierten Alberto Contador (Spanien/Tinkoff-Saxo), Titelverteidiger Vincenzo Nibali (Italien/Astana) und der Kolumbianer Nairo Quintana (Movistar) eine Punktniederlage.

Massensturz unterbricht Rennen

Martin bemühte sich umsonst, aber war aufgrund der Umstände nicht so traurig wie am Vortag. "Es wäre aufgrund der Stürze auch nicht die ganz große Ehre gewesen, Gelb zu bekommen. Ich kann das diesmal besser verkraften, das ist kein Tiefschlag", sagte er.

Nach dem Zwischenfall steckte der Schreck allen Fahrern ein Weile in den Gliedern. Nach einem zunächst normalen Rennverlauf kam das Unglück rund 60 km vor dem Ziel wie aus dem Nichts. Auf einer abschüssigen Geraden touchierte der Franzose William Bonnet aus der FDJ-Equipe das Rad eines Kollegen und löste eine fatale Kettenreaktion aus. "Ich habe es nur krachen hören, ich hatte richtig Glück", sagte Martin.

Der Tour-Veranstalter ASO unterbrach daraufhin aus Sicherheitgründen das Rennen. Die Aktion wurde unterschiedlich aufgenommen. Sportdirektor Jens Zemke aus dem südafrikanischen Team MTN-Qhubeka unterstützte den zehnminütigen Zwischenstopp. "Das war ein Riesen-Massensturz mit cirka 50 Fahrern. Ich habe vollstes Verständnis für die Entscheidung, sonst wäre noch mehr Panik ausgebrochen", sagte Zemke in der ARD.

Degenkolb Mitfavorit am Dienstag

Andre Greipel erlebte nach dem Etappensieg vom Sonntag einen weiteren erfolgreichen Abschnitt. Der Rostocker baute mit dem Gewinn des Zwischensprints seine Führung in der Wertung um das Grüne Trikot aus.  

Für Cancellara dagegen war der 29. Tour-Tag seiner Laufbahn in Gelb bei seiner letzten Großen Schleife ein Malheur. "Noch ist es nicht offiziell, aber ja: das ist meine letzte Tour", hatte Cancellara er vor dem Etappenstart gesagt und noch keine Ahnung, was ihm widerfahren würde.

Es bleibt auch am Dienstag herausfordernd für die Klassementfahrer, wenn nach dem Grenzübertritt von Belgien nach Frankreich zwischen Seraing und Cambrai auf 223,5 km das Kopfsteinpflaster des Klassikers Paris-Roubaix bevorsteht. John Degenkolb freute sich bereits darauf. "Ich habe sicher nicht nur Nachteile, weil ich Roubaix-Sieger bin", sagte der deutsche Hoffnungsträger.

Martin hält den Thüringer für den "Top-Favoriten", will sich aber auch selbst wieder in Szene setzen.

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