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Chris Froome (r.) wehrte auf der 12. Etappe alle Angriffe ab
Chris Froome (r.) wehrte auf der 12. Etappe alle Angriffe ab © Getty Images

Den Tour-Dominator lassen Angriffe der Konkurrenz und Nebengeräusche kalt. Ein Spanier gewinnt bei strömendem Regen, Andre Greipel verpasst Grün knapp.

Strömender Regen, angrifflustige Konkurrenten und vorwurfsvolle Ex-Betrüger - die Herausforderungen für Christopher Fromme waren auf der stürmischen zwölften Etappe der 102. Tour de France (täglich im LIVETICKER) groß.

Doch der Sky-Kapitän blieb ganz cool und unterstrich auf dem Plateau de Beille seine Vormachtstellung.

Froome bremst Euphorie

Froome erstickte auf der letzten und schwierigsten Pyrenäen-Etappe über 195 km mit Hilfe seines ganz starken britischen Teamkollegen Geraint Thomas alle Angriffsversuche seiner Kontrahenten im Keim und erreichte das Ziel 6:46 Minuten hinter Tagessieger Joaquim Rodriguez (Spanien/Katjuscha) auf Platz zehn.

Froome fuhr anscheinend mühelos jede Lücke zu, verzichtete bei Hundewetter aber weitgehend auf eigene Attacken. (Das Gesamtklassement der Tour de France). "Ich hatte heute ein starkes Team, besonders Geraint war unglaublich", sagte Froome.

In der Gesamtwertung führt Froome weiter mit 2:52 Minuten vor dem Amerikaner Tejay van Garderen (BMC), der Kolumbianer Nairo Quintana (Movistar) ist Dritter (3:09). Von einer Vorentscheidung wollte der Brite aber nichts wissen. "Die große Schlacht kommt in den Alpen, die Angriffe werden weitergehen. Diese Tour ist noch nicht vorbei", sagte der 30-Jährige.

Lebenszeichen von Nibali

Alberto Contador (Spanien/Tinkoff-Saxo) belegt den sechsten Platz (+4:04). Titelverteidiger Vincenzo Nibali (Italien/Astana), der im Gegensatz zu den letzten Tagen keinen weiteren Rückstand kassierte sondern selbst attackierte, rückte mit 7:47 Minuten Rückstand auf Platz neun vor.

Der Mann in Gelb reagierte derweil auf Fragen nach Lance Armstrong, der ihm am Mittwoch indirekt Doping unterstellt hatte, nur knapp: "Das sehe ich nicht als Rückkehr zur Tour für ihn. Er fährt nicht mit uns, daher ist es für mich nicht relevant", sagte Froome in Richtung des gefallenen Radstars.

Dieser hielt rund 100 km entfernt unter riesigem Medieninteresse Hof. Armstrong, bei der Tour an sich Persona non grata, radelte für den guten Zweck die Strecke der am Freitag anstehenden 13. Etappe - und stahl den aktiven Profis damit ein Stück weit die Show.

Armstrong sorgt für Unruhe

Ausgerechnet Armstrong: Der Texaner hatte 2002 und 2004 in seiner berühmt-berüchtigten Art auf dem Plateau de Beille gewonnen, die Siege aber wie auch seine sieben Tour-Triumphe wegen seiner unvergleichlichen Doping-Historie verloren. Nun nutzte der 43-Jährige seine Rückkehr nach Frankreich ("Schön, wieder hier zu sein!"), um vage Verdächtigungen gegen Froome und sein Team in den Raum zu stellen.

"Natürlich sind Froome/Porte/Sky sehr stark. Zu stark, um sauber zu sein? Fragt mich nicht", hatte Armstrong getwittert, nur um sofort hinterherzuschieben, er habe weder die Ahnung noch die Glaubwürdigkeit, um dies zu beurteilen. Dennoch: Das Thema ist in der Welt.

Am Donnerstag hatte sich bereits früh auf dem Weg zur ersten Bergwertung auf dem Col de Portet-d'Aspet, wo 1995 der Italiener Fabio Casartelli tödlich verunglückt war, eine 22-köpfige Spitzengruppe mit starken Bergfahrern abgesetzt. Lotto-Soudal-Profi Marcel Sieberg (Castrop-Rauxel) kämpfte dahinter vergeblich als Solist um den Anschluss und fiel letztlich wieder ins Peloton zurück.

Greipel verkürzt Rückstand

Erfreulich aus deutscher Sicht: Andre Greipel (Lotto-Soudal) gewann nach 20 km den Zwischensprint und verkürzte damit im Kampf um das Grüne Trikot den Rückstand auf Peter Sagan (Slowakei/Tinkoff-Saxo) auf zwei Punkte.

Der polnische Weltmeister Michal Kwiatkowski (Etixx-Quick Step) fuhr als Solist in den Anstieg zum Plateau de Beille und eröffnete damit die Regenschlacht. Bergspezialist Rodriguez zog aber vorbei und fuhr einsam dem Sieg entgegen - der Tour-Dritte von 2013 lag im Ziel 1:12 Minuten vor dem Dänen Jakob Fuglsang (Astana).

Dahinter versuchte erst Contador, Froome abzuhängen, scheiterte dabei aber ebenso wie der gegenüber den vergangenen Tagen verbesserte Nibali und Quintana. Angst um Gelb musste der Patron nie haben.

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