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Böhm Meinung Tour de France Simon Geschke
SPORT1-Redakteur Eric Böhm über die Tour de France und die Rolle der Deutschen um Etappensieger Simon Geschke (r.) © Getty Images/SPORT1

München - Nach Jahren im Dopingsumpf ist dank einer neuen Generation Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Vor allem die deutschen Fahrer überzeugen, doch es bleibt noch viel Arbeit.

Spannende Etappen, begeisterte Massen am Straßenrand und einige Heldengeschichten: Die 102. Tour de France hat den Radsport größtenteils von seiner besseren Seite präsentiert.

Nach Jahren im Dopingsumpf ist dank einer neuen Fahrergeneration wieder langsam Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Die Maßnahmen von Tour-Direktor Christian Prudhomme greifen.

In diesem Jahr war vor allem die erste Woche mit Klassiker-Einschlag und einigen giftigen Schlusspassagen sehr viel abwechslungsreicher und interessanter als in früheren Jahren.

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Die Fans der Tour de France beim Anstieg nach Alpe d'Huez © Getty Images

Der Verzicht auf ein langes Einzelzeitfahren eröffnete Kletterspezialisten wie Nairo Quintana neue Möglichkeiten - entsprechend spannend blieb es bis zum letzten Höhepunkt - dem immer wieder beeindruckenden Anstieg nach Alpe d'Huez.

Auch deshalb ist die Tour nicht zuletzt im wichtigen Radsport-Markt Deutschland auf dem eindeutigen Weg nach oben. Was vor allem am sportlichen Erfolg liegt.

Seit 2011 gab es 24 deutsche Etappensiege beim wichtigsten Rennen der Welt - keine Nation hat in diesem Zeitraum mehr aufzubieten. Auch ohne Marcel Kittel gelangen in diesem Jahr sechs Erfolge.

Neben den Routiniers Andre Greipel und Tony Martin ragte besonders der Alpen-Coup des eigentlichen Wasserträgers Simon Geschke heraus. (Das Gesamtklassement der Tour de France)

Auch die guten Platzierungen von Klassikerspezialist John Degenkolb sowie Platz drei des jungen deutschen Meisters Emanuel Buchmann auf der Etappe hinauf nach Cauterets untermauern die deutsche Renaissance.

Mindestens ebenso wichtig, ist aber, dass sich diese Fahrergeneration in Sachen Doping klar positioniert hat und so für mehr Glaubwürdigkeit steht. Auch deshalb entschieden sich die öffentlich-rechtlichen Sender nach drei Jahren wieder zur Live-Übertragung.

Dass seit den Tagen von Jan Ullrich oder Andreas Klöden ein Klassementfahrer fehlt, muss im Moment kein Nachteil sein. Schließlich umwehen die Topfahrer immer wieder Doping-Verdächtigungen, allen voran den ebenso souveränen wie unbeliebten Sieger Chris Froome.

Dass sich aber ausgerechnet überführte Doper wie Laurent Jalabert und Lance Armstrong zu Wort melden und die Sauberkeit des nun zweimaligen Toursiegers Froome anzweifeln, ist einerseits skurril.

Andererseits schadet es der Neuausrichtung des Radsports eben erheblich, dass langjährige führende Mitglieder des schmutzigen Systems wie Alexander Winokurow oder Patrick Lefevere als Sportdirektoren großer Teams weiter viel Einfluss genießen.

Die Tour und der Weltverband UCI haben trotz aller positiven Entwicklungen noch viel Arbeit vor sich. Denn besonders die Überbleibsel der dunklen Zeit torpedieren das neue Image. 

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