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Das Etappenprofil der 10. Etappe der Tour de France
Auf der 10. Etappe der Tour de France geht es in die Pyrenäen © A.S.O.

Tarbes - Auf der 10. Etappe der Tour de France wird es ernst. Das Feld erreicht die Pyrenäen. Leader Chris Froome erwartet Attacken. Der harte Schlussanstieg ist dafür prädestiniert.

Christopher Froome gab am Ruhetag das Bild eines Souveräns ab. Regelrecht tiefenentspannt stellte sich der britische Profi einer Heerschar an Journalisten am Teamhotel, posierte mit Zeitung und einer Flasche Wein.

Der Träger des Gelben Trikots der 102. Tour de France (täglich im LIVETICKER) genoss sichtlich seine Pole Position vor den ersten großen Bergen. "Meine Konkurrenten sind gezwungen zu attackieren", sagte Froome - er dagegen muss nur das Hinterrad halten.  

Der Tour-Sieger von 2013 ist auf dem bestem Weg zum zweiten Titel, seine Ausgangsposition ideal, die Unterstützung im Team Sky bislang wunschgemäß. Auf dem 167 Kilometer langen Teilstück der 10. Etappe von Tarbes nach La Pierre-Saint-Martin wird es aber auch für Froome in den Pyrenäen erstmals richtig ernst.

Nach drei kleineren Bergen hat es der Schlussanstieg zum Col de Soudet auf über 1500 Meter in sich: 15,3 km bei durchschnittlich 7,4 Prozent. Topfavorit ist nach den Eindrücken der ersten Woche aber in jedem Fall Froome.

Die Tour erreicht die Pyrenäen

Der Brite stach vor allem Vorjahressieger Vincenzo Nibali bisher aus, überstand alle heiklen Situationen schadlos - und nicht nur er selbst, auch die Helfer bei Sky sind denen Nibalis bei Astana überlegen. (Das Gesamtklassement der Tour de France)

Der "Hai von Messina" mühte sich bisher nach Kräften, spannte sich am Sonntag immer wieder vor seine Kollegen - doch auch im Teamzeitfahren musste Nibali erkennen, dass eine Wiederholung seines Vorjahressieges im Augenblick außer Reichweite ist

Ab Dienstag lastet jedenfalls der mit Abstand größte Druck auf Nibali, der schon 2:22 Minuten auf Froome verloren hat. Im knüppelharten Schlussanstieg muss der Italiener zumindest Wirkung erzielen bei seinen Konkurrenten, die von seiner Schwäche überrascht sind.

"Ich dachte, er würde Zeit gutmachen in dieser ersten Tour-Phase", sagte beispielsweise Froome.

Quintana wittert seine Chance

Andererseits aber hielt sich beispielsweise Nairo Quintana wackerer als von vielen erwartet. Der kolumbianische Bergfloh kämpfte sich tapfer durch den Nordseewind und über das Kopfsteinpflaster, sein Rückstand (+1:59) ist im Rahmen, und auch das Teamzeitfahren mit Movistar unterstrich den Eindruck.

Nicht umsonst huschte mehrfach ein Lächeln über das manchmal so ausdruckslose Gesicht des Andenkletterers. "Froome ist der Stärkste im Moment", sagte Quintana, "aber wir wollen Stück für Stück aufholen."

Giro-Sieger Alberto Contador wirkt dagegen nicht übermäßig optimistisch. Der 32-Jährige liegt zwar in Schlagdistanz (+1:03), aber die kräftezehrende Italien-Rundfahrt hat vor allem in Sachen Frische Spuren hinterlassen. Derzeit spricht wenig für die erfolgreiche Umsetzung seines Double-Plans. "Konstanz ist gefragt, und das kann mir zugutekommen", sagte der Spanier.

Van Garderen in Schlagdistanz

Eher schickt sich da schon ein Amerikaner an, Froome enorm zu bedrängen und aus dem Vierkampf um den Gesamterfolg einen Fünfkampf zu machen. Tejay van Garderen, einst bei HTC-Highroad Teamkollege von Tony Martin, präsentiert sich unerhört konstant und wachsam.

Sein BMC-Racing-Team funktioniert zudem so geschmeidig wie ein Uhrwerk. Der 26-Jährige liegt gerade mal zwölf Sekunden hinter dem Maillot jaune. "Das verleiht mir eine Menge Moral für die Berge", sagte van Garderen: "Alles funktioniert bisher."

Tarbes ist ein häufiger Standort der Tour de France, bereits zum 13. Mal macht die Große Schleife in der 48.000-Einwohner-Stadt Halt. La Pierre-Saint-Martin ist dagegen erstmals Etappenort der Tour de France.

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