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La Pierre-Saint-Michel - Christopher Froome zerlegt die Konkurrenz auf der ersten Pyrenäen-Etappe und fliegt zum Sieg. Andre Greipel ist wieder in grün. Contador und Nibali verlieren viel Zeit..

Beim großen Favoritensterben in den Pyrenäen hat Chris Froome für eine Vorentscheidung im Kampf um den Sieg bei der 102. Tour de France (täglich im LIVETICKER) gesorgt.

Während der Brite die erste Bergankunft in der Manier eines großen Champions gewann, brachen Titelverteidiger Vincenzo Nibali (Italien) und auch Giro-Sieger Alberto Contador (Spanien) komplett ein.

"Ich fühle mich wie auf Wolke sieben, mit so einem Sieg habe ich nicht gerechnet", sagte Froome. Teamkollege Geraint Thomas war nicht überrascht: "Ich habe schon gesehen, dass Froomi heute das Feld zerlegen kann. Da habe ich ihm gesagt, dann mach's auch!."

Am französischen Nationalfeiertag gab es derweil für einen deutschen Profi Grund zur Freude: Sprintstar Andre Greipel (Lotto-Soudal) wurde nach 124 km beim Zwischensprint in
Trois-Villes Dritter und holte sich mit 225 Punkten das Grüne Trikot vom Slowaken Peter Sagan (Tinkoff-Saxo/222) zurück.

Demonstration von Froome

Froome lag bei seinem insgesamt fünften Tour-Etappensieg im Ziel auf 1610 m Höhe in La Pierre-Saint Michel 59 Sekunden vor seinem Teamkollegen Richie Porte (Australien).

Der gebürtige Kenianer, dem in dieser Form der zweite Tour-Triumph nach 2013 nicht zu nehmen ist, führt in der Gesamtwertung 2:52 Minuten vor dem Amerikaner Tejay van Garderen (BMC). 

Der kolumbianische Bergfloh Nairo Quintana, der als einziger der Favoriten nicht völlig abgehängt wurde, und das Ziel als Dritter mit 1:04 Minuten Rückstand auf Froome erreichte, ist mit 3:09 Minuten im Gesamtklassement hinter Froome wohl der letzte verbliebene Kontrahent.  (Das Gesamtklassement der Tour de France)

Ein Waterloo erlebte Nibali, der schon auf den ersten Metern des Schlussanstiegs am Ende seiner Kräfte war. Mit 4:25 Minuten Rückstand auf Froome erreichte der Astana-Star das Ziel, hat im Gesamtklassement bereits fast sieben Minuten verloren. "Er ist eben keine Maschine", sagte Teamchef Alexander Winokurow.

Französische Hoffnungen enttäuschen

Auch Tinkoff-Kapitän Contador kann sich den zweiten Rundfahrt-Sieg binnen zwei Monaten abschminken: 2:51 Minuten kassierte Contador am Dienstag, 4:04 Minuten sind es in der Gesamtwertung.

Auch die beiden französischen Topfahrer Jean-Christophe Peraud (AG2R) und Thibaut Pinot (FDJ), im Vorjahr Zweiter und Dritter des Gesamtklassements, mussten früh am Schlussanstieg abreißen lassen, auch für sie ist damit eine Spitzenplatzierung außer Reichweite.

Beste Deutsche waren am Dienstag die Bora-Profis Emanuel Buchmann und Dominik Nerz auf den Plätzen 36 und 37 mit rund sechseinhalb Minuten Rückstand. Greipel genoss derweil den Moment in Grün - ob er das Jersey gegen den bergfesten Sagan bis nach Paris verteidigen kann, ist eher fraglich. "Ich werde auf jeden Fall jeden Tag darum kämpfen", sagte der 32-Jährige.

Die rund 145 km lange Anfahrt zum hatte der Franzose Pierrick Fedrigo (Europcar) und der Belgier Kenneth Van Bilsen (Cofidis) frühzeitig zur Flucht genutzt, waren aber bereits am Fuße des Schlussanstiegs gestellt worden.

Contadors Team in Gedanken bei Basso

In einem gnadenlosen Ausscheidungsfahren musste zunächste Nibali passen, dem Titelverteidiger fehlt offenbar jede Form. Froome hatte am Hinterrad seiner Teamkollegen Richie Porte und Geraint Thomas alles im Griff, sechs Kilometer vor dem Ziel attackierte er dann, niemand konnte folgen.    

Contador hatte den Ausfall eines seiner wichtigsten Helfer am Berg zu verkraften, doch angesichts der Hodenkrebs-Erkrankung und des damit verbundene Rückzugs von Ivan Basso trat das Sportliche in den Hintergrund. Basso hätte beim irrsinnigen Tempo der Sky-Mannschaft aber ohnehin nicht helfen können.

"Das war ein harter Tag für das gesamte Team. Unsere Gedanken sind bei Ivan", sagte der frühere T-Mobile-Profi Michael Rogers, nun Haupt-Unterstützer Contadors.

Kaum zu erwarten, dass Barguil am Mittwoch auf der elften Etappe angreifen kann, ist dieser Tagesabschnitt doch noch ein ganzes Stück anspruchsvoller. Auf dem Weg ins Ziel nach Cauterets steht unter anderem mit dem Tourmalet einer mythischen Tour-Gipfel auf dem Plan.

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