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Chris Froome verlor auf der 19. Etappe etwas Zeit auf Nairo Quintana
Chris Froome verlor auf der 19. Etappe etwas Zeit auf Nairo Quintana © Getty Images

Spitzenreiter Chris Froome übersteht eine Schrecksekunde und zeigt erstmals kleine Schwächen. Vincenzo Nibali gewinnt die Königsetappe der diesjährigen Tour im Alleingang.

Titelverteidiger Vincenzo Nibali riss die Arme in die Höhe und bejubelte seinen Etappenerfolg wie den Gesamtsieg, Christopher Froome kam nach zahllosen Attacken seiner Gegner mit einem blauen Auge davon und rollte als designierter Sieger der 102. Tour de France (Live-Ticker zum Nachlesen) über die Ziellinie.

Der Brite wurde dabei erneut Opfer eines Skandals. Knapp zwei Kilometer vor dem Ziel hatte ein Zuschauer Froome angespuckt. Erst nachdem er von Journalisten mehrfach auf den Vorfall angesprochen wurde, kritisierte er: "Wenn das so war, dann ist das armselig und inakzeptabel."

Während sich Nibali für eine bislang enttäuschend verlaufene Frankreich-Rundfahrt tröstete, steht Froome nach der hochspannenden Königsetappe der Alpen vor dem erneuten Gewinn der Tour.

Froome kaum noch zu stoppen

Beim abschließenden Alpen-Showdown nach L'Alpe d'Huez dürften Froome nur noch ein Sturz oder ein nicht zu erwartender Leistungseinbruch am zweiten Gesamtsieg nach 2013 hindern, der Vorsprung auf den zweitplatzierten Kolumbianer Nairo Quintana (Movistar) beträgt 2:38 Minuten (Das Gesamtklassement der Tour de France).

Die Fahrt über die 21 legendären Spitzkehren werden für den gebürtigen Kenianer trotz zu erwartender Attacken des Bergflohs aus den Anden aller Voraussicht nach zu einer Triumphfahrt.

Contador und Valverde fallen zurück

Erst beim schweren Anstieg zur Bergankunft in La Toussuire kam es zum erwarteten Zweikampf zwischen Froome und Quintana. Der 25-Jährige, der sich fast die gesamte Etappe über konsequent an Froomes Hinterrad aufgehalten hatte, gab fünf Kilometer vor dem Ziel seine abwartende Haltung auf und attackierte.

Während Froome mit größter Mühe konterte und 30 Sekunden hinter Quintana das Ziel erreichte, konnten Giro-Sieger Alberto Contador (Tinkoff-Saxo) und Alejandro Valverde (beide Spanien/Movistar) nicht mehr mithalten.

Froomes Rivalen hatten dem Tour-Patron auf dem schweren 138 km langen Teilstück schon zu Beginn keine Zeit zum Einrollen gelassen.

Auf dem Weg zum Col du Chaussy, einer Bergwertung der ersten Kategorie kurz nach dem Start, setzten unter anderem Nibali und Contador erste Nadelstiche. Der Großteil von Froomes Helfern beim Team Sky verlor den Anschluss, fand in der Abfahrt und dem anschließenden Flachstück aber wieder zum Kapitän.

Technisches Problem stoppt Froome

Auf dem Weg zum Col de la Croix de Fer (2067 m), der auch am Samstag auf dem Weg nach L'Alpe d'Huez überquert wird, gingen Froome erneut die Unterstützer aus. Sein britischer Edelhelfer Geraint Thomas, vor der Etappe Vierter des Gesamtklassements, ließ abreißen. Einzig der Niederländer Wout Poels blieb unter größter Anstrengung bei Froome.

Nahezu auf sich allein gestellt geriet Froome in Schwierigkeiten, als er im Anstieg wegen eines technischen Problems kurz anhalten musste.

Zwar kämpfte sich Froome wieder an Valverde, Quintana und Contador heran, doch nutzte Nibali die Gunst der Stunde für eine Attacke und verstieß damit gegen das Gentlemen's Agreement: Angriffe bei technischen Problemen der Gegner sind im Peloton verpönt.

Im Alleingang schloss der Italiener im Anschluss die Lücke zum zuvor enteilten Franzosen Pierre Rolland (Europcar), der vor drei Jahren an gleicher Stelle einen Etappensieg gefeiert hatte. 16 km vor dem Ziel zog Nibali das Tempo an und enteilte seinem Begleiter, auf dem Weg zum ersehnten Tagessieg ließ sich Nibali nicht mehr aufhalten.

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