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Andre Greipel
Greipel gewann bisher elf Etappen bei der Tour de France © Getty Images

André Greipel gilt nach seinen Erfolgen bei der Tour de France als aktuell weltbester Sprinter. Im SPORT1-Interview spricht er über die anstehenden Cyclassics und einen sauberen Radsport.

Von Vincent Reinke

Während die Leichtathletik kurz vorm WM-Start mit Doping-Skandalen zu kämpfen hat, produziert der Radsport in Deutschland wieder positive Schlagzeilen. Bei der diesjährigen Frankreichrundfahrt können die deutschen Fahrer insgesamt sechs Etappensiege verzeichnen.

Prägende Figur ist dabei André Greipel mit vier Erfolgen, darunter der Triumph auf den Champs Elysees. 

Am kommenden Sonntag startet der 33-Jährige bei den Vattenfall Cyclassics in Hamburg. Dort trifft er auf weitere deutsche Stars wie Marcel Kittel und Tony Martin sowie internationale Topsprinter wie Mark Cavendish oder Alexander Kristoff.

Im SPORT1-Interview spricht Greipel über den Stellenwert der Cyclassics, einen sauberen Radsport und den Traum eines rein deutschen Teams. 

Sport1: Herr Greipel, befinden Sie sich derzeit in der Form ihres Lebens?

Greipel: Es waren auf alle Fälle tolle drei Wochen bei der Tour de France. Nicht nur ich, das ganze Team schwebt gerade ein Stück weit auf einer Wolke. Ich bin einfach stolz auf das Team, ohne sie wären meine vier Etappensiege definitiv nicht möglich gewesen.

Le Tour de France 2015 - Stage Twenty One
André Greipel feiert seinen Sieg in Paris © Getty Images

Sport1: Haben Sie die Erfolge denn schon verarbeiten können?

Greipel: Nein, richtig verarbeitet hat man das Ganze noch nicht. Dafür wird wohl erst nach der Saison die nötige Zeit und Ruhe sein.

Sport1: Am Sonntag starten sie bei den Cyclassics. Welchen Reiz hat das Rennen für Sie?

Greipel: Es ist etwas Besonderes, in Norddeutschland in der Nähe zu meiner Heimatstadt Rostock an den Start zu gehen. Die Vattenfall Cyclassics in Hamburg, das einzige UCI WorldTour-Rennen in Deutschland, ist neben Klassikern wie Mailand-San Remo und Gent-Wevelgem eines der bedeutendsten Eintagesrennen in der Saison. Der Sieg ist dann natürlich das Ziel.

Sport1: Dennoch konnten Sie die Cyclassics bisher noch nicht gewinnen. Klappt es in diesem Jahr?

Greipel: Ich hoffe sehr. Man muss versuchen, in der großen Gruppe der 50 bis 60 Fahrer drin zu bleiben. Ein Sprint in einer Stadt ist nicht so einfach, da gibt es meist eine enge Straßenführung. Wichtig wird sein, sich eine gute Position im Feld zu verschaffen.

Sport1: Woran liegt das wieder erstarkte Interesse am Radsport in Deutschland?

Greipel: Die Tour de France liegt noch nicht lange zurück, da schwingen die aktuellen Erfolge mit den sechs deutschen Etappensiegen natürlich mit, zumal auch die öffentlich-rechtlichen TV-Sender von der vergangenen Tour live berichtet haben. Insgesamt ist die Medienberichterstattung über den Radsport wieder größer geworden.

Sport1: Welche Rolle spielt dabei Ihr Einsatz im Kampf gegen Doping?

Greipel: Wahrscheinlich haben meine Leistungen und Siege einen guten Beitrag geleistet. Ich bin davon überzeugt, dass der Radsport eine der saubersten Sportarten geworden ist. Man kann mich jederzeit kontrollieren, ich habe nichts zu verbergen.

Sport1: Derzeit steht die Leichtathletik wegen neuer Doping-Enthüllung in Kritik. Robert Harting hat in diesem Zusammenhang seine Blutwerte veröffentlicht. Wie stehen Sie dazu?

André Greipel und Tony Martin
Greipel (l.) und Martin vor der sechsten Etappe bei der diesjährigen Tour de France © Getty Images

Greipel: Ich hätte damit absolut kein Problem. Meinetwegen kann man mein Blut dann auch in 20 Jahren noch mal untersuchen. Ich bin davon überzeugt, dass die deutschen Radprofis ihre Blutwerte auch veröffentlichen würden.

Sport1: Träumen Sie in Ihrer Karriere noch einmal in einem rein deutschen Team mit Martin und Co. zu starten?

Greipel: Es sind bereits einige sportliche Träume in Erfüllung gegangen, aber noch nicht alle. Von einem rein deutschen Team habe ich noch nicht geträumt, aber das hätte schon seinen ganz besonderen Reiz. Ich habe das für mich beste Team gefunden, das Team Lotto-Soudal. Ich fühle mich dort absolut wohl und habe auch noch kommendes Jahr Vertrag. Von daher stellt sich diese Frage für mich aktuell nicht.

Sport1: Bei der WM im September starten Sie auf jeden Fall gemeinsam für Deutschland.

Greipel: Es ist immer eine Ehre für die Nationalmannschaft zu fahren, die Vorfreude auf die anstehende WM ist dementsprechend groß.

Sport1: Welche Chancen haben das deutsche Team und Sie persönlich?

Greipel: Sehr große! In den nächsten beiden Jahren sind die Streckenprofile jeweils relativ flach. Mit John Degenkolb haben wir einen der weltbesten Eintagesfahrer in unseren Reihen. Auch ich rechne mir gute Möglichkeiten aus und ein Titel bei der WM, das wäre etwas ganz Besonderes. 

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