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Ein französischer Ermittler glaubt an Motordoping bei der Tour de France
Ein französischer Ermittler glaubt an Motordoping bei der Tour de France © Getty Images

Die anhaltende Debatte um Motordoping im Radsport zieht immer weitere Kreise.

Jean-Pierre Verdy, bis 2015 Direktor des Kontrollbereichs der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD, hält das Problem für größer als bislang angenommen und glaubt an Manipulation bei der Tour de France.

"Im vergangenen Jahr habe ich so viele Hinweise bekommen wie nie zuvor. Es herrschte totale Alarmstimmung vor dem Start. Viele Teammanager haben mit mir gesprochen, dass man endlich etwas tun muss. Aber gegenüber der Presse haben die Teammanager geschwiegen und nichts gesagt", sagte Verdy dem Magazin Tour.

Beweise könne er nicht vorbringen, da er die manipulierten Räder nicht selbst gesehen hätte. Betrogen hätte "eine Minderheit, aber es waren wohl mehr als ein Dutzend Fahrer. Viel mehr als noch 2014 und die Jahre zuvor."

Die Debatte über illegale technische Hilfsmittel wurde nach Recherchen der italienischen Zeitung Corriere della Sera und des französischen TV-Senders Stade 2 zuletzt neu entfacht. Demnach waren beim Eintagesrennen Strade Bianche sowie beim Etappenrennen Coppi e Bartali im März mit Hilfe von Wärmebildkameras auffällige Temperaturwerte an sieben Rädern festgestellt worden.

An Übertreibung durch die Journalisten glaubt Verdy nicht: "Nein, ganz im Gegenteil. Sie haben nur das Minimum gesagt. Das Problem ist noch viel größer. Ich habe mich nur gewundert, warum es jetzt auf einmal weltweit so große Wellen schlägt. Motordoping gibt es seit Jahren – es ist immer stärker geworden."

Der lebenslang gesperrte italienische Dopingarzt Michele Ferrari hatte zuletzt behauptet, dass elektrisch angetriebene Räder seit 2005 bei Rennen verwendet würden.

Der Radsport-Weltverband UCI setzt bei der Aufklärung von Motordoping auf Magnetresonanz-Untersuchungen per Tablet und bezeichnete diese Methode unlängst als "äußerst effizient".

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