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CYCLING-QAT-WORLD-CHAMPIONSHIPS
Die Polin Katarzyna Pawlowska bei der Rad-WM in Katar © Getty Images

Jetzt auch Andre Greipel: Bei den Radprofis stößt die WM in Katar auf immer schärfere Kritik. Die WM in dem Wüstenstaat sei eine grandiose Fehlentscheidung.

Trostlose Atmosphäre, beinahe unerträgliche Hitze: Die Kritik an der Straßenrad-WM in Katar hält unvermindert an. Auch für Top-Sprinter André Greipel ist die Austragung der Titelkämpfe im Wüstenstaat eine vollkommen unsinnige Entscheidung.

"Man hätte früher nachdenken sollen, bevor die Gelder geflossen sind, wohin man die WM vergibt, damit man die Gesundheit der Sportler nicht aufs Spiel setzt", sagte der Rostocker der Sport Bild.

Temperaturen von 60 Grad

Greipel, der die deutsche Mannschaft als Kapitän im WM-Straßenrennen am Sonntag anführt, hält die Bedingungen für "unzumutbar. Direkt über dem Asphalt herrschen Temperaturen von 60 Grad", sagte der 34-Jährige, der für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) in Doha 50 Jahre nach dem WM-Titel von Rudi Altig wieder das Regenbogentrikot holen soll.

Greipels Meinung teilt Zeitfahr-Spezialist Tony Martin. "Auch die Atmosphäre wird sicher nicht einer WM gerecht. Es sind mehr Reporter als Fans. Das ist definitiv schade. Aber alle wissen, warum die WM hier ist: Geld regiert die Welt", sagte der 31-Jährige.

Die erste Straßenrad-WM im Nahen Osten wurde 2012 noch vom damaligen skandalumtosten Weltverbands-Präsidenten Pat McQuaid vergeben. Aber auch der amtierende UCI-Chef Brian Cookson muss sich Kritik gefallen lassen.

"Warum macht man nicht ein Nachtrennen daraus?", fragte Martin mit Blick auf das Straßenrennen über 257,5 Kilometer, das über eine längere Passage durch die Wüste führt.

Ruf nach Nachtrennen

Es gebe Rundkurse, es gebe Beleuchtung, in der Nacht seien es fünf bis zehn Grad weniger, ergänzte Martin. "Ob man uns jetzt wirklich bei 35 bis 40 Grad sechs Stunden fahren lassen muss, ist mehr als fragwürdig", sagte der gebürtige Lausitzer und forderte eine rasche Entscheidung der UCI über eine mögliche Verkürzung des Rennens.

"Ich bin dafür, dass man zeitnah eine Aussage trifft. Ich weiß nicht, was am Sonntag anders sein sollte als am Donnerstag oder Freitag", sagte er schon zu Wochenbeginn, räumte aber auch ein: "Wenn man jetzt verkürzt, hat das auch etwas von Schwanz einziehen. Es war davon auszugehen, dass es hier 35 bis 40 Grad haben wird."

UCI verteilt Hitze-Broschüre

Die UCI hat eigens zur WM eine 28-seitige Broschüre zum Umgang mit der Hitze herausgegeben. Ein vierköpfiges Mediziner-Gremium um den ehemaligen BDR-Arzt Olaf Schumacher beobachtet täglich die Gegebenheiten und spricht Empfehlungen aus.

In Abstimmung mit der Fahrergewerkschaft könnte durchaus eine Reduzierung des Straßenrennens um 150 Kilometer erfolgen.

Aber der Verband, findet Martin, zeichne sich nicht gerade durch fahrerfreundliche Entscheidungen aus: "Die UCI ist teilweise auch taub, was die Bedürfnisse der Fahrer angeht. Man sieht das ja beim Thema Fahrersicherheit, wo sich relativ wenig getan hat. Ich denke, es entscheiden andere Kriterien als die Meinung der Fahrer."

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