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In den Vorjahren war es bei der Tour Down Under noch ein gewohntes Bild: Küsse für den Sieger © Getty Images

Bei der Tour Down Under fehlen erstmals die im Radsport bekannten Podiumsgirls. Das führt zu Streit unter den Fahrern, viele vermissen sie. Manch einer zeigt Verständnis.

Befremden unter den Radprofis bei der Tour Down Under in Australien: Die traditionelle Siegerzeremonie nach den Etappen findet erstmals ohne die Hostessen statt, die dem Gewinner des Tages sonst einen Blumenstrauß sowie einen Kuss auf die Wangen geben. Stattdessen übernehmen Nachwuchsfahrer oder lokale Würdenträger die Ehrung, selbstredend ohne Kuss. Kritiker hatten Podiumgirls in der Vergangenheit als chauvinistisch und nicht mehr zeitgemäß bezeichnet.

Der Niederländer Koen de Kort, Teamkollege von John Degenkolb bei Trek-Segafredo, hat kein Verständnis. "Meine Frau war Podiumgirl, und ich habe sie hier bei diesem Rennen kennengelernt. Sie stehen nicht nur da oben, um gut auszusehen, sie sind auch Gastgeber. Das ist lächerlich, da steckt Politik dahinter", sagte de Kort dem Onlineportal der Fachzeitschrift Velonews.

"Gehört zum Radsport"

Sein amerikanischer Teamkollege Peter Stetina unterstrich diesen Standpunkt. "Es gehört zum Radsport. Ich glaube nicht, dass es sexistisch ist, solange der Veranstalter die Mädels nicht provozierend ankleidet", sagte er. Stetina würde es lieben, die Blumen und die Küsse auf die Wange zu bekommen, sollte er eines Tages ein Rennen gewinnen: "Es ist eine Zeremonie. Sie sollten es beibehalten."

Es gibt aber auch andere Meinungen. Der Spanier Mikel Landa (Sky) findet, die Entscheidung bei der Tour Down Under sei ein Beispiel, dem sich andere Veranstalter anschließen sollten. "Das ist eine alte Tradition. Es ist, als behandelst du Frauen wie eine Sache und schätzt sie nicht richtig", sagte er der Zeitung El Correo. Es sei "tief verwurzelt" und niemand traue sich, es infrage zu stellen: "Man muss doch zugeben, die Podiumgirls sind nur da, weil sie hübsch sind und eine tolle Figur haben."

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