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Bei der Flandern-Rundfahrt trugen die Fahrer des Rennstalls  Wanty-Groupe Gobert Trauer-Shirts mit dem Foto ihres verunglückten Teamkollegen Antoine Demoitie
Bei der Flandern-Rundfahrt trugen die Fahrer des Rennstalls Wanty-Groupe Gobert Trauer-Shirts mit dem Foto ihres verunglückten Teamkollegen Antoine Demoitie © DPA Picture-Alliance

Nicht nur Demoities tödlicher Crash rückt die Begleitmotorräder bei der Tour in den Fokus. Deutsche Topfahrer stellen Forderungen, doch der Veranstalter steckt im Dilemma.

Antoine Demoitie (25) - starb Ende März nach dem Halbklassiker Gent-Wevelgem. Stig Broeckx (26) - liegt seit Ende Mai im Koma.

Zwei belgische Radsportler, die für eine ganze Problematik stehen: Schwere Unfälle mit Begleitmotorrädern haben in diesem Jahr derart zugenommen, dass Spitzenfahrer in den hektischen Etappen der am Samstag (ab 12.20 Uhr im LIVETICKER) beginnenden Tour de France das Schlimmste befürchten.  

"Es ist der Zeitpunkt da, etwas zu verändern und unseren schönen Sport sicherer zu machen. Wir müssen schnelle, intelligente Maßnahmen treffen", sagt der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin, der seit Monaten gebetsmühlenartig die Veranstalter in die Pflicht nimmt.  

Martin will gefährliche Manöver reduzieren

Martin indes redet nicht nur - nach den tragischen Unfällen mit Demoitie, dem nach einem Sturz ein Motorrad überrollt hatte, und Broeckx sowie den Vorfällen bei Paris-Roubaix, als in einer engen Kopfsteinpflaster-Passage ein Kraftrad das Feld förmlich ummähte - hat der 31-Jährige gehandelt.  

"Wir haben Vorschläge unter Federführung von Marcel Kittel und mir an unsere Fahrergewerkschaft gesendet", sagt Martin: "Schwerpunkt ist, Gefahrenstellen auch ohne Motorradfahrer, die dafür nach vorne kommen müssen, abzusichern, sondern stationär mit Warnsignalen. Dann kann man vielleicht schon die Hälfte von Überholvorgängen vermeiden." (Datencenter: Etappenplan der Tour de France)

Martin spricht damit das gefährlichste Szenario an: Motorräder, die auf engen Landstraßen mit Tempo am Feld vorbeiziehen oder sich mitten durch das Peloton drängeln.

Kittel: Kommunikation hat sich verbessert

Gerade bei der Tour mit der großen Unruhe im Feld drohen in solchen Fällen fatale Crashs. "Mittlerweile tut sich aber etwas. Früher haben wir in Sachen Kommunikation in der Steinzeit gelebt", sagte Martins QuickStep-Kollege Kittel: "Bei manchen Rennen wurden unsere Vorschläge schon umgesetzt, Motorräder besser umgeleitet. Das hat ganz gut geklappt."  

Andre Greipel, Kittels großer Sprint-Rivale bei der Tour, sieht eine große Gefahrenquelle in mangelnder Kommunikation. "Wir Fahrer wissen manchmal nicht, was das Motorrad vorhat", sagte Greipel.

Sein Lotto-Kollege Broeckx hatte sich bei einem Massensturz bei der Belgien-Rundfahrt lebensgefährlich verletzt, den die Kollision zweier Motorräder ausgelöst hatte.

Prudhomme: Sicherheit über alles

Tour-Chef Christian Prudhomme verweist derweil darauf, dass die Motorradfahrer bei der "Grande Boucle" höchste Sicherheits- und Ausbildungsstandards erfüllen.

"Für uns zählt Sicherheit über alles. Auto- und Motorradfahrer sind handverlesen, müssen Schulungen absolvieren, um in Extrem-Situationen richtig reagieren zu können", sagte Prudhomme. Ganz in Martins Sinne kündigte er an, die Zahl der Krafträder bei der Tour zu reduzieren.  

Damit wird das Thema Motorräder allerdings zum Dilemma. Am sichersten wäre es, sie komplett aus dem Peloton zu verbannen.

TV-Helikopter regelmäßig außer Gefecht

Doch das ist gerade im Hinblick auf die mediale Präsentation einer Tour nicht möglich: Schlechtes Wetter - gerade im Hochgebirge - setzt TV-Helikopter regelmäßig außer Gefecht, Kameras auf Krafträdern sind dann die einzige Möglichkeit, um Bewegtbilder vom Renngeschehen zu zeigen.

Ein Kameramann auf dem Rücksitz erhöht aber wiederum das Unfall-Risiko eines Krads.

Mehr Sicherheit, dafür weniger spektakuläre Aufnahmen - die Tour steht vor wegweisenden Entscheidungen. 

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