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Marcel Kittel (l.) musste sich bei Andre Greipels DM-Triumph in Erfurt mit Platz 3 begnügen
Marcel Kittel (l.) musste sich bei Andre Greipels DM-Triumph in Erfurt mit Platz 3 begnügen © Imago

Erfurt - Im Duell der Topsprinter kassiert Marcel Kittel bei den DM eine Schlappe. Er bläst zur Revanche in der Normandie. Andre Greipel glaubt nicht an einen Zweikampf um Gelb.

Marcel Kittel war ziemlich bedient nach dem verlorenen Meisterschafts-Duell mit Andre Greipel, doch schon am Abend hatte er den Frust in Kampfgeist verwandelt. "Jetzt geht es mit etwas Wut im Bauch zur Tour, die ich dort aufs Pedal bringen werde", ließ der Thüringer Radprofi auf seiner Homepage wissen. 

Die DM in Erfurt war für die deutschen Top-Sprinter nur der Vorgeschmack, die Stunde der Wahrheit schlägt am Samstag beim Auftakt der Frankreich-Rundfahrt in der Normandie.

"Die Tour ist ein anderes Radrennen", sagte auch Greipel nach seinem dritten Straßentitel innerhalb der vergangenen vier Jahre.

Vom Ausgang der Tour-Generalprobe wollten also beide nicht viel ableiten. In der Tat ist ja beim Grand Départ von anderen Gegebenheiten auszugehen, doch eines bleibt: Das elektrisierende Sprint-Duell zwischen Kittel und Greipel steht nicht nur beim Kampf um das erste Gelbe Trikot der 103. Großen Schleife im Mittelpunkt.

"Ich freu mich drauf, ich weiß auch, dass Andre sich drauf freut. Es wird ein spannender Kampf", sagte Kittel.

Kittel (28) und Greipel (33) haben in dieser Saison schon zahlreiche Erfolge eingefahren, sie gelten derzeit als die wohl Weltbesten im Sprintermetier.

Beide prägten die vergangenen drei Tour-Ausgaben. Kittel gewann sowohl 2013 als auch 2014 vier Etappen, Greipel nutzte im Vorjahr die Absenz Kittels zu ebenfalls vier Tageserfolgen. Das "Maillot jaune" aber hat bisher nur Kittel getragen.

Greipel mindestens bei einer Etappe vorn 

Greipel ist gleichwohl seit Jahren ein Muster an Konstanz. In jeder der letzten zehn großen Landesrundfahrten (Giro, Tour, Vuelta), an denen er teilgenommen hat, gewann der Rostocker mindestens eine Etappe.

Insgesamt sind es mittlerweile beeindruckende 20 Tagessiege bei einer Grand Tour. "Ich habe eine sehr professionelle Einstellung, das zahlt sich im Laufe der Karriere aus", sagte der Routinier dazu recht lapidar.

Nur sich in ein Duell drängen zu lassen, das mag der Rostocker ungern. Das mochte er schon vor Jahren bei der Auseinandersetzung mit Mark Cavendish nicht.

"Er ist einer der Konkurrenten", sagte Greipel etwa über Kittel und denkt auch an andere Top-Leute wie den Briten Cavendish, den Norweger Alexander Kristoff, die Franzosen Bryan Coquard und Nacer Bouhanni sowie den aufstrebenden Niederländer Dylan Groenewegen.

Positionsgerangel für die WM 

Kittel schätzt an Greipel dessen Hartnäckigkeit, seine Fairness und Gradlinigkeit. "Ich habe nie eine Situation erlebt, wo er in irgendeiner Weise unfair war oder auch mal nicht gesagt hat, was er denkt. Ich finde, das ist ein wichtiger Charakterzug", sagte der gebürtige Arnstädter.

Für Greipel liegt der einzige Unterschied auf der Hand: "Ich bin älter als er."

Kittel und Greipel wissen aber auch, dass ihre Tour-Leistungen den Weg bei der WM-Nominierung vorgeben. Im Oktober in Katar ist die Chance auf einem sprinterfreundlichen Kurs so groß wie seit vielen Jahren nicht, dass ein Deutscher das Regenbogentrikot erobert.

 Kittel oder Greipel wird der Kapitän heißen. "Wir müssen uns da beide nichts vormachen, dass die Tour-Ergebnisse eine Rolle spielen werden", sagte Kittel. 

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