vergrößernverkleinern
John Degenkolb (2.v.l.) kämpfte bis zum Schluss um den Etappensieg mit
John Degenkolb (2.v.l.) kämpfte bis zum Schluss um den Etappensieg mit © Getty Images

Bern - John Degenkolb zeigt sich nach der verpassten "Riesenchance" auf der 16. Etappe enttäuscht. Eine besondere Überraschung lindert den Schmerz jedoch.

John Degenkolb stapfte wutenbrannt zum Teambus, doch das unverhoffte Wiedersehen mit Söhnchen Leo-Robert ließ den Frust über den knapp verpassten Tour-Etappensieg blitzschnell verfliegen.

"Ich freue mich seit zwei Wochen darauf, ihn wiederzusehen. Das ist wirklich eine Riesen-Überraschung", sagte der Geraer, als ihm Ehefrau Laura den Steppke in den Arm drückte. Degenkolbs vierter Platz war auf einmal kein so großes Thema mehr.

Als sich der slowakische Weltmeister Peter Sagan für den Sieg auf der 16. Etappe nach Bern, seinen dritten Erfolg bei der laufenden Frankreich-Rundfahrt, feiern ließ, konnte Degenkolb seinen Ärger allerdings nicht ganz verhehlen. "Das war eine Riesenchance, deshalb bin ich extrem enttäuscht, dass es nur der vierte Platz geworden ist", sagte Degenkolb.

Nach Trainingsunfall wieder vorne dabei

Dass der 27 Jahre alte Klassiker-Jäger vom Team Giant-Alpecin, der nach zehn Vuelta-Siegen und einem Erfolg beim Giro noch auf seinen ersten Tour-Coup wartet, überhaupt wieder um Siege mitfährt, ist ein kleines Wunder. Anfang Februar hatte sich "Dege" bei einem Trainingsunfall in Spanien schwer verletzt hatte. "Es geht wieder viel besser, ich kann wieder ganz vorne mithalten", sagte Degenkolb, der bereits am Samstag Etappenvierter geworden war.  

Der Roubaix- und Sanremo-Sieger des Vorjahres versuchte im knüppelharten Finale von Bern auf der ansteigenden Zielgeraden alles. Im Finale fehlte dem Geraer das entscheidende Quäntchen. "Die Beine hätte ich gehabt, um durchzuziehen, aber es fehlte noch das Selbstvertrauen", sagte Degenkolb.

Duo chancenlos - Martin überzeugt 

Marcel Kittel hatte rund 25 km vor dem Ziel den Anschluss verloren, sein Sprint-Rivale Andre Greipel war auf der Zielgeraden ebenfalls nicht mehr zu sehen.

Der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin, der bislang eine recht enttäuschende Tour fährt, hatte früh sein Glück in der Flucht gesucht und sich nach nicht einmal 15 km in einer Zweiergruppe mit seinem französischen Quick-Step-Kollegen Julian Alaphilippe abgesetzt.

Der tempoharte Martin fuhr fast über die komplette Flucht hinweg als Lokomotive für seinen Teamkollegen, der wohl für den ersten Etappensieg für einen Franzosen bei der laufenden Tour sorgen sollte. Doch auch Alaphilippe fehlte am Montag die Frische. 25 km vor dem Ziel fiel der Franzose zurück, kurz darauf war es auch um Martin geschehen - nach 170 km in vorderster Front.

"Um ehrlich zu sein, wollten wir eine Spitzengruppe kreieren, aber dann waren wir auf einmal nur zu zweit. Klar, das war natürlich ein bisschen verrückt, so früh loszufahren. Aber manchmal hat sowas in der Vergangenheit mal funktioniert", sagte Martin. Er und Alaphilippe bekamen gemeinsam die rote Startnummer für den kämpferischsten Fahrer der Etappe verliehen - ein Novum in der Tour-Geschichte.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel