vergrößernverkleinern
Tony Martin war im Kampf gegen die Uhr über zwei Minuten langsamer als Tom Dumoulin
Tony Martin war im Kampf gegen die Uhr über zwei Minuten langsamer als Tom Dumoulin © Getty Images

Nach Platz 9 im Zeitfahren will Tony Martin von Krise nichts wissen und schiebt die Tour-Strapazen vor. In Rio wäre er aber schon froh, "um die Medaillen mitfahren zu können".

Der Stachel der Enttäuschung saß tief, doch seinen Traum von einer Medaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro wollte Tony Martin deshalb noch lange nicht aufgeben.

"Die Form stimmt. Ich bin weiterhin optimistisch", sagte der deutsche Radprofi nach dem neunten Platz im Einzelzeitfahren der 103. Tour de France.

Offensiv hatte der 31-Jährige angekündigt, am Freitag auf dem hügeligen Kurs zur Caverne du Pont-d'Arc um den Sieg mitzufahren. Am Ende trennten Martin und den siegreichen Niederländer Tom Dumoulin über zwei Minuten - zu viel für einen dreimaligen Weltmeister im Kampf gegen die Uhr, zu viel für Martins Selbstverständnis.

Martin "ganz schön leer"

 "Es überwiegt die Enttäuschung. Es war sicher nicht herausragend", sagte Martin, fügte aber an, "dass es im Grunde kein schlechtes Zeitfahren war".

Für eine detaillierte Analyse war es zu früh, als Martin am Freitagnachmittag nach dem Rennen auf den Stufen des Busses seines Teams Etixx-QuickStep hockte.

Und nachdachte: über die starken Winde auf der Strecke, die Belastungen bei der Tour und die Rückstände zu Dumoulin sowie den zweitplatzierten Tour-Dominator Christopher Froome (Großbritannien/+ 1:02 Minuten), der in Rio zu den Goldkandidaten zählt.

"Ich war doch ganz schön leer, ich habe mich nicht wirklich frisch gefühlt", erklärte Martin.

Ackern für Kumpel Kittel

Seit zwei Wochen tritt Martin bei der Frankreich-Rundfahrt in die Pedale, damit steht er freilich nicht allein da.

Der gebürtige Cottbuser testete seine Bergform in den Pyrenäen, vor allem aber zeigte sich Martin mannschaftsdienlich, immer wieder ackerte er für seinen Kumpel Marcel Kittel in der Sprintvorbereitung. "Klar, Zeitfahren ist Zeitfahren. Aber es ist ein Unterschied, wenn man mit zwei Wochen Belastung reingeht und das ein oder andere Rennen vorne gefahren ist", so Martin.

Als alleinige Ursache für den deutlichen Rückstand zur Spitze kann dies aber nur bedingt gelten. Chris Froome fährt seit Tagen im Gelben Trikot und schont sich nicht, Dumoulin gewann als Solist die anspruchsvolle Bergetappe nach Andorra.

Maximal um eine Medaille

Am 10. August erwartet Martin in Rio de Janeiro ein Rennen unter anderen Vorzeichen. Martin, aber auch seine Konkurrenten, werden weitaus ausgeruhter in den olympischen Kampf gegen die Uhr gehen.

Dabei geht es für den besten deutschen Zeitfahrer nicht um Gold. "Das ist utopisch", sagte Martin, für den der Kurs zu anspruchsvoll sein wird: "Ich würde mich freuen, um die Medaillen mitfahren zu können."

Nach der Enttäuschung bei der Tour de France umso mehr. 

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel